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ein nicht ganz objektiver Reiseberich

vom 04.11.2003 bis 29.12.2003
aufgezeichnet von Norbert Wendelin

 

 

 

 

VORWORT

Da ja jeder weiß, dass ein Bericht so objektiv wie möglich abgefasst sein soll, habe ich obigen Untertitel gewählt um diese Erwartungshaltung schon im Vorhinein etwas einzuschränken. Es gibt sicher den einen oder anderen der manche Sache anders gesehen hat und unterschiedlich bewertet, aber ich denke doch, dass diese Erzählung im Großen und Ganzen das wiedergibt, was wir in 25 Tagen Australien erleben durften.

Dienstag, 04.11.2003

Endlich ist es soweit – der Tag X hat begonnen, die lange geplante zweite Reise von Wendi's Böhmischer Blasmusik nach Australien, kann beginnen. Um 16:00 Uhr ist Treffpunkt im Musikhaus um die Musikinstrumente und die Verstärkeranlage in den Bus zu verfrachten. Unser Chauffeur Willi Nitschinger ist pünktlich wie eh und je. Innerhalb von 3 min sind die Instrumente und die Koffer der Anwesenden (Roland "Jolly" Baumann, Walter Denk, Obmann Paul Falb, Karl "Charly" Gonter und meine Wenigkeit) im Gepäcksraum untergebracht. Willi drängt auf Abfahrt, da wir jedoch einen genauen Zeitplan einzuhalten haben, machen wir noch ein Bier auf und schlagen die Zeit mit allerlei Blödeleien tot. Es ist wohl doch die Aufregung die einen während des Trinkens schon wieder durstig macht.

Um 16:30 Uhr endlich besteigen wir den Bus und fahren Richtung Mönchhof um unseren Aushilfs-Bassisten Hannes Kaiser aufzunehmen. Er wäre nicht der Kaiser hätten wir nicht auf ihn warten müssen. Die Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, sagt man – aber kann sich ein König mit einem Kaiser vergleichen? Nach einem Telefongespräch mit Kapellmeister Werner "Wendi" Wendelin erfahren wir, dass seine Hoheit bereits unterwegs ist. Kurz darauf ist der liebe Hannes auch schon da und wir können die Fahrt nach Gols fortsetzen. In Gols, Weiden am See, Neusiedl am See, an der Mauth und in Parndorf gesellen sich immer mehr Mitreisende zu uns – ein großer Teil unserer Reisegruppe hat es jedoch vorgezogen, selber bzw. mit Angehörigen zum Flughafen zu fahren.

Wir treffen um 18:00 Uhr am Vienna International Airport ein und sobald alle 45 österreichischen Reiseteilnehmer – Helmut Hartwig stößt erst in Frankfurt zur Gruppe – sich zusammengefunden haben, versuchen wir einzuchecken. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen, bei der AUA sträubt man sich gegen einen Gruppen-Checkin und somit löst jeder selber seinen Boarding-Pass. Ich begebe mich mit Karl Gonter und unseren Instrumenten zu einem Zollbeamten um die vorübergehende Ausfuhr derselben anhand eines Formulars (Carnet ATA von der Wirtschaftskammer) bestätigen zu lassen. Zwei hilfreiche Flughafenbedienstete schieben unseren vollbepackten Wagen. Der Zollbeamte erklärt freundlich und bestimmt, dass die Instrumente und Kisten zuerst eingecheckt werden müssen. Also zurück zum Schalter der AUA, einer der hilfreichen Geister, ein Inder wohl, versucht mir im gebrochensten Deutsch weiszumachen, dass er warten will – ich habe es zu eilig um zu fragen worauf, und lasse ihn gewähren. Der AUA-Bedienstete am Schalter bekommt Stielaugen als er unsere Fracht sieht, und als der zweite hilfreiche Geist, auch ein Inder, der mit mir zum Schalter mitgekommen ist, meinte: "sehr schwer!!!", beginnen die Stielaugen auch noch zu glänzen. Übergepäck muss bezahlt werden meint er höflich geifernd, es nützt auch nichts, dass wir schon € 4.000,00 bei der QANTAS vorausbezahlt haben, da die AUA von diesem Geld nichts zu sehen bekommt. Also geht es ab zur Waage und die einzelnen Kisten und Koffern werden einer genauen Gewichtskontrolle unterzogen. Wie durch Zauberhand sind plötzlich unsere indischen Gehilfen verschwunden, auch derjenige der auf irgendetwas warten wollte. Da stehen wir nun und stellen unser Übergepäck selber auf die Waage – wir, das sind der freundliche Herr von der AUA und ich, da auch Karl Gonter bereits das Weite gesucht hat. Unser Zusatzgepäck erreicht ein Gesamtgewicht von 340 kg wofür der Raubritter der Lüfte € 1.919,00 von mir haben will, und zwar sofort – sonst würden unsere Instrumente und Kisten die Heimat nicht verlassen. Wenn ich damals schon geahnt hätte was ich heute weiß, ich hätte diesem freundlichen Herren die Hand geschüttelt und ihn und die Kisten beisammen stehen lassen. So aber zücke ich meine VISA-Karte und mit einem kurzen Ritsch-Ratsch sind € 1.919,00 beim Teufel. Finanziell erleichtert und seelisch zermürbt begebe ich mich zum Zollbeamten. Leider kann ich ihm nun keine Kisten und Koffern mehr zeigen, da dieselben gleich nach der Abwage abtransportiert wurden. Das stört den lieben Menschen jedoch gar nicht, er meint er hätte aus der Ferne alles beobachtet und es wäre alles in Ordnung soweit er dies beurteilen könne. Ich denke: "Der ist gut der Mann, der hat eine Ahnung von seinem Job"! – lasse mein Formular stempeln und unterzeichnen, bedanke mich höflich und begebe mich zum AUA-Schalter um selber einzuchecken.

Ein Bier geht sich noch aus, eigentlich hätten es mehrere sein können, wenn nicht auch die Bedienung im Lokal einen schlechten Tag gehabt hätte.

Pünktlich um 19:50 startet unser Airbus (Flug OS127) nach Frankfurt. Das Bier während des Flugs muss man bezahlen, das Wasser ist gratis. Ich zahle lieber.

Nach der Landung begeben wir uns auf eine Odyssee durch den Frankfurter Flughafen. Zum Glück hat die AUA unser Gepäck bis nach Sydney durchgebucht, sodass uns einiges an Schlepperei erspart bleibt. Dies ist ein Kundendienst den nicht alle Fluglinien anbieten – doch dazu mehr gegen Ende dieses Berichts.

Beim QANTAS-Schalter endlich angekommen stellen wir uns in die Warteschlange und versuchen unseren Boarding-Pass zu lösen. Ich komme an eine wirklich sehr hübsche Angestellte, eine Farbige, die jedoch Probleme mit dem Computer zu haben scheint. Möglicherweise liegt es auch an ihren überlangen knallrot lackierten Fingernägeln, dass das was der Computer ausspuckt nicht das ist was sie eingegeben hat. Da die AUA unsere 16 Übergepäcksstücke auf mein Ticket gebucht hatte, muss die dunkle Schönheit nun versuchen diese auch auf mein QANTAS-Ticket zu bringen. Dreimal ruft sie nach dem Supervisor, dreimal sagt derselbe: "Was machst du da? Ist eh drin!". Beim vierten Mal macht er es gleich selber und es klappt. Hätte mich in diesem Moment jemand vor die Wahl gestellt, entweder die rassige Dunkelhäutige oder den spanischen Supervisor zu küssen. Ich hätte den Naomi-Verschnitt glatt stehen lassen und mich vom QANTAS-Matador per Zungenkuss verabschiedet. Zum Glück hat mich niemand gefragt, und auch ohne Küsserei bin ich wieder der Letzte der zum Boarding geht. Das stört nun aber überhaupt nicht, der Abflug nach Singapore verschiebt sich um 2 Stunden. Im Warteraum vor dem Gate treffen wir unseren deutschen Begleiter Helmut Hartwig.

Mittwoch, 05.11.2003

Es ist bereits 00:10 Uhr als wir die BOEING 747 besteigen. Kurz darauf starten wir. Der Flug an sich ist ruhig, als wir in die Morgendämmerung fliegen geben die Flugbegleiter Anweisung die Fenster zu verdunkeln, anscheinend will man uns am Schlafen halten, damit sie weniger zu tun haben. Die freundlichste Crew hat uns die QANTAS mit diesen Flugbegleitern nicht mit auf die Reise gegeben. Wer Durst hat holt sich sein Getränk selber, gefragt wird man schon erst gar nicht. Das Essen scheint äußerst knapp bemessen, es gibt zwei Speisen zur Auswahl. Bis die Reihe an uns ist, gibt es nur mehr eine. Ich hätte mich sowieso nicht entscheiden können. Noch dazu ist in unserer Reihe die Bedienung weit langsamer als auf der gegenüberliegenden Seite. Ich komme mir vor wie auf der Südost-Tangente, dort erwische ich auch immer die langsamste Spur. Mit QANTAS fliegen wir nie wieder.

Positiv zu bemerken wäre; während wir im verdunkelten Flugzeug die Minuten zählten, hat unser Pilot über eine Stunde der Verspätung wieder aufgeholt.

Wir landen um 19:30 Uhr in Singapore und verlassen unser Flugzeug um uns die Beine zu vertreten. Ich rufe Sepp Schauer über Handy an um ihm zu sagen, dass wir möglicherweise später in Sydney landen werden als geplant. Dabei erzählt er mir, dass er und Paul Berger gerade vor dem Hotel in Sydney stehen und nicht hineinkönnen. Ein Grund eine Bar aufzusuchen.

Um 21:00 Uhr geht es mit demselben Flugzeug und einer neuen Crew weiter nach Sydney. Die eingetauschten Flugbegleiter sind weitaus freundlicher als die vorhergehenden. Auch auf der Essensspur liegen wir diesmal voran, und es gibt australisches Bier, Victoria Bitter, XXXX-Bitter und Tooheys New. QANTAS ist gar nicht so schlecht. Kurz vor der Landung werden von den Flugbegleitern Formulare ausgeteilt, die jeder Einreisende nach Australien auszufüllen hat. Die Fragefelder über das Reiseziel, Dauer des Aufenthaltes, Zweck der Einreise bzw. persönliche Daten wie Name, Adresse, Beruf usw. sind mit gegenseitiger Hilfeleistung – weil in englischer Sprache - rasch ausgefüllt.

Donnerstag, 06.11.2003

Um 07:17 Uhr landen wir mit einstündiger Verspätung in Sydney. Nachdem wir das Flugzeug verlassen und unsere Koffer in Empfang genommen haben, erschallt auch schon eine Lautsprecherdurchsage meine Person betreffend. Ich soll mich umgehend beim Informationsschalter melden. Natürlich gehe ich dieser Aufforderung ohne Verzögerung nach, schon ahnend, dass dieser Aufruf nur in Zusammenhang mit unserem Übergepäck stehen kann. Am Info-Schalter werde ich von einem sehr wichtig tuenden Schrumpf-Australier in Empfang genommen und in den "Backstage-Bereich" der Gepäcksausgabe gelotst. Von weitem sehe ich schon einen Gepäckswagen mit unseren Instrumentenkoffern und Kisten. Um den Wagen herum, stehen drei Flughafenbedienstete und bewachen die kostbare Fracht. Beim Näherkommen fällt mir an unseren großen Alu-Kisten auf, dass sie nicht ganz gerade übereinander gestapelt sind. Kein Wunder auch, es ist ja gar nicht mehr möglich, so zerbeult wie die aussehen. Am schlimmsten hatte es die größte Kiste, den Sarg erwischt und die kleinste – beides niegelnagelneue Transportbehälter. Auf meine Frage, was passiert sei, wurde mir nur geantwortet: "Too heavy!" Der Supervisor der mich hierhergeführt hat, bemüht sich mir beizubringen, dass auf australischen Flughäfen Gepäckstücke die schwerer als 32 kg sind einfach fallen gelassen werden. Ich frage ihn, warum sie dann die Kisten nicht einfach stehen lassen hätten, wir hätten sie schon selber geholt. Provokant meint er, ob ich die große Kiste überhaupt heben könne, schließlich wiege sie 90 kg. Ich meine darauf, wenn es sein muss hebe ich sie allein, aber für klügere Leute hat man vier Griffe angebracht. Die drei Kistenbewacher schauen etwas wenig geistreich drein, helfen uns aber die Kisten in die Gepäcksabholhalle zu bringen. Ich verständige einige Musikkollegen und wir begeben uns gemeinsam mit den demolierten Kisten zur Schadensaufnahme am Gepäcksschalter. Wir erhalten eine Bestätigung, dass tatsächlich ein Schaden entstanden ist, ein paar Adressen von Firmen die den Umfang des Schadens schätzen und mit der Reparatur betraut werden können, sowie eine Telefonnummer um weitere Schritte abzuklären. Ich bemerke noch, dass Australier sich die Köpfe beim Rugby-Spiel einschlagen können, aber zu schwach sind um eine Kiste zu heben. Einer der drei Kistenbewacher, der Statur nach ein ausgemusterter Rugby-Veteran mit Oberarmen wie Sylvester Stallone, meint etwas weinerlich: "But we have to work our whole live through!" Dazu kann ich nur sagen: "It's a shame, I only work five days a week!"

Ich suche noch schnell nach einem Zollbeamten der mir die Einfuhr unserer Kisten und Instrumente auf meinem Carnet-Formular bestätigen soll. Wir werden mit unserer Fracht in eine eigene Abfertigungszone dirigiert und sind im Nu mit der Abwicklung fertig. Die Kisten und Instrumente scheinen dem Beamten gänzlich uninteressant zu sein. Eigentlich sind nur die Formularkarten die wir im Flugzeug ausgestellt hatten wichtig. Uns ist es egal, wir wollen nur so schnell wie möglich durch den Zoll, und dies gelingt uns auch. In der Empfangshalle warten schon Sepp Schauer und Paul Berger sowie unsere übrigen Reisebegleiter auf uns. Nach einer kurzen aber dafür umso herzlicheren Begrüßung bringt uns Sepp zu unserem Bus. Der Großteil des Gepäcks ist schon im Kofferraum verstaut, es ist aber sofort ersichtlich, dass die Kapazität des Laderaums nicht ausreichen wird um alle unsere Koffer aufzunehmen. Sepp telefoniert mit der Busgesellschaft um ein zusätzliches Fahrzeug zu organisieren. Obmann Paul Falb fährt einstweilen mit dem Bus und den übrigen Mitreisenden ins Hotel Pacific International Inn, George Street 717 gleich am Rande von Chinatown, während Sepp und ich beim Rest des Gepäcks zurückbleiben um auf das Reservefahrzeug zu warten. Nach einiger Zeit kommt tatsächlich ein Kleinbus mit Anhänger den wir sogleich zu beladen beginnen, wobei uns der Buschauffeur eine tatkräftige Hilfe ist. Im Hotel angekommen verstauen wir das Gepäck in einem versperrbaren Raum der uns von der Hotelleitung zu Verfügung gestellt wurde, und machen uns um 09:00 Uhr auf zur Stadtrundfahrt. Da unsere Reisegruppe 46 Personen ausmacht und mit Sepp Schauer und der Fremdenführerin alle Plätze im Bus besetzt sind muss Paul Berger wieder aussteigen, weil der Chauffeur in partout nicht mitnehmen will bzw. darf.

Sydney ist die größte Stadt Australiens und die Hauptstadt des Bundesstaates New South Wales. Sie liegt an der Südküste des Port Jackson Bay, einem Seitenarm des Pazifischen Ozeans. Die Stadt und ihre Vororte erstrecken sich auf einer Fläche von 12.406 km2;. Die Region der Metropole reicht vom Hawkesbury River im Norden bis jenseits der Botany Bucht im Süden und von den Blue Mountains im Westen bis zum Pazifischen Ozean im Osten. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 4 Millionen. Der größte Teil der Bevölkerung ist britischer oder irischer Abstammung. Viele Einwohner sind aber auch asiatischen, griechischen oder italienischen Ursprungs. Sydney ist eines von Australiens Industrie-, Handels-, Finanz- und Transportzentren. Mehrere der größten Unternehmen des Landes haben hier ihren Hauptsitz, wie etwa die News Corporation, die im Besitz des australischen Medienmagnaten Rupert Murdoch ist, oder die Westpac Banking Corporation. Die Börse von Sydney ist die größte Australiens. Industriell hergestellt werden u. a. Metallwaren, Maschinen, Kleidung, Fertignahrungsmittel, elektronische Geräte, Automobile und Erdölprodukte. Der Hafen, der sich entlang Port Jackson erstreckt, besitzt moderne Anlagen für Containerschiffe. Der größte Teil des australischen Außenhandels wird über Sydney abgewickelt. Dazu gehören Weizen, Wolle und Fleisch als bedeutendste Exportprodukte. Der Flughafen Kingsford Smith ist eine Drehscheibe für den internationalen Luftverkehr. Zur Bewältigung des kontinuierlich steigenden Passagieraufkommens am Flughafen Kingsford Smith genehmigte die australische Regierung 1991 den Bau einer dritten Startbahn. Auch im Straßen-, Schienen- und Schiffsverkehr ist Sydney ein überregional bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Die Stadt besitzt ausgedehnte Parkanlagen sowie Sandstrände wie Bondi Beach am Pazifischen Ozean. Port Jackson wird von der Sydney Harbour Bridge überspannt; die 1932 eröffnete Brücke hat eine Spannweite von 503 Metern. Im Zentrum der Stadt befinden sich zahlreiche Wolkenkratzer. Das höchste Gebäude ist der Australia Square Tower (172 Meter). Darüber hinaus sind noch zahlreiche im 19. Jahrhundert im viktorianischen Stil errichtete Bauten erhalten. Zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen zählen die Macquarie-Universität (1964), die Universität von New South Wales (1948), die Universität von Sydney (1850), die Technische Universität von Sydney (1990, gegründet 1965 als New-South-Wales-Institut für Technik) und das New-South-Wales-Konservatorium für Musik. Sydney verfügt über eine Reihe von Museen und Galerien. Zu den meistbesuchten gehören die Kunstgalerie von New South Wales, das Australian Museum und die Church Missionary Society Aboriginal Art Gallery, eine Kunstgalerie mit Ausstellungsstücken von Aborigines. Andere kulturelle Anziehungspunkte sind die Staatliche Bibliothek von New South Wales mit fast zwei Millionen ausgestellter Bücher sowie das Opernhaus mit seiner eindrucksvollen Architektur (1973), das in Form riesiger Muschelschalen in den Hafen von Port Jackson hineinragt. Die erste europäische Ansiedlung in Australien wurde von Captain Arthur Phillip 1788 im Gebiet des heutigen Sydney errichtet; nach dem britischen Innenminister Thomas Townshend, 1. Viscount Sydney, wurde sie als Sydney Cove bezeichnet. Zahlreiche Sträflinge aus Großbritannien wurden hierher gebracht. Als New South Wales von Schaf- und Rinderzüchtern sowie Weizenbauern nutzbar gemacht wurde, erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine starke Zuwanderung aus Europa. Nach der Entdeckung von Gold im Südosten des australischen Bundesstaates Victoria 1851 wuchs die Bevölkerung der Stadt von etwa 60.000 Menschen bis 1890 auf rund 400.000 Einwohner. Die Millionengrenze wurde in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts überschritten.

Im Januar 1994 fegten große Buschfeuer über New South Wales hinweg und zerstörten Hunderte von Häusern in den Vororten von Sydney. Auch Ende Dezember 2001 sowie Anfang Dezember 2002 ereigneten sich in der Region um die Stadt verheerende Buschbrände. Die im Westen des Bundesstaates New South Wales ausgebrochenen Feuer breiteten sich bis an einige Vororte, die zeitweise evakuiert werden mussten, aus.

Gegen 11:30 Uhr kommen wir im Hafen an und begeben uns auf unseren Katamaran von Matilda Cruises zur Hafenrundfahrt. Auf dem Schiff werden wir von der zum größten Teil weiblichen Crew herzlich begrüßt und in das Innere geführt. Dort wartet schon ein opulentes Fisch- und Meeresfrüchte-Buffet auf unsere hungrigen Mägen. Wir schlagen uns die Bäuche mit den Köstlichkeiten der australischen Meere voll und spülen mit Victoria Bitter nach. Schön langsam macht sich der Jetlag bemerkbar und das Schaukeln des Schiffes tut das seine um uns die Müdigkeit in die Glieder fahren zu lassen. Kurz vor 15:00 Uhr kommen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt im Hafen zurück und begeben uns zurück zum Hotel um unsere Zimmerschlüssel in Empfang zu nehmen. Nach dem wir schon von unserer letzten Reise wissen, dass es in Australien üblich ist, dass Hotelzimmer erst ab 14:00 Uhr zur Übergabe fertig sind, und man auch nach diesem Zeitpunkt von Glück sprechen kann wenn es tatsächlich so ist, mache ich mir keine großen Illusionen vielleicht noch eine Mütze voll Schlaf zu nehmen, bevor das Nachtleben beginnt. Tatsächlich scheinen die Hotelangestellten etwas überfordert zu sein, und es macht sich eine gewisse Unzufriedenheit unter unseren Mitreisenden bemerkbar. Wie erwartet sind einige Zimmer noch nicht fertig, es kommt auch vor, dass die Koffer in falsche Zimmer gebracht werden bzw. überhaupt unauffindbar sind. Ich setze mich in einen Fauteuil vor der Rezeption und beobachte die ganze Sache um zu gegebener Zeit eingreifen zu können. Überraschenderweise klären sich die Umstände schneller als erwartet, ein Eingriff meinerseits erübrigt sich und so begebe auch ich mich mit meinem Schwager und Zimmerkollegen Roland Baumann in unsere Räumlichkeiten. Die Zimmer sind zwar klein aber sauber und ausreichend, da sie sowieso nur zum Schlafen verwendet werden. Wir legen uns also, nur um die Beine etwas hoch zu lagern, auf unsere Betten und prompt fallen uns auch schon die Augen zu. Es ist ca. 17:00 Uhr als es an unsere Tür klopft und die Stimme von Werner "Blacky" Schwarzbauer ertönt: "Auf Burschen, in der Bar ist schon was los!" Da Schlafen erfahrungsgemäß durstig macht, lassen wir uns nicht zweimal bitten und begeben uns auch in die Hotelbar. Nach einem Bier, oder waren es doch zwei oder sogar mehr – egal, jedenfalls hat sich der Hunger schon eingestellt und wir wollen ein Lokal fürs Abendessen aufsuchen. Einige Minuten müssen wir uns noch gedulden, bis Hermann Wandl (Präsident der Austrian Association of Australasia) mit seiner Frau zu uns stößt, als sie dann endlich da sind, warten wir wieder ein Weilchen auf Sepp, der meinte die Wartezeit nützen zu können um ein paar Sachen in seinem Hotelzimmer zu verstauen. Als dann endlich doch alle da sind schlendern wir gemütlich die ca. 1,5 km Richtung Darling Harbour. Es stellt sich dann etwas schwierig heraus, die verschiedenen kulinarischen Gelüste der Gruppe auf einen Nenner zu bringen – die Geister scheiden sich in vielerlei Dingen, und so kommt es, dass Wendi mit seiner Frau Gisi, Sepp und dem Ehepaar Wandl ein Lokal am Ufer aufsucht. Wir anderen (Paul Berger, Jolly Baumann, Thomas Haberler, Sabine Wagner, Hannes Kaiser, Gerold Pravits, Barbara Heinzlmayer, Helmut Wendelin, Engelbert Pree, Friedrich Mayer, Wolfgang Vallach und ich) begeben uns an Bord des South Steyne Floating Restaurants ein Schiffsrestaurant also, in dessen vornehmen Kajüten auch schon Tom Cruise und Nicole Kidman diniert haben sollen – und bestimmt noch eine ganze Menge anderer Leute. Falls die beiden noch einmal dorthin zurückkommen sollten, wenn auch nicht gemeinsam – werden sie sicher stolz darauf sein, an einem Ort zu speisen an dem auch wir uns lukullisch delektierten. Ich nehme ein Känguru-Steak zu mir, und ich muss sagen, es ist ausgezeichnet. Paul Berger lässt sich von der Kellnerin eine Bierempfehlung geben. Sie meint ihr Lieblingsbier sei Tooheys New – und somit wird es auch getrunken – und es schmeckt hervorragend. Wir kennen es ja ohnehin schon aus dem Flugzeug. Um ca. 22:00 Uhr verlassen wir das Schiff und begeben uns zurück in die Hotelbar. Auf dem Weg dorthin können wir in den kleinen Seitenstraßen auch schon einige Bordsteinschwalben ausmachen. In der Bar ist schon Hochstimmung und eine Runde gibt die andere. Zum Schluss stehen schon so viele Getränke herum, dass keiner mehr weiß welches ihm gehört und einige auch schon froh darüber sind, dass es so ist. Blacky Schwarzbauer erkennt die Situation sofort und startet eine Sammelaktion. Anstatt Getränke zu bezahlen, wird einfach ein angemessener Betrag bei Blacky abgeliefert, der die gesammelte Summe bis zur nächsten Bar-Aktion aufbewahren wird. Bei einer Promilleanzahl größer/gleich 1,5 wird der karitative Bereich des Gehirns aktiviert und somit kommt ein beträchtlicher Spendenbetrag von AUD 420,00 zusammen. Um 02:00 Uhr früh macht die Bar Sperrstunde, was uns nicht gerade in Begeisterungsstimmung versetzt. Paul Berger, Jolly Baumann und ich schauen noch ein paar Häuser weiter, in eine Bar mit Musik die so laut ist, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Wir trinken ein Bier und flüchten vor dem Lärm wieder ins Freie. Trotz intensiver Suche finden wir kein Lokal, dass noch nicht geschlossen hat, also begeben wir uns noch einmal zurück in die Krawallhölle und nehmen noch ein paar Bundy & Coke (ein außergewöhnlich schmackhaftes Mischgetränk, bestehend aus Coca Cola und Bundaberg-Rum, dem besten Destillat das Australien hervorzubringen vermag) zu uns und suchen dann um 04:00 Uhr früh endgültig unser Hotelzimmer auf um schlafen zu gehen.

Jolly zieht sich aus, legt sich ins Bett und beginnt zu schnarchen. Es ist ein ganz normales Schnarchen, es stört mich zwar ein wenig aber trotzdem sinke auch ich in Morpheus Arme – vorerst wenigstens einmal. Plötzlich, es ist 04:30 Uhr, werde ich von eigenartigen Geräuschen geweckt, am ehesten kann man diese Laute mit dem Gluckern eines sich auf Paarungssuche befindenden Truthahns beschreiben. Was ich aber nicht für möglich gehalten hätte; mit weit geöffnetem Mund liegt Jolly auf dem Rücken und produziert die eben beschriebenen Brunftlaute. Ich schlage ein paarmal mit dem Polster nach ihm und als wieder normale Schnarchgeräusche aus seiner Kehle kommen, kann auch ich wieder einschlafen - vorerst wieder einmal.

Freitag, 07.11.2003

Es dauert nicht lange und ich werde wieder wach, es ist 06.00 Uhr. Die Glucks- und Schnarchgeräusche sind einem Kramen und Poltern gewichen, ich drehe mich nach Jollys Bett um, und sehe wie er seine zwei Koffer auf demselben ausgebreitet hat, und gerade dabei ist den Inhalt des einen Koffers in den anderen umzupacken. Man muss wissen, Jolly hat zwei Koffer von zu Hause mitgenommen, einen vollen und einen leeren – er will für allfällige Einkäufe gerüstet sein. Jedenfalls ist nun im vollen Koffer das Duschgel ausgelaufen und deshalb muss er jetzt auch die Koffer tauschen. Ich weiß bis heute nicht wie er das um diese Zeit bemerkt haben kann, womöglich ist es im Traum eingefallen. Eines ist klar, mit dem Schlafen ist es vorbei – ich döse noch einige Zeit so vor mich hin, dann stehe ich aber auch auf um zu Duschen.

Um 07:30 Uhr begeben wir uns zum Frühstück. Im Frühstücksraum angekommen, erfahren wir sogleich, dass außer uns noch einige andere auf nächtlicher Tour waren und es geschafft haben, ins Hotel zurückzukommen als die ersten schon zum Frühstück gingen.

Wir sind aber froh ausgeschlafen zu sein (welch ein Hohn), wollen wir doch den Taronga Zoo besuchen. Nach dem Frühstück packen wir unsere verbeulten Alu-Kisten aus und prüfen die Tonanlage und die Orgel auf ihre Funktionstüchtigkeit, da wir nicht sicher sein können, ob die empfindlichen elektronischen Teile, durch die Unachtsamkeit des Flughafenpersonals, nicht doch Schaden genommen haben. Die Kisten selber werden durch Fußtritte und mit allerlei zur Verfügung stehenden Werkzeugen wieder annähernd in Form gebracht, wichtig ist vor allem, dass die Deckel richtig aufsitzen und die Versperrbarkeit gewährleistet ist. Als wir feststellen, dass mit der Soundanlage alles in Ordnung ist, verlassen wir (Obmann Paul, Wendi, Gisela, Erich, Melinda und Ernst Mostböck, Luis, Walter, Hansi, Jolly und ich) um ca. 08:20 Uhr das Hotel, folgen erst der George Street nach Norden und wechseln dann in die Pitt Street Richtung Circular Quay – ein Fußweg von ungefähr 2,5 km. Um 09:30 Uhr besteigen wir die Fähre am Circular Quay und fahren vorbei an der Oper auf die gegenüberliegende Seite des Hafens. Der Taronga Zoo liegt auf einer Landzunge im Stadtteil Mosman und beherbergt eine große Auswahl der australischen Fauna, aber auch Tiere anderer Erdteile gibt es hier zu sehen. Angelegt ist der Zoo auf einem Hügel, den wir munter erklimmen, während wir interessiert die verschiedenartigsten Tiere bewundern und fotografieren. Auch der Blick auf die Skyline von Sydney ist von diesem Ort einzigartig. Ich muss gestehen die Wärme, der Durst und der fehlende Schlaf veranlassen mich, ab und zu auf eine Bank niederzusinken um dem Körper Ruhe zu gönnen. Auf dem Gipfel angekommen freuen wir uns schon auf ein kühles Bier, das es dann doch nicht gibt – keine Lizenz. Für den Abstieg zur Anlegestelle der Fähre benutzen wir aber nicht unsere Füße, sondern eine Seilbahn die von unserer gegenwärtigen, obersten Position hinunter bis zum Eingang des Zoos führt. Mit der Fähre geht es um 12:45 Uhr wieder zurück zum Circular Quay. Von dort machen wir uns wieder zu Fuß Richtung Darling Harbour auf, wo wir in einem italienischen Lokal ein paar Snacks und ein paar Biere zu uns nehmen. Gestärkt und ausgeruht treten wir nun zu einem Rundgang im Sydney Aquarium an, während Obmann Paul, Walter und Hansi es vorziehen das Australia Maritime Museum zu besichtigen, welches ebenfalls im Darling Harbour untergebracht ist. Obwohl ich auch schon im Jahr 2000 in diesem Aquarium war, ist es doch wieder ein eindrucksvolles Erlebnis in den Glasröhren unter dem Hafen die Haie, Rochen und sonstige Meerestiere zu beobachten. Gegen 16:00 Uhr wandern wir wieder zurück zum Hotel, um uns auf unser abendliches Konzert vorzubereiten.

Um 17:30 Uhr ist Abfahrt zum Konzert im Austrian Club Sydney, Grattan Crescent 20 in Frenchs Forest. Denn Club kennen wir schon von unserer ersten Reise im Jahr 2000, schon damals haben uns die gemütliche Atmosphäre und die Herzlichkeit der Menschen hier voll und ganz eingenommen. Vor dem Auftritt gibt es noch Abendessen – wie könnte es anders sein, wir werden mit Wiener Schnitzel bewirtet. Durch die Bekochung mit traditioneller, österreichischer Küche wollen unsere Gastgeber wahrscheinlich bewirken, dass unsere Heimwehgefühle sich in Grenzen halten. Die Schnitzel schmecken hervorragend, das hätten wir wirklich nicht erwartet.

Um 20:00 Uhr beginnen wir unser Programm mit böhmischer Blasmusik, nach einer Stunde wechselt Wendi von der Frontposition als Kapellmeister in die letzte Reihe zu seiner Orgel und beweist sich als begnadeter Alleinunterhalter. Wir nutzen die Gelegenheit um uns unter das Volk zu mischen. Unser Schlagzeuger Thomas Habeler, den wir für diese Reise von den Edelhof-Musikanten ausgeborgt haben, ist aufs Angenehmste überrascht als er hier seine Musikkollegin Eva Wildsperger (Hornistin der Edelhof-Musikanten) trifft, die für ein halbes Jahr in Sydney zu studieren beabsichtigt. Die Freude ist groß und das Bier fließt in Strömen.

Nach den Orgeleinlagen geht es für eine halbe Stunde wieder weiter mit böhmischer Blasmusik, um dann wieder zu Wendi und moderner Tanzmusik zu wechseln. Dieses Wechselschema halten wir dann bis 24:00 Uhr durch, und auch bei unseren zukünftigen Konzerten in Australien werden wir dieses erfolgreiche Muster anwenden. Das Publikum scheint wirklich zufrieden mit unseren Darbietungen und mit der Performance von Wendis Soloauftritten – "They did enjoy it". Nachdem wir uns von fast allen Clubgästen persönlich verabschiedet haben, geht es mit dem Bus zurück ins Hotel. Wir bringen unsere Instrumente im Abstellraum unter und ärgern uns, dass die Hotelbar schon geschlossen ist. Da die vergangene Nacht sowieso kurz war, beschließen wir uns aufs Ohr zu hauen. Anfangs noch vielversprechend ruhig, nimmt die Lautstärke von Jollys Schnarchgeräuschen, um 04:30 Uhr herum, wieder ein unerträgliches Ausmaß an. Ich klopfe ein paarmal auf den Nachttisch und er beruhigt sich wieder.

Samstag, 08.11.2003

Die Idee schlafen zu gehen bereuen wir nicht, denn um 06:30 Uhr ist Weckruf. Heute ist nämlich Ausflug in den Featherdale Wildlife-Park und in die Blue Mountains. Um 08:00 Uhr geht es los, wir machen noch einen kurzen Stop im Sydney Olympic Park der Austragungsstätte der olympischen Sommerspiele im Jahr 2000, südlich des Parramatta-Rivers und der Homebush Bay. Nach einer Blitzbesichtigung fahren wir auf dem Western Motorway Richtung Doonside zum ca. 30 km entfernten Featherdale Wildlife-Park wo wir um 09:30 Uhr eintreffen. In diesem Tierpark gibt es wieder eine große Anzahl an heimischen Tieren, vor allem Vögel zu bewundern. Wallabys und größere Kängurus lassen sich hier streicheln und auch Koalas darf man anfassen. Als aufmerksamer Reiseteilnehmer habe ich mir gemerkt, dass Koala "der nicht trinkt" bedeutet, das heißt ein Koala nimmt die für seinen Stoffwechsel notwendige Flüssigkeit allein durch die Nahrung (Eukalyptusblätter) auf. Nach der Menge des Urins zu schließen die diese Tiere ausscheiden, müssen Eukalyptusblätter ziemlich saftig sein. Eigentlich sind Koalas ja ganz putzig, wie Teddybären – aber der Geruch lässt einen doch etwas Abstand bewahren. Während sich bei den Koalas trotz Geruchsbelästigung eine Menge Leute aufhalten, sind die zum Streicheln herumgereichten Schlangen und Echsen nicht sehr gefragt. Wir bleiben bis 10:45 Uhr im Tierpark und verlassen ihn dann über den Great Western Highway Richtung Westen. Um 12:15 Uhr treffen wir in Katoomba mitten in den Blue Mountains ein.

Die Blue Mountains stellen einen Nationalpark im Osten des australischen Bundesstaates New South Wales dar, der 1959 eingerichtet wurde. Er befindet sich ca. 75 km westlich von Sydney und ist mit einer Fläche von 2.457 km² der zweitgrößte Nationalpark dieses Bundesstaates. Das aus Sandstein bestehende Hochland, nach dem der Park benannt ist, erreicht bei 1.100 m seine größte Höhe und stellt einen Teil der Great Dividing Range dar, eines Gebirgszuges, der nahezu den gesamten Osten Australiens durchzieht. Für die ersten Siedler, die in Sydney landeten und hinter den Blauen Bergen endloses Weideland erhofften, stellte dieses hohe Plateau ein fast nicht zu überwindendes Hindernis dar. Ein Vierteljahrhundert hat diese Barriere eine Ausdehnung der Siedlungen nach Westen verhindert. Erst im Jahr 1813 wurden die steilen Gebirgszüge überwunden und ein neues Kapitel australischer Besiedlungsgeschichte damit eingeleitet. Die im Park befindlichen Berge erscheinen tatsächlich blau, was auf die ätherischen Öle zurückzuführen ist, welche die an den Hängen wachsenden Eukalyptuswälder an die Luft abgeben; diese Öle reflektieren das Sonnenlicht bzw. das Blau des Himmels. Erdgeschichtlich entstanden die mächtigen Sandsteinschichten schon in der Trias. Sie wurden angehoben und es entstanden Spalten, Brüche und Risse, die von Wind, Wetter und Erosion zu gewaltigen Schluchten und Steilwänden geformt wurden. Die Flüsse Grose und Cox haben sich tief in den Sandstein eingegraben und zur Entstehung von zerklüfteten Tälern von 600 m Tiefe und Schluchten, Steilabfällen mit Wasserfällen, breiten Canyons sowie so bekannten Naturdenkmälern wie den Jenolan-Höhlen mit ihren Stalaktiten und Stalagmiten und den spektakulären Felsformationen der Three Sisters geführt. Der Nationalpark sichert nicht nur den Schutz dieses Sandsteingebirges, sondern auch der Schnabeltiere, Kängurus und anderer Tiere, die im Park leben. Die Blue Mountains waren seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsgebiet für die Bewohner des nahe gelegenen Sydney. Mit der seit dem 2. Weltkrieg ständig wachsenden Zahl von Kraftfahrzeugen wurde der Park jedoch zum Einzugsbereich dieser Großstadt und muss heute mit den zunehmenden Problemen der Umweltverschmutzung und einer sich in Richtung des Parks drängenden Ausdehnung Sydneys und seiner Vorstädte kämpfen.

Im Januar 1994 wütete ein verheerender Buschbrand in dieser Region, die schlimmsten Brände in der Geschichte von New South Wales. Große Teile der Waldgebiete und fast die gesamte Koala-Population wurden dabei vernichtet.

Als wir aus dem Bus steigen sind wir umgeben von einem Pfeifen und Summen in der Luft, das derartig intensiv ist, dass man meint das Geräusch greifen zu können. Tatsächlich handelt es sich um das Zirpen von unzähligen Grillen, das uns den ganzen Weg auf unserer Wanderung durch den Wald begleitet. Über steile Treppen und Stufen führt der Weg ca. 30 min zu einem Aussichtspunkt von welchem man eine gute Sicht auf die bekanntesten Felsen der Blue Mountains, die Three Sisters und einen hervorragenden Überblick über das gesamte Jamison Valley hat.

Die Legende besagt, dass ein Zauberer – der in den Krieg gegen einen feindlichen Stamm ziehen musste – hier seine drei Töchter (Meenhi, Wimlah und Gunnedoo) mit einem Zauberknochen in Steine verwandelt hätte, um sie, in der Zeit seiner Abwesenheit, vor dem bösen Waldgeist Banjuk in Sicherheit zu wissen. Nachdem der Zauberknochen im Kampf verlorenging hatte der Vater keine Möglichkeit mehr seine Töchter ins Leben zurückzuholen. Angeblich sollen es aber die drei einzigen Australierinnen sein, die ein Herz aus Stein haben.

Danach geht es noch ca. 15 min zur Talstation der Scenic Railway, eine fast senkrechte Zahnradbahn aus den Tagen des Kohleabbaus in den Blue Mountains. Damit geht es nach oben, ziemlich schnell und gefährlich nah an den Felswänden vorbei. Eine ziemlich unbequeme Fahrt für alle normal gewachsenen Menschen über 1,90 m. Oben angekommen begeben wir uns in das Panorama-Restaurant mit sich drehender Bodenplatte. Man holt sein Essen oder sein Getränk und findet seinen Tisch nicht mehr, weil sich dieser schon wieder weiterbewegt hat. Obmann Paul und Hansi machen in der Zwischenzeit noch eine Fahrt mit der Scenic Skyway Seilbahn, mit der man das ganze Tal überqueren kann. Um 13:30 Uhr ist Abfahrt zurück ins Hotel. Auf der Fahrt sehen wir im Bus-Fernseher noch einen Dokumentarfilm über das Leben der Kängurus. Wir lernen, dass Känguruweibchen das Geschlecht Ihrer Nachkommen bestimmen können, und bedauern das tragische Ende des jungen Kängurus Joey.

Um 17:00 Uhr ist Abfahrt zur German-Austrian Society, Curtin Street 73-75 in Cabramatta im Westen von Sydney. Auch in diesem Club waren wir schon vor 3 Jahren und wieder werden wir von Präsident Walter Schmied und seinem Komitee herzlich empfangen. Auffallend sind die vielen Spielautomaten die gleich nach dem Eingangsbereich in der Bar auf spendenfreudige Bediener warten. Als Abendessen wird wahlweise Schweinsbraten oder Wiener Schnitzel serviert – wieder eine kulinarische Verbeugung vor der alten Heimat.

Das Musikprogramm hat wieder einen ähnlichen Charakter wie schon am Tag zuvor im Austrian Club in Frenchs Forest. Der Club ist voll bis auf den letzten Platz und das Publikum zeigt reges Interesse an unseren Darbietungen, unterstützt von einer großen Zahl unserer mitgereisten Fans. Um 24:00 Uhr beenden wir den Abend mit dem Schluss-Stück, packen unsere Siebensachen zusammen und treten um 01:00 Uhr die Rückfahrt ins Hotel an. Wir verstauen unsere Instrumente wieder im Abstellraum und beschließen noch irgendwo einen Drink zu nehmen. Wir (Walter, Helmut Fetter, Verena, Moni, Elke, Jolly und ich) suchen ein Bier-Pub auf. Es gibt Bier, Bacardi-Cola und als das Bier nicht mehr schmeckt Bundy & Coke. Nach einigen Getränken werden wir gebeten wieder zu gehen, nicht weil wir uns nicht anständig benommen haben, sondern einfach nur weil Sperrstunde ist. Auf dem Weg zurück ins Hotel machen noch einige Gebrauch von einem öffentlichen Telefonapparat um in der Heimat einen Guten Abend zu wünschen. Kurz nach 03:00 Uhr kommen wir in unser Hotelzimmer und schlafen auch gleich ein. Um genau 04:30 Uhr werde ich wach und vernehme die gleichen Schnarch- und Glucksgeräusche wie in der Nacht vorher. Jolly ist im Traum wahrscheinlich wieder hinter einer Truthenne her und ich muss es büßen. Ich räuspere mich geräuschvoll, huste etwas lauter – es nützt nichts. Also schlage ich mit dem Polster nach ihm und er fällt wieder in seinen normalen Schnarchrhythmus. Wenn das so weitergeht habe ich in der Nacht mehr zu tun als am Tag. Was ich noch nicht weiß, dieses Konzert wird sich jede Nacht um die gleiche Zeit wiederholen.

Sonntag, 09.11.2003

Pünktlich um 06:45 Uhr werden wir von meinem Handy geweckt, das uns als Reisewecker dient. Bei einer lauwarmen Dusche erwachen schön langsam auch die Lebensgeister, danach packen wir unsere Koffer, soweit sie überhaupt ausgepackt sind. Da Jolly zwei große Gepäckstücke dabei hat, hat er es auch leichter den Inhalt derselben zu bändigen. Ich dagegen befürchte jedes Mal wenn ich etwas aus dem Koffer nehme, dass ich ihn später nicht mehr zubekomme. Schon jetzt beschließe ich, nur das Nötigste auszupacken und bei jeder sich bietenden Gelegenheit die getragenen Kleidungsstücke einer Reinigung zu unterziehen. Und tatsächlich habe ich das was sich ganz unten im Koffer befindet, zum ersten Mal bei unserer Ankunft zu Hause gesehen. Was meine Frau davon gehalten hat möchte ich hier lieber nicht wiedergeben.

Wir nehmen also unsere fertig gepackten Koffer gleich mit zum Frühstück, denn um Punkt 08:00 Uhr besteigen wir den Bus der uns nach Canberra bringen wird. Wir verlassen Sydney Richtung Südwesten auf dem Hume Highway von dem wir nach Goulburn auf den Federal Highway wechseln. Die Fahrt ist angenehm und wird größtenteils dazu verwendet die fehlenden Nachtstunden zu kompensieren. Obwohl man als Mitteleuropäer viel Zeit damit verbringt über die in Australien überall gegenwärtigen Klimaanlagen zu schimpfen, so ist es doch ziemlich ärgerlich, wenn man eine hat, sie brauchen würde, diese aber nicht funktioniert – so wie in unserem Bus. Also fahren wir dann mal mit offener, mal mit geschlossener Dachluke, mal schwitzend und mal dem Fahrtwind ausgesetzt der Hauptstadt Australiens entgegen. Gegen Mittag erreichen wir unser Hotel, das Rydges Lakeside am London Circuit. Wir räumen den Kofferraum des Busses aus und deponieren unser Gepäck und unsere Instrumente in der Hotellobby. Danach geht es in die Fußgängerzone zum Mittagessen. Wir finden ein gutes Lokal in dem der Großteil unserer Gruppe einkehrt. Mit Garnelen in Knoblauch (Blacky und ich), Pizza und Steaks – manche essen auch nur Salat – schlagen wir uns die Bäuche voll. Um 14:00 Uhr sind wir bereit zur Abfahrt zum Mount Ainslie von welchem man die gesamte Stadt Canberra überblicken kann.

Wie schon erwähnt ist Canberra die Hauptstadt von Australien und liegt im Südosten des Landes, im Australian Capital Territory. Canberra ist eine moderne, sich rasch ausdehnende Stadt am Fluss Molonglo, einem Nebenfluss des Murrumbidgee, in einer vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Region. Sie wurde an dem künstlich angelegten See Lake Burley Griffin gebaut und ist das wirtschaftliche Zentrum für die nahe gelegenen Gemeinden Woden-Weston Creek, Belconnen und Queanbeyan. Die Mehrzahl der Beschäftigten in Canberra sind Regierungsangestellte. Der Fremdenverkehr und einige Branchen der Konsumgüterindustrie gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung. Sehenswürdigkeiten in Canberra sind das neue Parlamentsgebäude (1988 eröffnet), die Kirche Saint John the Baptist (1840) und der Captain Cook Memorial Jet (eine 147 m hohe Wasserfontäne) zum Gedenken an Kapitän Cook im Lake Burley Griffin. Sehenswert sind weiterhin die Nationalbibliothek (1968) und die Australian National Gallery (1982). Wichtige Ausbildungsstätten in und um Canberra sind unter anderem die Australian National University (1946), die Canberra School of Music (1965) und die Universität Canberra (1990). Canberra ist Sitz der wissenschaftlichen Forschungsorganisation Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization. 1824 wurde das Gebiet von Europäern besiedelt und 1908 als Standort der australischen Hauptstadt ausgewählt. Nach einer internationalen Ausschreibung beauftragte man den amerikanischen Architekten Walter Burley Griffin mit der Gestaltung der neuen Stadt. 1913 wurde mit dem Bau begonnen, der jedoch durch den 1. Weltkrieg unterbrochen wurde. Das Landesparlament zog schließlich 1927 von Melbourne, wo sich seit 1901 der provisorische Regierungssitz befand, nach Canberra. Im Jänner 2003 ereigneten sich in der Region um die Stadt verheerende Buschbrände. Bei den Verwüstungen in einigen Vororten wurden mehrere hundert Häuser zerstört. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 350.000.

Nach kurzen Stops bei der Regatta Point Planing Exhibition, dem Captain Cook Memorial Jet und dem neuen Parlament (mit dem höchsten Fahnenmasten der Welt) geht es zurück zum Hotel. Wir beziehen unsere Zimmer überprüfen den Inhalt der Minibar und nehmen noch schnell eine Dusche. Etwas Zeit bleibt noch um per Handwäsche im Waschbecken zwei T-Shirts, zwei Unterhosen und ein Paar Socken durchzudrücken, als Waschmittel dient das hoteleigene Haarshampoo – ich denke was den Haaren gut tut, kann den Unterhosen nicht schaden.

Nachdem wir uns angezogen haben gehen wir in die Bar, wo Luis gerade dabei ist, der japanischen Barkeeperin in das Geheimnis des Schaums auf dem Bier einzuweihen. Nach ein paar zittrigen Versuchen gelingt es ihr wirklich ein kleines, weißes Häubchen auf dem goldenen Gerstensaft zu produzieren. An Versuchsobjekten zur Verfeinerung ihrer neu erlernten Fähigkeiten mangelt es nicht. Um 17:45 Uhr packen wir unsere Instrumente in den Bus und fahren zum Austrian-Australien Club Canberra, Heard Street 56 in Mawson. Hier begrüßt uns Präsident Richard Reiter mit einer Abordnung seines Management-Teams und lädt uns zu einem Barbecue ein. Es gibt Kransky (Würstchen) und Leberkäse. Welches von den zwei Gerichten mir dann den Durchfall bescherte kann ich nicht genau sagen, böse Zungen behaupten sowieso, dass er von beidem kam. Wie auch immer, um 19:00 Uhr geht es los mit böhmischer Blasmusik und wieder wechselt Wendi nach einer Stunde auf die Orgel. Abwechselnd mit Blas- und Tanzmusik werden die zahlreich erschienenen Gäste unterhalten, besonders Wendi scheint in diesem Club besonders gut anzukommen, wahrscheinlich deswegen, weil der Damenanteil hier überdurchschnittlich hoch ist. In einer Pause rufe ich mit meinem Handy unseren in der Heimat verbliebenen Schlagzeuger Wolfgang Gonter an, um ihm zu seinem heutigen Geburtstag zu gratulieren. Nachdem das Telefon eine Runde durch alle Musikanten gemacht hat, trinken wir (jedenfalls ich) ein Bundy & Coke auf sein Wohl, bevor wir uns wieder auf die Bühne begeben. Gegen 23:30 Uhr erklingt dann das Abschiedsstück "Bis bald auf Wiederseh'n", Wendi setzt noch sein obligatorisches "My Way" drauf und ein schöner Abend geht zu Ende.

Nachdem der Bus der uns zum Club brachte schon vorher Probleme mit der Klimaanlage hatte, war jetzt auch noch das Getriebe kaputt – einstimmiger Tenor: kein Wunder bei der Fahrweise. Wir warten auf einen Ersatzbus der nach einiger Zeit auch schon angefahren kommt. Beim Beladen allerdings zeigt sich, dass die große Big-Silver – auch schon Sarg genannt – partout nicht in den Kofferraum passt. Der Buschauffeur ruft seine Ehefrau an, die die große Alu-Kiste mit dem privaten Pickup ins Hotel transportiert.

Da man in Canberra, aufgrund der großzügigen Stadtplanung und der dadurch großen Entfernungen, ohne Verkehrsmittel ziemlich alt aussieht, verzichten wir darauf ein Lokal zu suchen, dass noch offen hat, und beschließen die Minibar im Hotelzimmer auszuräumen. Ich hänge vorher noch an der Leine über der Badewanne meine Wäsche auf und bearbeite sie mit dem Haar-Fön, schließlich muss sie ja am Morgen trocken sein, weil schon zeitig in der Früh die Fahrt nach Melbourne weitergeht. Es dauert nicht lange und unsere Gäste (Verena, Moni, Elke, Roman und Bernd) kommen auch schon in unser Zimmer. Lobenswerterweise haben sie auch ihre eigene Minibar geleert und den Inhalt mit zu uns genommen. Wir testen die verschiedenen Biere und Weine auf Trinktauglichkeit, und als uns gegen 04:00 Uhr unsere Gäste wieder verlassen, können auch Jolly und ich uns zur Ruhe legen. Es vergeht eine knappe halbe Stunde, ich werde wach und höre vertraute, nervtötende Geräusche – ein kurzer Schlag mit dem Polster, und ich kann wieder weiterschlafen.

Montag, 10.11.2003

Weckruf um 06:30 Uhr, schnell unter die Dusche. Ich gehe noch kurz mit dem Haar-Fön über meine Wäsche bis sie ganz trocken ist, dann packe ich alles in den Koffer – er sträubt sich etwas, aber er geht noch zu. Das Frühstück ist schnell eingenommen und um 08:00 Uhr steigen wir in den Bus um nach Melbourne abzufahren. Wir verlassen Canberra Richtung Hume Highway bis wir nach ca. 160 km nahe Gundagai eine kurze Pause machen, um in der Raststation "Dog on the Tuckerbox" diversen menschlichen Bedürfnissen nachzukommen. Diese Raststation ist benannt nach einem im Jahr 1932 errichteten Denkmal zur Erinnerung an die australische Pionierzeit. Das Denkmal stellt einen Hund sitzend auf einer Tuckerbox dar (Tucker = Essen, Tuckerbox also ein Behälter für Speisen). Die in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts geborene Legende erzählt von einem Hund der diese Tuckerbox seines Herrn so gewissenhaft bewachte, dass er auch als sein Herr im Busch starb und nicht mehr zu ihm zurückkehrte, weder seinen Platz verließ noch sich über die Essensration im Behälter hermachte. Schließlich verhungerte der Hund und wurde zu einem Symbol für Treue und Pflichtbewusstsein.

Wir fahren weiter und genießen die Gegend die außer flach nur flach ist – und dadurch etwas an das nördliche Burgenland erinnert. Zitat von Bernd Gludovatz: "Die haben eine schöne Gegend hier, und auch ganz schön viel Gegend." Dort wo es etwas hügeliger wird, fallen große lilafarbene Bereiche mitten im Weideland auf. Beim ersten Betrachten möchte man vielleicht entzückt sein über diesen Anblick, bis man erfährt, dass es sich hierbei um Ansammlungen einer aus Europa eingeschleppten Pflanze handelt, die vom Vieh gemieden wird, weil sie als Futterpflanze ungeeignet und sogar giftig ist, und sich deshalb auch ungehindert ausbreiten kann. Natürliche Feinde scheint es für dieses lila Grünzeug nicht zu geben, wie bei den meisten nach Australien eingeschleppten Pflanzen und Tieren hat auch hier wieder die Natur aus dem Gleichgewicht gebracht worden. Dadurch wurden und werden weiterhin große Areale an Weideland unbrauchbar und es beweist wieder einmal, wie verantwortungslos oder auch nur wie dumm der Mensch mit seiner Umwelt umgeht.

Gegen Mittag und ca. 240 km weiter südöstlich – wir befinden uns schon im Bundesstaat Victoria - wird es im Bus etwas unruhig. Der Hunger übernimmt das Kommando und die Forderungen nach einem Stop zum Mittagessen werden immer lauter. Da die Zeit drängt und wir abends schon wieder ein Konzert in Melbourne spielen müssen, ist an ein opulentes Mahl in einem Haubenlokal leider nicht zu denken. So beschließt Sepp mit widerwilliger Zustimmung aller, in einen McDonald am Hume Highway nahe Wangaratta einzukehren. Der Chauffeur missversteht die Anweisung, fährt vom Highway herunter, um zu einem McDonald in die Stadt zu fahren. Das Missverständnis wird geklärt, wir drehen eine Extrarunde und fahren wieder auf den Highway auf. Um 13:45 Uhr halten wir zum Mittagessen. Da ich nicht wirklich ein Fan von jeglichem Fastfood bin, begnüge ich mich mit einem Hamburger und einem Cola. Nach einer dreiviertel Stunde geht es wieder weiter. Kurz vor 17:00 Uhr halten wir dann endlich vor dem Hotel Savoy Park Plaza, Little Collins Street 630, Ecke Spencer Street in Melbourne. Die Zimmervergabe ist schnell abgewickelt, wir tragen unsere Koffer aufs Zimmer, duschen und ziehen uns um. Danach begeben wir uns gleich wieder in die Lobby in der sich auch die Hotelbar befindet. Hier werden wir auch gleich von Sepps Frau Bella begrüßt – Sepp und Bella wohnen in Melbourne, und Bella ist gekommen um uns zu unserem Konzert zu begleiten. Mit ein paar Bier stimmen wir uns für den Abend ein und um 18:00 Uhr fahren wir ab zum Club Tivoli Deutscher Verein Melbourne Inc., Dandenong Road 291 in Windsor. Beim Club angekommen, entladen wir den Bus und schleppen unsere Instrumente und Kisten in das Obergeschoß des Gebäudes. Dort herrscht etwas Hektik, unzählige Leute warten schon darauf eingelassen zu werden, jedoch scheint die Übereinstimmung bei der Zuteilung der Kompetenzen zu fehlen. Jedenfalls werden wir vorgelassen und können mit dem Bühnenaufbau beginnen. Danach gibt es Abendessen – faschierten Braten (richtigerweise Hackbraten weil wir ja im deutschen Club sind) mit Rotkraut und Erdäpfelpüree, als Nachtisch Apfelstrudel. Ich verzichte darauf, Faschiertes hatte ich schon zu Mittag bei McDonald.

Um 20:00 Uhr beginnen wir mit unserer bewährten Programm-Mischung Böhmisch/Modern und Blacky Schwarzbauer der sich als Werbemanager sehr verdient macht, kommt mit dem Verkauf der CDs und MCs nicht nach. Beim dem Stück "Sterne der Heimat" werde ich Zeuge einer rührenden Szene. Zwei ältere Herren die quer über der Tanzfläche vis á vis von mir sitzen, greifen gleichzeitig in ihre Rocktaschen, ziehen ihre Taschentücher heraus, nehmen ihre Brillen ab und wischen verstohlen ihre Tränen ab.

Hier im Club treffen wir auch Paul Berger wieder – er wohnt ja auch in Melbourne – er hatte sich vor der langen Busfahrt gedrückt und es vorgezogen mit dem Flugzeug von Sydney nach Hause zu reisen. Wir erfahren auch, dass er dem österreichischen Club in Melbourne, in dem wir vor drei Jahren aufgetreten sind, den Rücken gekehrt hat, weil wir diesmal nicht eingeladen sind dort zu spielen. Auch Sepp ist sehr enttäuscht vom österreichischen Club, war er doch dort ziemlich lange als Vizepräsident und Komiteemitglied tätig.

Auch Franz Haring und seine Lebensgefährtin Erika Student sind hier, sie sind liebe nette Bekannte die uns des Öfteren auch schon bei Auftritten in Österreich und Deutschland besucht haben.

Um 24.00 Uhr beenden wir unseren Auftritt und packen unsere Ausrüstung in den Bus. Nach der Heimkehr ins Hotel begeben wir uns gleich auf unser Zimmer und ich schmeiße noch ein paar Kleidungsstücke in das Waschbecken, gebe noch etwas Haarshampoo darüber und lasse es einwirken. Danach legen wir uns schlafen. Bis auf das übliche kurze Intermezzo mit Jolly um 04:30 Uhr schlafen wir durch, bis wir um 07:00 Uhr per Weckruf aus den Träumen gerissen werden.

Dienstag, 11.11.2003

Nach dem Aufstehen nehme ich eine Dusche und drücke meine Wäsche noch einmal durch. Danach hänge ich die Teile auf der Leine über der Badewanne zum Trocknen auf. Nach dem Frühstück, um 08:45 Uhr geht es los zur Sightseeing-Tour durch Melbourne.

Melbourne ist Hauptstadt des Bundesstaates Victoria, an der Port Phillip Bay und der Mündung des Yarra River gelegen. Die Stadt ist das wichtigste wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum Victorias und hat in Australien nach Sydney das größte Stadtgebiet mit einer Fläche von über 5.960 km². Melbourne ist im Norden und Westen umgeben von den Vorstädten Broadmeadows, Saint Albans, Essendon, Brunswick und Eltham, östlich liegen Richmond, Nunawading und Dandenong und südlich befinden sich Moorabin, Mordialloc, Chelsea, Cranbourne und Frankston. Zur Bevölkerung der Stadt gehören zahlreiche italienische, griechische, chinesische, vietnamesische, britische und irische Einwanderer. Melbourne ist außerdem ein Zentrum der jüdischen Immigration.

Industrieprodukte aus dem Stadtgebiet von Melbourne sind u. a. Schiffe und Erdölprodukte aus den Werften und Raffinerien an der Port Phillip Bay sowie Metalle, Kraftfahrzeuge, elektrische und elektronische Geräte, Maschinen, Chemikalien, Druckerzeugnisse, Textilien, Kleidung, Papier und Nahrungsmittel. Mit dem Hauptquartier des Stahl- und Bergbaukonzerns Broken Hill Proprietary Company, Ltd. (BHP) beherbergt Melbourne das größte Industrieunternehmen Australiens. Andere australische Firmen mit Sitz in Melbourne sind die National Australian Bank und Pacific Dunlop, ein Unternehmen, das verschiedene Konsumgüter herstellt und vermarktet. Die Stadt ist ein Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt. Sie verfügt außerdem über einen großen internationalen Flughafen in Tullamarine. Das Stadtbild Melbournes wird von zahlreichen Bürohochhäusern beherrscht. Sehenswerte Bauwerke sind u. a. das State Parliament House, die Royal Exhibition Buildings, die Börse (1968) und die Saint Patrick’s Cathedral. In den Fitzroy Gardens wurde das Haus aufgebaut, in dem der britische Seefahrer und Entdecker James Cook seine Kindheit verbrachte. Ebenfalls erwähnenswert sind das Government House, die Royal Botanic Gardens und das National Herbarium. Die Universität von Melbourne (1853) befindet sich in Parkville. Weitere Bildungseinrichtungen der Region sind die La Trobe University (1964) in Bundoora, die Monash University (1958) in Clayton, die Deakin University (1974) in Geelong sowie das Royal Melbourne Institute of Technology (1882) und die Victoria University of Technology (1990), die sich beide in Melbourne befinden. Im November 2000 wurde mit dem Melbourne Museum der größte Museumskomplex der Südhalbkugel eröffnet. Der architektonisch anspruchsvolle Bau beherbergt auf rund 80.000 m2; mehr als 16 Millionen Exponate. Bedeutendste Attraktion ist die 30 m hohe Forrest Gallery, in der 82 Pflanzen- und 25 Tierarten versammelt sind. Weitere bekannte Museen im Stadtgebiet sind die National Gallery of Victoria mit Sammlungen von Gemälden und Fotografien und das Museum of Victoria, in dem das frühere National Museum of Victoria mit seinen Abteilungen für Zoologie, Geologie und Anthropologie aufgegangen ist. Zu einer der bedeutendsten touristischen Attraktionen wird das zum Teil im Flussbett des Yarra River unterirdisch angelegte Aquarium ausgebaut. Bekannte Sportarenen in der Region sind der Flemington Racecourse, in dem jährlich die Pferderennen des Melbourne Cup ausgetragen werden, und das National Tennis Centre in Flinders Park, wo alljährlich die Australian Open stattfinden.

Das Gebiet, in dem die Stadt liegt, wurde 1803 erstmals von Europäern erkundet. 1835 besiedelten es rivalisierende Gruppen aus Tasmanien und gaben ihm den Namen Port Phillip. Im Gegensatz zu anderen Siedlungen im Südosten Australiens war Melbourne nie eine Strafkolonie, sondern wurde von Anfang an als Wohngebiet mit breiten Straßen und weitläufigen Parks geplant. 1837 erhielt die Stadt zu Ehren des damaligen Premierministers von Großbritannien, William Lamb, 2. Viscount Melbourne, ihren heutigen Namen. 1851 kam sie von New South Wales zu der neugebildeten britischen Kolonie Victoria und wurde deren Hauptstadt. Melbournes größte Wachstumsperiode begann in den frühen fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als in Victoria Gold entdeckt wurde (insbesondere bei Bendigo und Ballerat). Zu dieser Zeit entwickelte sich die Stadt zum Handelszentrum der aus Übersee herbeiströmenden Goldgräber. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Stadt ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, ihr Hafen wurde ausgebaut, und wichtige Industriebetriebe siedelten sich an. Nach der Gründung des Australischen Bundes 1901 war Melbourne zeitweise Sitz der australischen Bundesregierung. 1913 wurde Canberra die neue Bundeshauptstadt, aber die Regierung zog erst 1927 dorthin um. 1956 fanden die Olympischen Sommerspiele in Melbourne statt. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 3,4 Millionen.

Wir beenden unsere Sightseeing-Tour beim Juwelier Alban & Cherny, wo der größte ungeschliffene Opal der Welt zu bewundern ist. Obmann Paul und ich, gehen einstweilen mit unseren Begleitern Hansi, Roman, Walter und Jolly um die Ecke in ein irisches Bier-Pub um uns zu erfrischen. Nachdem wir einige verschiedene Biersorten durchprobiert haben, kommen noch Verena, Moni und Elke dazu und wir beschließen auf dem Fußweg zurück zum Hotel in einem chinesischen Restaurant unser Mittagessen einzunehmen. Es ist aber wie verhext, in welche Straße wir auch wechseln, es ist weit und breit kein Chinese zu entdecken. Wenn wir unsere Straßenkarten nicht im Hotel zurückgelassen hätten, könnten wir sehen, dass wir uns die ganze Zeit parallel zu China-Town bewegen. Nachdem wir nun schon 2,5 km gewandert sind sehen wir kurz bevor wir zu unserem Hotel kommen in der King Street 131 ein französisches Restaurant namens Bergerac. Unsere weiblichen Begleiterinnen lehnen die französische Küche ab und ziehen ein paar Häuser weiter um sich eine Pizza zu holen. Wir Männer aber, geschwächt vom langen Fußmarsch und nicht gewillt mit hungrigem Magen noch einen Meter weiter zu gehen, betreten das Lokal und genießen die besten Steaks die wir jemals hatten.

Gestärkt geht es dann weiter ins Hotelzimmer unter die Dusche. Meine Wäsche ist auch schon trocken und so nehme ich das Bügelbrett und das Bügeleisen aus dem Schrank und bügle als ob ich noch nie etwas anderes gemacht hätte – besonders mit den Socken gebe ich mir Mühe. Als es sich später herumspricht, dass ich meine Socken gebügelt habe, meinen einige Damen, dass das eine unnötige Arbeit wäre – aber was wissen die schon von Hausarbeit.

Um 15:45 Uhr geht es dann los zu unserem Auftritt in der Mount Anakie Winery des österreichischen Generalkonsuls Otto Zambelli. Das Weingut liegt ca. 75 km westlich von Melbourne und 20 km nördlich von Geelong. Als wir dort ankommen begrüßt uns der Generalkonsol und zeigt uns den Platz an dem wir Aufstellung nehmen sollen. Und schon kommt die erste Unzufriedenheit auf, man muss sich die Sache folgendermaßen vorstellen: bei der Veranstaltungsstätte handelt es sich um eine niedere Holzbaracke die anscheinend als Verkaufs- und Verkostungsraum für die im Weingut produzierten Weine dient. An der Vorderseite und auch an der rechten Längsseite springt eine überdachte Terrasse vor, mit ca. 3 m Tiefe. Genau auf dieser Terrasse an der rechten Hausecke sollen wir uns platzieren. Für die geladenen Gäste – von denen jeder AUD 30,00 zu berappen hat, gibt es Tische und Bänke ebenfalls auf der Terrasse und im Inneren des Schuppens. Nachdem es wirklich ziemlich kalt ist und es gerade an dieser Hausecke ziemlich zugig ist, weigert sich unser Obmann Paul, verweisend auf seine Pflicht den Schutz der Gesundheit der Musikanten im Auge haben zu müssen, an diesem Ort aufzutreten. Er bleibt auch bei seiner Meinung als Zambelli auf die Verfügbarkeit von zwei großen Gasöfen hinweist, die auf der Terrasse neben uns aufgestellt werden sollen. Es kommt auch zu einem Disput zwischen dem Konsul und Sepp, da ersterer versprochen hatte, für diese Veranstaltung ein Zelt zu organisieren. Nachdem man zu keiner Einigung zu kommen scheint, gehen wir auch einmal in das Innere der Baracke um einen Schluck von den Produkten dieses Weinguts zu probieren. Tatsächlich bleibt es auch bei einem Schluck. Ein bereits verstorbener, guter, väterlicher Freund von mir sagte einmal: "Es gibt keinen schlechten Wein, es gibt nur einen guten und einen besseren!" Ich glaube an diesem Ort hätte er seine Meinung geändert. Der allgemeine Zustand des Produktionsbereiches der Winery läßt sich am besten mit den Worten beschreiben: "In Österreich wäre so etwas verboten!"

Einige unserer Gruppe stehen im Freien, unterhalten sich und rauchen dabei ihre Zigaretten, als der Generalkonsul an sie herantritt und mit süffisanter Miene herausplatzt: "Es gibt zwei Arten von Menschen – gute Menschen und Raucher!" – Wahrscheinlich hält der gute Mann das für einen Scherz, andere haben für wesentlich weniger schon Prügel bekommen.

Nachdem nun auch unsere Fangruppe zu rebellieren beginnt – wer zahlt schon AUD 30,00 um sich beleidigen zu lassen oder sich zu erkälten – ruft Sepp per Telefon den Buschauffeur zurück. Bis auf Bella und Blacky besteigen alle unsere Begleiter den Bus und lassen sich ca. 30 km zurück nach Werribee fahren.

Nach längeren und zum Teil auch sehr hitzigen Debatten lässt sich der Konsul dazu überreden, im Inneren der Baracke eine kleine Nische für die Musikanten frei zu machen. Wir räumen die Tische und Bänke zur Seite und stellen unsere Anlage auf. Die ersten Gäste trudeln ein und wir freuen uns auch Franz und Erika wiederzusehen, die es sich trotz der widrigen Umstände nicht nehmen ließen uns auch bei diesem Konzert zu besuchen.

Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen, zum Glück haben wir eine Flasche Williamsbirne, eine Flasche Marillenbrand und eine Flasche 80 %igen Stroh-Rum in unseren Kisten gebunkert. Bereits vor Beginn des Konzertes um 20:00 Uhr ist der Birnenschnaps geleert und der Marillenbrand geht auch schon durch die Runde. In der ersten Pause öffnen wir den Rum und mischen ihn mit Cola – eine wahre Teufelsdroge. Sepp der ob des gesamten Dilemmas auch ziemlich konsterniert wirkt, stößt mit uns auf ein, trotz allem, gutes Gelingen an. Er entschuldigt sich noch vielmals für das entstandene Chaos und ich versichere ihm immer wieder, dass wir ihm persönlich rein gar nichts vorzuwerfen haben. Dann sagt er noch zu mir: "Weißt Du Norbert, wenn ich so ein Konzert organisiere, dann schaue ich nicht ob die Hütte ein Blechdach hat oder ob ein Tischtuch auf dem Tisch liegt. Ich schaue nur auf die Menschen die ich um mich habe!" – und ich muss sagen, diese Worte stimmen mich doch auch ein wenig nachdenklich.

In der Zwischenzeit hat Wendi seine Orgel in Betrieb genommen und mit der Zeit beruhigen sich die Gemüter wieder – wohl auch eine Folge des Rumkonsums. Auch Bella gibt zusammen mit Wendi ein paar Lieder zum Besten, und beweist auf eindrucksvolle Weise ihr großes Gesangstalent.

Als wir wieder auf der blasmusikalischen Welle unterwegs sind, und gerade den "Böhmerwald-Walzer" vortragen, kommt Zambelli zu uns gelaufen, schnappt sich das Mikrophon und beginnt zu singen, dass die Wände zittern. Wir sind wirklich alle überrascht, dass wir trotz dieser Disharmonien aus der Kehle des Generalkonsuls, es noch schaffen das Stück ohne Absturz bis zum Ende zu spielen. In der darauffolgenden Pause bin ich Augen- und Ohrenzeuge folgender Szene:

Ein Gast, wohl auch guter Bekannter des Konsuls, bekleidet mit einem rotkarierten Hemd, einer kurzen, engen, schwarzen Lederhose, roten Stutzen und einem Steirerhut mit Feder, dieser Gast also – ich möchte ihn hier Kitsch-Tiroler nennen, obwohl er seiner Aussprache nach Norddeutscher ist – kommt zu Zambelli und sagt: "Otto, ich muss Dir eines sagen; die spielen ja ganz gut – aber der Part, wo Du mitgesungen hast, das war das Größte!" Dabei klopft er dem Konsul anerkennend auf die Schulter. Anfangs glaube ich noch an einen Scherz, aber als die Lobeshymnen überhaupt kein Ende nehmen wollen, denke ich doch, dass es sich bei dem Kitsch-Tiroler um einen Speichellecker der besonderen Art handeln muss.

Gegen 22:45 Uhr beenden wir das Konzert in der Mount Anakie Winery, packen unsere Sachen in den Bus, verabschieden uns noch von Franz und Erika und fahren Richtung Werribee. Sepp, der es nicht abstreitet zu diesem Zeitpunkt auch schon etwas getrunken zu haben, fällt plötzlich ein, dass er seine Tasche bei Zambelli vergessen hat. Keiner hätte gedacht, dass wir dieses Weingut so schnell wiedersehen werden, und Hans Habersack bringt es auf den Punkt: "Ich will nicht zurück, an diesen schrecklichen Ort!"

Auf dem endgültigen Rückweg holen wir dann noch unsere "Flüchtlinge" in einem Lokal in Werribee ab, nicht jedoch ohne auch noch ein Getränk zu nehmen und kehren um 01:15 Uhr ins Hotel zurück. Da die Hotelbar schon wieder geschlossen hat, setzen wir (Bernd, Roman, Verena, Moni, Elke, Jolly und ich) die Tradition die Minibar zu plündern fort und treffen uns wieder in unserem Hotelzimmer. Es ist 04:00 Uhr als wir endlich ins Bett kommen. Ich möchte es nicht unerwähnt lassen, dass ich um ca. 04:30 Uhr mit dem Polster nach Jolly schlagen muss.

Mittwoch, 12.11.2003

Um 06:50 Uhr werden wir ziemlich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Irgendjemand poltert an die Tür um uns zu wecken. Es fällt uns nicht gleich ein, dass um 07:00 Uhr schon der Bus zu unserer Great-Ocean-Road-Tour startet, als es uns aber bewusst wird, sind wir flugs aus den Betten und stehen um 07:05 Uhr vor dem Hotel und erwarten den Bus der etwas verspätet um 07:15 Uhr eintrifft. Da diese Tour als optionaler Punkt in unser Programm aufgenommen wurde, sind nicht alle mit dabei. Einige wollen sich die Stadt Melbourne näher anschauen, andere schlafen lieber länger. Wendi wurde von Paul Berger zu sich nach Hause eingeladen, Gisi ist jedoch mit von der Partie. Aber das nicht lange, denn als sie während der Fahrt plötzlich einen Anruf von Wendi erhält, dass er keine Unterhose findet, steigt sie in Geelong aus dem Bus und wird von Paul Berger mit dem Auto wieder abgeholt. Ich möchte die Kosenamen die sie dabei ihrem Gatten gibt, aus Jugendschutzgründen hier nicht wiedergeben.

Wir fahren weiter, ab Anglesea der bemerkenswert schönen Küste entlang und halten in Apollo Bay um eine Kleinigkeit zu essen. Die Frühlingsrollen sind nicht besonders gut – aber sie sind ja auch nicht vom Chinesen. Dann geht es weiter, farnbewachsene Hänge säumen die Straße und wer aufmerksam nach oben schaut, kann schon ab und zu einmal einen Koala in einer Astgabel entdecken. Die Great Ocean Road ist wirklich eine der beeindruckensten Sehenswürdigkeiten dieses Kontinents. Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg, in vierzehnjähriger Arbeit im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungsprogramms von Kriegsveteranen hergestellt.

Über saftig grüne Hügel durchbrochen von Wäldern und Wiesen fahren wir über Lavers Hill Richtung Princetown wo die Straße wieder entlang der Küste verläuft, und dramatische Ausblicke auf steile Klippen, idyllische Buchten und einsame Strände bietet. Hier beginnt der eigentliche Höhepunkt, der Port Campbell Nationalpark. Die gefährlichen Gewässer der Bass Strait peitschen an die steilen Kalksteinklippen und lassen beeindruckend wundersame Bögen, Schluchten und grandiose Felsformationen entstehen. Die bekanntesten sind die "Zwölf Apostel", die bis zu einhundert Meter aus der schäumenden Brandung ragen. Ob es wirklich genau zwölf Steinsäulen sind, kann ich nicht genau sagen, gezählt habe ich nur zehn. Vielleicht waren die restlichen zwei gerade im Meer schwimmen. Nachdem wir unzählige Fotos von diesem Naturschauspiel geschossen haben, geht die Reise ein Stück weiter zum Loch Ard Gorge.

Viele Schiffe sind an dieser Küste ins Unglück gefahren. Am 31. Mai 1878 lief der Klipper Loch Ard aus Glasgow vor Multon Bird Island auf ein Riff und sank. 52 Menschen kamen um, nur die damals 18jährige Eva Carmichael und der Schiffsjunge Tom Pearce überlebten. Tom wurde von der Brandung durch eine enge Schlucht in eine Bucht gespült, nachdem er an Land gegangen war hörte er Schreie und sah das Mädchen wie sie sich an einen Balken klammerte. Er sprang zurück ins Wasser und kämpfte eine Stunde lang, um die angebliche Geliebte der tosenden Gischt zu entreißen. Nachdem er das inzwischen durch die Erschöpfung ohnmächtige Mädchen an Land gezogen, und in eine schutzbietende Höhle getragen hatte, belebte er es wieder durch das Einreiben, wahrscheinlich auch durch das Einflößen, eines ebenfalls an Land gespülten Brandys.

Wir fahren weiter bis Port Campbell wo wir eine kurze Rast einlegen um zu Essen. Der gemischte Fischkorb schmeckt hervorragend, ist aber viel zu viel für einen Menschen mit feingliedrigem Körperbau, wie mich. Selbst Blacky schafft es nicht alles aufzuessen. Um 15:20 Uhr starten wir zur Rückreise nach Melbourne. Diesmal fahren wir nicht mehr der Küste entlang, sondern direkt durch das Inland zum Princess Highway. Wir kommen um 18:15 Uhr wieder im Hotel an.

Nach einer Dusche treffen wir (Obmann Paul, Walter, Hansi, Roman, Hannes, Charly und ich) uns in der Hotellobby um Richtung China-Town zu marschieren. Heute haben wir den Stadtplan mit und nichts kann uns davon abhalten chinesisch essen zu gehen. Wir durchqueren ganz China-Town um dann in der Exhibition-Street in ein gemütliches Lokal einzukehren. Ich esse Haifischflossensuppe und Garnelen mit Zwiebeln und Knoblauch – es schmeckt fantastisch. Die anderen scheinen mit ihrer Wahl nicht sehr zufrieden, besonders die Ente von Paul Falb und Hans Habersack sieht aus, als ob sie in dem Saft in dem sie schwimmt ertränkt worden wäre – keine Spur von "knuspriger Ente". Aber auch das gehört zum Urlaubsleben, man muss eben auch wissen was man im Ausland essen kann und was nicht.

Nach dem Abendessen gehe ich mit Walter Denk und Hannes Kaiser wieder zurück Richtung Hotel, während die anderen noch ein Internet-Carfe aufsuchen wollen. Möglicherweise hat es ihnen keiner gesagt, denn anscheinend wissen meine beiden Begleiter nicht genau wohin wir gehen. Während wir so dahinspazieren – vorne ich, hinter mir Hannes dann Walter – dreht sich Hannes nach Walter um und fragt diesen: "Wo gehen wir eigentlich hin?", darauf Walter: "Keine Ahnung, ich gehe sonst auch immer nur hinten nach!". Soviel zum Orientierungssinn eines Landwirtes und eines Militärmusikers in fremden Städten. Die zweite Anekdote betrifft einen, von dem wir das nicht für möglich gehalten hätten, nämlich Charly Gonter. Er trennt sich nämlich von seinen Begleitern im Internet-Cafe und wagt auf eigene Faust das Abenteuer, den Weg ins Hotel zurück zu finden. Nachdem er schon eine Weile, zwar nicht ziel- aber doch planlos, durch die Gegend läuft, nimmt er sich ein Herz und möchte einen Taxilenker nach dem Weg fragen. Auf die Anrede hin: "Excuse me, I have a answer!" ergreift dieser jedoch schlagartig die Flucht, verständlicherweise. Nachdem er dann auch bei seinen Kollegen von der Melbourner Polizei, wegen Verständigungsschwierigkeiten auf keinen grünen Zweig kommt, läuft ihm zufällig und glücklicherweise Roman über den Weg, der ihn dann sicher nach Hause lotst.

Als ich mit Hannes und Walter im Schlepptau in der Hotelhalle ankomme herrscht bereits gute Stimmung an der Bar. Paul Berger sitzt hier mit seiner Frau Karoline im Kreise des Großteils unserer Reisegruppe und man merkt, dass der Barkeeper bereits eine Menge zu tun hatte. Wir gesellen uns dazu und trinken noch ein paar Gläser Bier, bzw. Bundy & Coke. Um 01:00 Uhr begeben Jolly und ich uns aufs Zimmer um wenigstens einmal früher ins Bett zu kommen. Das hindert meinen Zimmerkollegen jedoch nicht daran, um 04:30 Uhr in der Früh seinen täglichen Brunftgesang vorzuführen. Der Schlag mit dem Poster bewährt sich zum wiederholten Male als geeignetes Gegenmittel.

Donnerstag, 13.11.2003

Das Handy weckt uns um 07:00 Uhr, wir duschen, packen zusammen und gehen zum Frühstück. Um 10:25 Uhr geht unser Bus zum Flughafen Melbourne, heute fliegen wir weiter nach Gold Coast. Wir treffen uns um 10:00 Uhr in der Hotellobby um den Bus mit unseren Instrumenten und Koffern zu beladen. Karoline die Frau von Paul Berger ruft Wendi am Handy an um ihm mitzuteilen, dass Paul es nicht schaffen würde, zur Verabschiedung zum Flughafen zu kommen. Er sitzt zurzeit bedrückt und unglücklich im Wohnzimmer und kämpft mit den Tränen – so groß ist sein Heimweh.

Um 10:45 Uhr am Flughafen angekommen geht der Gruppen-Checkin rasch von statten. Anders die Sache mit unseren Big-Silver. Am Checkin-Schalter wird die Übernahme der großen Kisten verweigert, zu schwer für die armen Flughafenbediensteten. Wir müssen einen Taxibus suchen und die Kisten zum Gebäude der Australian-Air-Freight transportieren. Dort knöpft man uns AUD 1.148,00 ab, obwohl unser Übergepäck schon im Voraus bezahlt wurde. Dann werden wir noch darüber informiert, dass die Kisten erst am nächsten Tag am Flughafen in Coolangatta eintreffen werden. Unter Protest bezahlen wir die geforderte Summe und fahren mit dem Taxi zurück zur Abflugshalle. Um 12:45 Uhr startet unser Flugzeug, eine BOEING 767 um nach 2 h 15 min Flug, um 14:00 Uhr Ortszeit sicher in Coolangatta zu landen. Da wir uns nun schon in Queensland befinden, müssen wir unsere Uhr eine Stunde zurückstellen, der Zeitunterschied zur mitteleuropäischen Zeit beträgt nur mehr +9 Stunden.

Kaum sind wir aus dem Flugzeug ausgestiegen, tritt das nächste Problem auf. Der Koffer von Elke ist bei der Gepäcksausgabe nicht dabei. Sie erhält am Schalter eine Bestätigung, dass Ihr Gepäckstück abhandengekommen ist, und den tröstenden Hinweis, dass es ja möglicherweise noch auftauchen könnte. Ihre Freundinnen und Zimmerkolleginnen Verena und Moni versprechen, Ihr einstweilen mit ein paar Kleidungsstücken auszuhelfen. Obwohl sie ganz schön sauer wirkt, möchte ich der lieben Elke unterstellen, dass sie sich schon insgeheim darauf freut, beim Shoppen ihre Garderobe zu erneuern.

Der Bus wartet bereits, wir laden unsere Koffer ein und fahren ca. eine halbe Stunde zu unserem Hotel Grand Mercure, Surf Parade 81, Broadbeach. Das Hotel hat im zweiten Stock einen Zugang zu einem Einkaufszentrum, eine tolle Poolanlage und eine eigene Bahnverbindung – ähnlich der Monorail in Sydney – zum auf der anderen Straßenseite liegenden Casino, man steigt im Hotel in die Bahn ein und verlässt sie wieder an einem Eingang zum Casino – eine äußerst komfortable Angelegenheit. Richtig einzuschätzen lernt man diese Einrichtung erst dann, wenn man einmal in einem australischen Casino war und feststellt wie spielsüchtig dieses Volk ist.

Die Zimmervergabe im Hotel ist wieder rasch abgewickelt, die Zimmer sind wie auch schon in den Hotels vorher komfortabel und reichlich ausgestattet. Wir machen einen kleinen Spaziergang zum herrlichen Strand und nehmen dann in einem italienischen Restaurant Platz um eine Kleinigkeit zu essen. Mein Menü besteht aus Fischsuppe die wie Mayonnaise aussieht aber trotzdem ganz gut schmeckt, und Barbecue-Bugs, das sind keine richtigen Käfer sondern eine Art Meereskrebse oder Garnelen, gegrillt – und schmecken auch ganz hervorragend. Nach dem Essen führe ich noch schnell ein Telefongespräch mit unserem Reisebüro in Wien, bei dem wir die Flüge gebucht und auch die Kosten für das Übergepäck im Voraus bezahlt haben. Ich berichte dem Sachbearbeiter Michael Manak von den Schwierigkeiten die uns auf den australischen Flughäfen ständig begegnen und er verspricht mir sich mit QANTAS in Verbindung zu setzen und mir Bescheid zu geben. Nach einer Stunde rufe ich ihn noch einmal an und er erklärt mit QANTAS gesprochen zu haben, und dass für die kommenden Flüge alles in Ordnung ist. In Brisbane und Cairns ist man bereits davon informiert, dass wir mit ziemlich viel Übergepäck reisen. Ich bedanke mich bei ihm und bin vorerst erleichtert.

Während Paul, Charly und Roman noch im Lokal sitzen bleiben, dem zugegeben guten japanischen Oldie-Sänger zuhören und die aus Freiburg stammende Bedienung bezirzen, beschließen wir (Sepp, Florian, Lisi, Verena, Moni, Elke, Jolly und ich) mit der Bahn ins Casino zu fahren und uns dort einmal umzusehen. Im Casino ist die Hölle los, der Großteil unserer Reisegruppe ist sowieso auch schon dort, und Sepp weiht uns auch gleich in die Geheimnisse der Spielautomaten ein. Nach Abgabe unserer Deppensteuer und ein paar genossenen Drinks beschließen wir in die Hotelbar zurückzufahren. Dort bleiben wir aber nicht lange, Sepp, Florian und Lisi gehen auf ihre Zimmer. Vorher vereinbaren Sepp und ich noch miteinander, am nächsten Morgen unsere Alu-Kisten vom Flughafen in Coolagatta abzuholen. Er wird versuchen ein geeignetes Transportmittel aufzutreiben, möglicherweise stellt uns sein Freund Karl Raberger, Inhaber einer Bäckerei in Gold Coast, einen Wagen zu Verfügung.

Wir anderen also, besuchen noch eine Cocktailbar an der Promenade zum Strand. In diesen Lokalen sollte man aber nicht allzu viel trinken, weniger wegen des Alkohols als vielmehr weil es dort ziemlich wenige WCs gibt. Wir Männer haben es da leichter, wir können unser Wasser an einem Eukalyptus eine Straße weiter abschlagen, die Damen hingegen müssen schon auf WC-Suche gehen bevor sie noch "müssen", um nicht zu spät zu kommen. Nach ein paar Cocktails und Bundy & Coke begeben wir uns um 02:00 Uhr auch ins Hotel zurück um Schlafen zu gehen. Um 04:30 Uhr nehme ich zur Kenntnis, dass es wohl auch in Gold Coast Truthennen geben muss, aus welchem Grunde sonst sollte Jolly seinen Brunftgesang anstimmen. Ein bewährtes Mittel schafft Abhilfe.

Freitag, 14.11.2003

Um 07:00 Uhr weckt mich mein Handy, ein paar Kleidungsstücke gehören wieder einmal gewaschen, danach begebe ich mich in den Frühstücksraum. Jolly bleibt noch etwas liegen. Beim Frühstück erzählt mir Sepp, dass uns um 09:00 Uhr Karl Raberger einen Kleintransporter bringen wird, damit wir die Big-Silver vom Flughafen abholen können. Da bis dahin noch Zeit ist, hole ich meine Badehose und setze mich in den 34° C warmen Whirlpool.

Um 08:45 Uhr ist Jolly auch schon mit dem Frühstück fertig und erklärt sich dazu bereit Sepp und mich beim Kistentransport zu unterstützen. Wir stehen vor dem Hotel und warten auf Karl Raberger. Obmann Paul kommt noch schnell hinzu, um seinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, dass unser freier Tag in Gold Coast nun nicht so ablaufen kann, wie wir es uns vorgestellt hatten. Er selbst geht mit Roman, Charly, Walter und Hansi zum Speed-Boot-Fahren, ein Programmpunkt den er schon wochenlang vorher über Internet gebucht hat.

Plötzlich bleibt ein beigefarbener Jaguar vor dem Hoteleingang stehen, ein älterer, weißhaariger Herr mit gezwirbelten, weißen Schnurrbart steigt aus dem Wagen und Sepp stellt ihn uns als Karl Raberger vor. Er bittet uns gleich uns ins Auto zu setzen und meint, dass wir nun in seine Bäckerei fahren würden wo wir einen seiner Lieferwagen ausgehändigt bekämen. Sepp hatte schon vorher einmal erwähnt, dass Karl Raberger der Besitzer der größten Privatbäckerei Australiens wäre, aber was denkt man sich schon dabei. Ich stellte mir das so vor, dass der gute Karl mit seiner Frau und seiner Tochter eben, vielleicht noch mit einem Lehrling Tag für Tag den Sandwichteig knetet. Ich sollte mich wohl getäuscht haben.

Wir fahren von Broadbeach wo sich unser Hotel befindet auf dem Highway Richtung Nerang, verlassen die Schnellstraße dann nach ca. 15 km um zur Bäckerei in der Keller Cresent 12 in Carrara zu gelangen. Auf dem Weg dorthin kommen wir auch am German Club Gold Coast vorbei in dem wir am Abend unser Konzert haben. Als wir bei der Karl's Good Stuff Bakery ankommen staunen wir nicht schlecht, Karl lädt uns sofort zu einer Besichtigung des Produktionsbetriebes ein, und wir sind überwältigt vom Ausmaß dieser Privatbäckerei. In der ersten Halle werden auf zwei identischen Fertigungsstraßen, zwei verschiedene Brotsorten, gänzlich vollautomatisch hergestellt – vom Rühren und Kneten des Teiges, bis letztendlich zum Backen des Brotes. Man sieht kaum Arbeitspersonal in dieser riesigen Anlage. Am anderen Ende verlassen wir die Halle und überqueren eine Straße. Dort stehen wir vor einem kleineren Gebäude in dem ausschließlich Türkisches Brot, in reiner Handarbeit hergestellt wird. Hier befindet sich auch der Eingang zum neuen Firmenareal, wo zur Zeit eine riesige Halle im Entstehen ist, in welche die Fabrikation ab Ostern 2004 verlegt werden soll. Wir durchwandern auch diese zurzeit noch leere Halle, und Karl erklärt uns haarklein wie die Einrichtung und der Produktionsablauf im neuen Betrieb aussehen wird. Danach lädt er uns in einen Nebenraum seiner Garage zu einer Jause ein, schließlich zeigt die Uhr auch schon 11:30 Uhr an. Während wir uns österreichische Leberwurst, Speck und Karls frisches Brot – dazu gibt es oberösterreichischen Apfelmost – schmecken lassen, erzählt uns Karl seine Lebensgeschichte. Im Jahr 1955 ausgewandert gründete er 1960 in Melbourne seine erste Bäckerei. Nach 28 Jahren wollte er sich dann in Queensland zur Ruhe setzen, weil aber seine in Gold Coast verheiratet Tochter meinte es gäbe hier kein anständiges Brot, eröffnete er kurzerhand seine Good Stuff Bakery in Carrara. Allein 20 Lieferwagen fahren täglich in Brisbane sein frisches Brot aus. Den Speck, die Leberwurst und den Most lässt er sich aus Linz mit dem Schiff schicken, zusammen mit dem Mehl das er hier für sein österreichisches Brot verarbeitet – 76 Tonnen Mehl allein in einer Woche. Nach ein paar Krügen Most müssen wir auch noch einen seiner vielen Rotweine verkosten. Als Sammler von westaustralischen Spitzenrotweinen, wo die Flasche einige hundert Dollar wert ist, ist sein Weinlager wirklich gut sortiert. Er möchte uns auch noch ein Ständchen auf seiner Steirischen Harmonika bringen. Als aufmerksamer Beobachter fällt mir aber auf, dass es nicht wirklich seine Finger sind, die die Musik die aus dem Instrument kommt, erzeugen. Als er nach Beendigung seines Konzertes die Harmonika in den Koffer zurücklegt, diese aber von selber weiterspielt, muss er den Schwindel eingestehen. Wir müssen versprechen nichts von seinem Geheimnis zu verraten, trinken noch einen Schnaps und machen uns auf den Weg, damit er uns den Lieferwagen für unsere Fahrt zum Flughafen übergeben kann. Beim Öffnen der Verbindungstür vom Jausenstüberl in die Garage, entgleitet mir der Türgriff und die Tür schnellt gegen die Stoßstange des dahinter geparkten Rolls Royce. Die kleine Delle tut er mit den Worten "Ist ja nur ein Auto!" ab. Auf dem Weg zum Parkplatz vor der alten Bäckerei wo der Lieferwagen steht, erklärt er uns noch, dass sämtliche Grundstücke und Gebäude die an dieser Straße liegen sein Eigentum seien – und die Straße ist sicher über 500 m lang. Beim Parkplatz angekommen übernehmen wir den Wagen und fahren los. Es ist nicht abzustreiten, dass wir schon alle ziemlich angeheitert sind. Sepp ist der Chauffeur, ich sein Beifahrer und Jolly sitzt als lebende Ladung im Frachtraum. Trotzdem auch Sepp bei Most und Wein nicht nein gesagt hat, kommen wir doch ohne Probleme zum Flughafen. Nachdem wir dort einige Ehrenrunden drehen, finden wir schließlich auch den Container in dem unsere 4 Kisten auf uns warten. Wir laden schnell ein und fahren den Gold Coast Highway zurück nach Broadbeach ins Hotel. Dort genehmigen wir uns noch ein paar Bier in der Bar und tauschen mit den anderen die Erfahrungen und Erlebnisse des Tages aus. Einige waren einkaufen im Pacific Fair Einkaufszentrum, schräg gegenüber von unserem Hotel, andere waren in Sea World und haben die Delphin-Show genossen. Als große Überraschung erfahren wir noch, dass der Koffer von Elke auch schon wieder aufgetaucht ist, durch mysteriöse Umstände ist es dazu gekommen, dass er einfach in Melbourne stehen geblieben ist. Somit hat sich an diesem Nachmittag doch noch alles in Wohlgefallen aufgelöst.

Wir erfrischen uns anschließend im Pool und um 18:00 Uhr fahren wir ab zum German Club Gold Coast, Ecke Jondique Ave. & Gooding Drive in Carrara. Der Club ist zum Bersten gefüllt, auch Karl Raberger ist mit seiner Gattin gekommen und lädt uns gleich zu einer reichlichen Ladung Bundy & Coke ein. Wie sich herausstellt ist er ständiger Sponsor dieses Clubs und auch die Gage für unseren Auftritt wird von ihm übernommen.

Zum Abendessen gibt es Wiener Schnitzel mit Schwammerlsauce und Erdäpfelpüree. Es ist nicht unbedingt mein Geschmack, daher halte ich mich lieber an Bundy & Coke.

Unser abwechslungsreiches Programm schlägt auch hier voll ein und das Publikum geht begeistert mit. Um 24:00 Uhr ist wieder Schluss mit unserem Auftritt und wir verlassen den Club mit einem äußerst positiven Eindruck von den lieben Menschen hier.

Zurück im Hotel ist der Bus rasch entladen und wir machen uns auf um im Casino nach dem Rechten zu sehen. Hier nehmen wir ein paar Drinks, spielen ein bißchen an den Automaten herum und irgendwann wandern wir zurück ins Hotel um uns noch etwas aus der Minibar in unserem Zimmer zu genehmigen. Nicht alle jedoch, einige hat die Spielsucht gepackt und bleiben an den Automaten oder Spieltischen kleben. Roman erweist sich noch als Kavalier, und begleitet die deutsche Bedienung aus dem italienischen Restaurant von gestern nach Hause. Sie war auch schon Gast im Deutschen Club und ist uns ins Casino gefolgt. Zu sechst (Bernd, Verena, Moni, Elke, Jolly und ich) räumen wir noch schnell unsere Minibar aus und legen uns dann um 04:45 Uhr schlafen. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass um diese Zeit Jollys Balztermin bereits überschritten ist und daher verläuft diese Nacht auch angenehm ruhig, bis auf die normalen Schnarchgeräusche.

Samstag, 15.11.2003

Heute bleiben wir bis 08:00 Uhr liegen. Nach dem Aufstehen mache ich meine Wäsche fertig, packe meinen Koffer und gehe mit Jolly zum Frühstück. Um 10:00 Uhr ist Abfahrt mit dem Bus nach Brisbane. Vorher müssen wir jedoch den Lieferwagen von Karl Raberger in die Bäckerei zurückbringen. Sepp setzt sich ans Steuer, ich bin wieder Beifahrer und der Bus folgt uns. An einer Ampel verlieren wir ihn jedoch, aber mittels eines Telefongespräches lotsen wir den Chauffeur wieder auf die richtige Route. Wir stellen den Wagen ab steigen in den Bus und die Fahrt geht weiter nach Brisbane. Dort angekommen beginnen wir sogleich mit der Stadtrundfahrt.

Brisbane ist die Hauptstadt des Bundeslandes Queensland und Hochseehafen am Brisbane River in der Nähe der Moretonbai. Ein Kanal macht die Stadt für Seeschiffe zugänglich. Die Hafeneinrichtungen verfügen über Trockendocks und mehr als drei Kilometer lange Kais. Wolle ist die Hauptexportware. Weitere Handelsgüter sind tiefgekühltes Fleisch, Leder, Zucker, Milchprodukte, Mais und Kohle. Eisenbahnlinien verbinden die Stadt mit allen wichtigen Zentren Australiens sowie mit der umliegenden Region, die in den Bereichen der Landwirtschaft und des Bergbaues zu den produktivsten Regionen des Landes gehört. Brisbane ist ein bedeutendes Zentrum der Lebensmittel verarbeitenden Industrie, für Gerbereien, den Fahrzeugbau sowie für die Herstellung von Kleidung, Zigaretten, Schuhen und Maschinen. Das Stadtbild ist von breiten Straßen, zahlreichen Parks und vielen modernen Gebäuden geprägt. Zu den bedeutendsten gehören das Parlamentsgebäude, die Stadthalle, das Brisbane-Museum und die Gebäude der Universität von Queensland (gegründet 1910).

Brisbane war ursprünglich eine 1824 eingerichtete britische Strafkolonie. Sie wurde nach dem britischen Verwalter, Soldat und Astronomen Thomas Brisbane benannt, dem damaligen Gouverneur der angrenzenden Kolonie New South Wales. Brisbane wurde 1842 für freie Siedler geöffnet und 1859 zur Hauptstadt der neu geschaffenen Kolonie Queensland erhoben. Die Weltausstellung von 1988 fand in Brisbane statt.

Hier ist das schnellste Bevölkerungswachstum von ganz Australien zu beobachten. Zwischen 1940 und 1986 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 1,6 Millionen.

Wir überqueren die Victoria Bridge, fahren entlang des Southbank Parkland-Geländes bis zum Kangaroo-Point wo wir einen kurzen Stop machen. Speziell die Southbank Parklands sind einen Besuch wert, direkt über der Victoria Bridge, 2 Minuten von der Innenstadt finden sich gemütliche Parklandschaften, Cafes, Marktstände und ein kostenloses Freibad mit einer Lagune, am Ufer goldgelber Sand aufgeschüttet, mit der Aussicht vom Schwimmbecken direkt auf die Hochhäuser der Innenstadt. Wo gibt es das sonst schon? Die Infrastruktur ist gut ausgebaut und durchdacht, man findet Umkleidekabinen, Duschen, Safes, Eisstände und Restaurants für den kleinen Hunger zwischendurch. Am Kangaroo-Point haben wir bei wunderschönem Wetter eine herrliche Sicht auf die Skyline von Brisbane, wir überblicken den Brisbane River von der Biegung an der Captain Cook Bridge bis zur nächsten Krümmung an der Story Bridge. Danach geht es weiter zum Mount Coot-Tha, dem Stadthügel von Brisbane, ca. 8 km westlich der City. An klaren Tagen wie heute sieht man im Hintergrund der Skyline die Bucht mit Moreton und Stradbroke Island und die Berge im Hinterland der Goldküste. Cafe und Restaurant laden zum Verweilen ein, und wir lassen uns nicht zweimal bitten.

Nachdem wir eine Menge Fotos geschossen und uns etwas gestärkt haben, fahren wir zum Brisbane German Club, Vulture Street 416 um unsere Verstärkeranlage und die Instrumente abzuladen. Danach geht es weiter zum Mercure Hotel, North Quay 85-87. Wir erhalten die Zimmerschlüssel, bringen unser Gepäck aufs Zimmer und beschließen Mittagessen zu gehen. Obmann Paul und Hansi lassen sich vom Portier an der Rezeption aufklären, wo man australische Delikatessen, wie Känguruh oder Krokodil, oder aber auch nur normale Rinder-Steaks essen könnte. Darauf vertrauend, dass sie sich den Weg gemerkt haben, folgen wir den beiden und wandern die Adelaide-Street entlang bis zum Anzac Square, dann biegen wir in die Creek-Street ein. Eigentlich hätte das Restaurant schon lange wo auftauchen sollen – oder haben die beiden doch nicht so gut aufgepasst. Da wir schon knapp am Verhungern sind, wollen wir in einen chinesischen Selbstbedienungsladen gehen, dieser Gedanke findet aber leider nicht bei allen Gefallen, und Obmann Paul ist überzeugt davon, dass er das Steakhaus doch noch findet. Also geht es die Adelaide-Street wieder zurück, in die Edward Street und von dort in die Queen-Street-Mall, die Fußgängerzone. Spätestens hier glaubt auch Paul nicht mehr an Wunder. Schön langsam sind wir an dem Punkt angekommen, an dem das Was und Wo zweitrangig ist, Hauptsache es gibt Irgendwas. Wir versuchen also hier in der Fußgängerzone unser Glück, ein Lokal irgendwelcher Art zu finden und landen schließlich in einem kleinen Straßenrestaurant. Ich bestelle ein Prime Eye Filet und bekomme ein ganz außergewöhnlich schmackhaftes Stück Fleisch, sodass die Strapazen von vorhin gleich wieder vergessen sind. Es ist mittlerweile schon fast 16:00 Uhr und wir müssen ins Hotel zurück um uns umzuziehen. Am Nachhauseweg kommen wir auch gleich am Casino vorbei, dass sich ebenfalls in der Queen-Street befindet. Wir wissen also gleich was wir heute nach dem Konzert noch unternehmen werden.

Um 18:00 Uhr fahren wir ab zum Club des Deutschen Turnvereins in Brisbane. Unsere Kisten und Instrumente sind ja schon hier abgestellt und somit können wir gleich mit dem Aufbau beginnen. Als wir fertig sind und aus dem Tanzsaal in die Gaststube kommen, freuen wir uns Verena, Moni und Elke zu sehen, die die Abfahrt des Busses verpasst hatten und es sich nicht nehmen ließen uns mit dem Taxi zu folgen. Wir sind natürlich sehr stolz auf solche treuen Fans und laden sie sofort zu einer Runde Bacardi-Cola ein. Gisela hat in der Zwischenzeit entdeckt, dass es hier an der Bar auch originalen Jägermeister gibt. Schon schnappt sie mich am Arm und auch Karl Gonter der zufällig gerade vorbeikommt, wird ein Opfer ihrer Jägermeister-Leidenschaft. Somit kommen wir schon vor Beginn des Programms so richtig in Stimmung.

Um 20:00 Uhr beginnt das Konzert. Blacky der sonst nicht mehr viel zu tun hat, weil die CDs schon ausverkauft und von den MCs auch nicht mehr allzu viele da sind, besorgt Coca-Cola in Flaschen und mixt dieses hinter der Bühne, mit dem mitgebrachten Stroh-Rum (80 %) in beinahe lebensgefährlichen Dosierungen. Schon bevor wir zu spielen beginnen, kommt ein älterer Mann auf uns zu, meint wir wären etwas zu laut und bittet uns die Verstärkeranlage leiser zu stellen. Nachdem über die Anlage sowieso nur gesungen wird, bestätigen wir seiner Bitte Folge zu leisten und er ist zufrieden. Noch zufriedener ist er dann als wir ein paar Stücke gespielt haben, denn er ist einer der ersten, die aufstehen und unter Bravorufen applaudieren.

Kaum ist Pause und wir erscheinen wieder im Gastraum, ist auch schon Oberjägermeisterin Gisela zur Stelle und eine Runde folgt der anderen. In der Zwischenzeit hat sie eine ausgewanderte Kärntnerin kennengelernt die jetzt in Brisbane mit einem Ungarn verheiratet ist – ihr Name ist Gabi. Gabi lädt uns für den nächsten Tag zum Gulaschessen ein. Zur gleichen Zeit wird aber auch noch eine Einladung von Jeff, einem guten Freund von Sepp Schauer, ausgesprochen. Dieser möchte die gesamte Reisegruppe zu sich nach Hause zum Barbecue einladen. Diese Einladung kommt vor allem deshalb zustande weil Gerold Pravits einen Rundflug mit dem Doppeldecker von Jeff machen darf – als Passagier natürlich. Charly trifft hier auch auf Alexander "Sascha" Wolf, einen Bekannten, der ihn dazu einlädt, ihm morgen einige sehenswerte Sachen in und um Brisbane zu zeigen. Es scheint so als wäre dies die Nacht der Einladungen. In der nächsten Pause geht es ähnlich weiter, es kommen zwar keine neuen Einladungen mehr dazu, jedoch werden die bereits vorhandenen ziemlich intensiv begossen. Vor allem Gabi kommt mit dem Jägermeistertrinken immer mehr in Verzug. Die gute Laune an diesem Abend ist vollkommen, als die australischen Rugby-Spieler im WM-Halbfinalspiel gegen ihre Erzrivalen aus Neuseeland 22:10 gewinnen. Das Finale wird am 22.11.2003 stattfinden – Gegner wird entweder Frankreich oder England sein, das entscheidet sich beim morgigen zweiten Halbfinalspiel. Am Tag des Finalspiels werden wir in Mission-Beach sein, wir nehmen uns vor, dieses Spiel auf alle Fälle anzusehen. Um Mitternacht beenden wir das Konzert und räumen unsere Sachen in den Bus. Wir fahren zurück ins Hotel und laden unsere Kisten in den Abstellraum neben dem Lift. Unweit von unserem Hotel an der Ecke Ann-Street und George-Street gibt es eine gemütliche Bar, in diese drängen jetzt alle die die Rum- und Jägermeister-Orgie einigermaßen unbeschadet überstanden haben. Als sich nach einiger Zeit auch hier die Reihen zu lichten beginnen machen wir uns auf in die Queen-Street zum Casino. Wir schauen uns auch diese Spielhölle an, spielen aber nicht an den Automaten sondern beobachten das Geschehen von der Bar aus. Um 04:30 Uhr schlendern wir wieder zurück ins Hotel um uns für den nächsten Tag so richtig auszuschlafen. Als Jolly und ich ins Zimmer kommen, meinen wir unseren Ohren nicht trauen zu können. Aus dem Nachbarzimmer ertönen Schnarchgeräusche, so laut als wäre überhaupt keine Wand dazwischen. Ich werfe einen Blick auf die Zimmerliste. Unsere Nachbarn sind Blacky und Hannes. Meinte ich schon, Jolly ein zweites Mal bezüglich seines Balztermins überlistet zu haben, kommt es nun doch anders als man denkt - man soll sich eben nicht zu früh freuen. Irgendwann gelingt es aber doch einzuschlafen.

Sonntag, 16.11.2003

Vor dem Einschlafen habe ich klugerweise noch darauf geachtet das Handy auszuschalten, es ist daher schon 08:30 Uhr als ich aufwache. Beim Aufstehen schwankt das Zimmer noch ziemlich stark, nach einer Dusche geht es aber schon wieder etwas besser. Ich mache noch schnell meine Wäsche und wecke Jolly. Der scheint heute auch etwas mehr angeschlagen zu sein als sonst. Um 10:00 Uhr begeben wir uns in die Hotellobby wo schon einige von unsere Gruppe anwesend sind. Von denen die gestern beim Konzert dabei waren, schaut keiner so richtig gesund aus. Wendi und Gisi die vorhatten zu Gabi zum Gulaschessen zu fahren, müssen feststellen, dass dieser die Überdosis Jägermeister nicht sehr gut bekommen ist, und deshalb wegen Krankheit das Angebot zum Gulaschessen wieder zurückgezogen hat. Somit beschließen wir, dass alle der Einladung von Jeff zum Barbecue folgen werden. Einige haben aber trotzdem etwas anderes vor, so geht Florian mit Lisi, Verena, Moni und Elke zum Southbank Parkgelände um einen Badetag einzuschieben. Charly wurde wie schon erwähnt von Sascha Wolf eingeladen, und Obmann Paul und Roman wollen ihn begleiten. Hansi liegt noch immer – von einer Überdosis Rum niedergestreckt – im Bett, er hat es noch nicht geschafft dieses zu verlassen, und das sollte ihm auch nicht vor dem Abend gelingen.

Um 13:00 Uhr werden wir losfahren. Wir haben noch etwas Zeit und wollen uns in die Fußgängerzone begeben. Auf dem Weg dorthin klage ich etwas über ein flaues Gefühl im Magen, wofür Sepp sofort ein Allheilmittel parat hat – Eis, und zwar Speiseeis. Beim nächsten Eissalon an dem wir vorbeikommen, genehmigen wir uns dann eine Portion Eis – nicht nur ich, auch Sepp und die meisten anderen auch. Ich frage mich ob die jetzt auch alle den Rat von Sepp befolgen wollen, denn so richtig gut scheint es keinem zu gehen – oder ob sie nur einfach so Lust auf ein Eis haben. Wie auch immer, bei mir wirkt es – nach dem Eis fühle ich mich schon wieder besser. In der Fußgängerzone schauen und hören wir den Darbietungen einiger Aborigines zu, auch sonst gibt es noch einige Straßenmusiker die für ein paar Cents Ihr Können zum Besten geben. Auf den Sitzbänken hält man es auch nicht lange aus, unbarmherzig brennt einem die Sonne auf den Kopf – und die Sonne in Australien ist nicht wie anderswo auf der Welt, hier kann die Sonne weit mehr. Deshalb ziehen wir uns in ein gut klimatisiertes Café in einem der Einkaufshäuser zurück.

Als wir wieder ins Hotel kommen, ruft Sepp ein paar Taxis die unsere Barbecue-Truppe (ganze 24 Personen) transportieren sollen. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt in einen Villen-Vorort von Brisbane bin ich nicht überrascht, dass unser Taxi das teuerste von allen ist – obwohl alle den gleichen Weg zurückgelegt haben. Vor ihrem Anwesen "Guildhall Manor" werden wir von Jeff und seiner Frau herzlich begrüßt, und sehen uns in dem prächtigen Haus und dem angrenzenden Garten zuerst einmal um, bevor wir unsere Scheu ablegen und in die mit Eis gekühlten Boxen greifen, wo Bier, Wein und Sekt in rauen Mengen für uns vorbereitet ist. Jeff hat den Grill schon mit Fleisch belegt, es gibt Steaks und Würstchen. Nach einiger Zeit wird das Kommando zum Fleischabholen gegeben und wir bedienen uns an den reichlich vorhandenen Salaten, Saucen und sonstigen Beilagen. Ich möchte hier nicht undankbar und ungerecht erscheinen, aber wenn sich die Australier selbst für die besten Grillmeister der Welt halten, muss man doch einwerfen, dass sie wahrscheinlich auch den geringsten Gewürzeverbrauch haben. Die meisten Speisen sind ziemlich geschmacksneutral. Man kann nicht davon ausgehen, dass man Grillen kann wenn man ein Stück Fleisch auf offenem Feuer bis zur Unkenntlichkeit und Ungenießbarkeit verbrennt. Um aber Jeff in den Schutz zu nehmen, muss ich zugeben, dass das von ihm gegrillte Fleisch doch ganz gut, und in Verbindung mit den Saucen sogar als schmackhaft zu bezeichnen ist. Danach wird es für Gerold ernst, er wird abgeholt um mit dem Doppeldecker ein paar Runden zu drehen. Wir bleiben in der Villa und tun uns an den Inhalten der Eisboxen gütlich. Es dauert nicht lange und wir sehen einen roten Punkt am Himmel der schnell größer wird. Tatsächlich ist es das Flugzeug in dem Gerold sitzt, wir winken und hoffen, dass es nicht auf uns stürzen möge. Nachdem der Flug beendet und Gerold wieder zu uns zurückgekehrt ist, haben wir es immer noch nicht geschafft, die Eisboxen gänzlich zu leeren. Wir machen uns aber dennoch um 18:15 Uhr wieder zur Abfahrt bereit. Die Taxis werden gerufen und wir fahren zum Hotel zurück – wieder haben wir das teuerste Taxi erwischt, es gibt Fahrpreisunterschiede bis zu AUD 6,00. Ich denke nicht, dass der Fahrer auch das Gewicht seiner Passagiere mit einrechnet, denn dann wären wir (Bernd, Paul Mayrhofer, Jolly und ich) sicher besser ausgestiegen als andere. Um 19:00 Uhr kommen wir im Hotel an, dort bleiben wir natürlich nicht lange, wir schlagen gleich den Weg in unsere Bar an der Ecke ein. An einem Sonntag scheint hier nicht viel los zu sein. Wir sehen einen Film mit Arnold Schwarzenegger und amüsieren uns über seine Aussprache, dabei denken wir aber natürlich nicht daran, dass er, um Gouverneur von Kalifornien werden zu können, sicher ein paar Brocken Englisch mehr drauf hat, als wir selber. Aber was soll’s, wir waren uns einig. Nachdem wir am nächsten Morgen sehr zeitig aufstehen müssen, und die letzten Tage einiges an Substanz gekostet haben, machen wir uns bald wieder auf den Heimweg ins Hotel. Um 05:00 Uhr früh soll es schon den Weckruf geben, ich denke den brauche ich nicht, ich habe meinen sowieso schon immer um 04:30 Uhr.

Montag, 17.11.2003

Tatsächlich werde ich kurz nach 04:30 Uhr von Jolly aus dem Schlaf gegluckst. Diesmal nehme ich es ihm nicht übel und er bekommt auch den Polster nicht ins Gesicht, wir müssen ja ohnehin schon aufstehen. Ich gehe ins Bad, mache mich und meine Wäsche fertig, und als ich ins Zimmer zurückkomme ist auch Jolly bereits vom Telefon geweckt worden. Wir packen unsere Sachen zusammen, um unser Gepäck gleich zum Frühstück mitzunehmen. Um 05:45 Uhr soll das Frühstück bereits für uns fertig sein. Die Vorbereitungen dafür sind jedoch noch nicht ganz abgeschlossen, das Personal ist auf einen derart großen Ansturm in diesen frühen Morgenstunden nicht gefasst. Nach einigen Minuten ist es aber so weit und die morgendliche Schlemmerei kann beginnen.

Um 07:00 Uhr fahren wir auf dem Bruce-Highway 270 km nach Maryborough, verlassen dort die Schnellstraße um nach weiteren 35 km in Hervey Bay anzukommen. Hier werden wir mit der Fähre nach Fraser Island übersetzen um zwei Tage im Kingfischer Bay Resort zu verbringen. Angestellte des Resorts entladen unseren Bus und wir kennzeichnen unsere Koffer mit den von ihnen erhaltenen Papierstreifen, auf welchen schon die Zimmernummern im Resort eingetragen sind. Während die fleißigen Menschen unser Gepäck auf die Fähre bringen, erfrischen wir uns im Cafe am Pier. Kurz nach 12.00 Uhr legt die Fähre ab und kommt nach einer dreiviertelstündigen Fahrt auf Fraser Island an. Das gesamte Gepäck wird wieder entladen und im Resort auch gleich auf unsere Zimmer gebracht. Wir fahren von der Anlegestelle die ca. 500 m zum Hotel mit einem Shuttlebus. Im Hotel angekommen gibt es einen Begrüßungscocktail und eine Belehrung um uns einen Überblick über das Resortgelände zu vermitteln. Nachdem jeder seinen Zimmerschlüssel hat, machen wir uns auch gleich auf zur Sandbar – die gleich nach der Anlegestelle zu finden ist – um dort einen Happen zu essen. Der "Sandbar-Toast" erweist sich als geeignet meinen Hunger zu stillen ohne die Geschmacksnerven zu beleidigen. Satt und zufrieden kehren wir zum Hauptgebäude zurück um in der ansehnlichen Poolanlage ein wenig Abkühlung zu suchen. Vorher übergebe ich Gisela noch zwei T-Shirts und zwei Unterhosen zum Waschen, sie kann es sicher besser als ich.

Im Pool tummeln sich schon einige mehr oder weniger fleißig im Wasser, während andere die Weinkarte durchprobieren, und wieder andere beim Kartenspiel den einen oder anderen Cocktail genießen. Es ist wirklich wunderschön hier. Man ist hier mitten im australischen Dschungel, in einem Naturschutzgebiet, und doch muss man auf keine Annehmlichkeiten des modernen Lebens verzichten. Dass sich ab und zu eine Kakerlake oder eine Spinne in ein Hotelzimmer verirrt, das kann natürlich vorkommen – ich glaube aber nicht, dass die lieben Tierchen sich absichtlich in die Gefahr begeben, von einer Schuhsohle in das "ewige Outback" befördert zu werden. Besonders unser Kollege Charly Gonter erweist sich als einer der gewisse Ressentiments gegenüber Kleintieren hegt, seine Standardaussage: "Australien ist ein so wunderschön, warum muss es gerade hier diese Viecher geben!".

Ich persönlich hatte das letzte Mal keine Begegnung mit australischen Kriechtieren oder Insekten, jedenfalls nicht in Hotelzimmern, und auch jetzt war ich guter Dinge, dass vor Jolly’s Urlauten die gesamte Tierwelt auf Fraser Island Reißaus nehmen wird, die Dingos eingeschlossen.

Wir bleiben am Pool bis die Sonne untergeht, dann ziehen wir uns an und spazieren wieder zur Sandbar. Dort spielen wir einige Partien Billard. Hans Habersack und Helmut Fetter sind keine wirkliche Herausforderung für Jolly und mich – aber das Bier nehmen wir gerne und dankend an. Beim Tischfußball ist es ähnlich. Nach einiger Zeit werden wir sportmüde und setzen uns an einem Tisch gemütlich zusammen. Die Sandbar sperrt schon bald zu und wir gehen wieder zum Hauptgebäude zurück, wo es sich bereits Bernd, Charly, Roman und Paul Mayrhofer mit einigen Flaschen Wein im Whirlpool gemütlich gemacht haben. Wir beobachten noch eine Riesenkakerlake und ein Ungetüm von einer Spinne die am Rand des Pools spazieren gehen, und warten ab wer von den beiden wohl den anderen auffressen wird. Da sich nichts in dieser Richtung tut und wir heute auch nicht mehr baden gehen wollen, suchen wir unsere Zimmer auf und legen uns schlafen. Um 04:30 Uhr erklingt das übliche Hörspiel von Jolly.

Dienstag, 18.11.2003

Um 07:00 Uhr Wecken durch das Handy, heute sind wir so richtig ausgeschlafen – wir gehen frühstücken und um 08:45 Uhr treffen wir uns vor dem Souvenirladen um zur ganztägigen Eco-Tour zu starten. Da in den geländegängigen Bussen mit denen die Fahrt über die Insel durchgeführt wird, nur Platz für 40 Personen ist, müssen wir uns trennen. Sepp Schauer meint, dass außer ihm noch sechs weitere Leute in einem zweiten Bus mitfahren müssten. Da der Chauffeur und Tourguide in diesem Bus nur englisch spricht sollen es solche Personen sein, die des Englischen mächtig sind bzw. die Tour schon einmal mitgemacht haben. Obmann Paul bestimmt, dass er selbst, Walter, Hansi, Bernd, Paul Mayrhofer und ich diese sechs Personen sein sollen. Die anderen werden von dem deutschen Ranger Peter Mayer begrüßt, steigen in den Bus und fahren los. Ungefähr eine Viertelstunde danach kommt unser Bus, auch wir steigen ein, fahren aber nicht gleich Richtung Sanddünen sondern zur Anlegestelle der Fähre, wo wir noch auf Passagiere vom Festland warten, die ebenfalls eine Eco-Tour gebucht haben.

Fraser Island gehört zu den einmaligen Erlebnissen in Australien, die man gesehen haben muss. Außer einigen Felsformationen besteht die Insel gänzlich aus Sand. Sie ist 110 km lang und zwischen 7 und 23 km breit, und damit die größte Sandinsel der Welt. Die Sandhügel der Insel, die ca. 400.000 Jahre alt sind, sind bis zu 240 m hoch. Auf der Insel haben sich subtropischer Regenwald und Mangroven auf der Westseite sowie Heideland und offene Wälder auf der Ostseite erhalten. Gelegentlich kann man Buckelwale vor der Insel sehen. Dingos streifen durch die Wälder und kommen sogar bis an den Pool im Kingfisher Bay Resort. Es gibt über 40 Süßwasserseen auf Fraser Island, von denen einige deutlich über dem Meeresspiegel liegen. Große Teile von Fraser Island sind Naturschutzgebiet innerhalb des Great Sandy-Nationalpark. Seit 1992 ist die Insel in die World Herritage List aufgenommen. Bevor die Europäer die Insel eroberten, lebten dort mehrere tausend Ureinwohner.

Normalerweise sieht eine ganztägige Eco-Tour auf Fraser Island folgendermaßen aus, und unsere Gruppe im ersten Bus kommt auch in den Genuss dieses normalen Ablaufs: Die Tour beginnt bei den Wanderdünen, da es keine asphaltierten Straßen auf der ganzen Insel, außer im Bereich des Resorts gibt, wird man dabei ganz schön durchgeschüttelt – nicht selten wird man in die Luft geschleudert, und schlägt auch schon mal mit dem Kopf gegen die Decke des Busses – da ist es dann schon besser, eine gewisse, träge Masse um die Körpermitte sein Eigen zu nennen. Nach den Dünen geht es zum Eli Creek – einem Süßwasserbach der aus dem Inneren der Insel kommt, um dann 50 m vor dem Strand im Sand zu versickern. Man kann dem Lauf des Eli Creek eine Strecke lang, auf Holzstegen aufwärts folgen, um sich dann im Wasser, gemächlich von der Strömung wieder Richtung Strand treiben zu lassen. Danach geht es weiter zum Schiffswrack der Maheno – einem tasmanischen Schiff, welches 1935 durch einen Zyklon an den Strand geworfen wurde und nun dort vor sich hinrostet. Das Wrack soll der australischen Kriegsmarine auch als Zielobjekt für Schießübungen gedient haben, es wurde aber nie getroffen. Nach den Coloured Sands (einer Formation aus verschiedenfärbigem Sand – man kann bis zu 27 verschiedene Farben unterscheiden), wo man auch die Möglichkeit hat mit einem Kleinflugzeug einen Rundflug über die Insel zu machen, folgt ein Mittagessen und dann geht es weiter mit einer Wanderung durch den Regenwald. Den Abschluss und die Krönung des Tages bildet dann ein Bad im Lake McKenzie – es ist dies ein Süßwassersee mit kristallklarem Wasser und dem weißesten Sandstrand den man sich vorstellen kann, der See liegt wie ein Teller auf der Insel und wird nur durch Regenwasser gespeist. Das Versickern des Wassers im Sand wird durch eine wasserundurchlässige Schicht, Coffee-Stone (ein Conglomerat aus Sandstein und organischem Material, wie Blätter, Gras und Baumrinde) genannt, verhindert. Soweit also der Normalablauf.

Wir, die zweite Garnitur sozusagen, warten nun auf die Fähre und beginnen dann endlich mit einer Stunde Verspätung mit unserer Tour. Aus Zeitgründen verzichtet unser Fahrer auf die Besichtigung der Dünen, wir fahren gleich den hohlen, engen Sandweg bis zum Strand. Den Bus bis zur äußersten Belastungsgrenze über die Buckelpiste zu jagen, scheint oberstes Prinzip zu sein. An einer etwas steileren Strecke bleiben wir im tiefen Sand plötzlich stecken. Es tauchen Vermutungen auf, dass diese Einlage Teil des Programms sein könnte – wir wissen es nicht genau. Unterwegs sehen wir auch einen halbverhungerten Dingo neben der Straße im Wald stehen. Manche wollen sogar ein Seil an seinem Hals gesehen haben, mit dem man ihn an einen Baum angebunden hat – ich kann aber versichern, dass es sich dabei um ein Märchen handelt. Wir kommen also an den Strand und fahren diesen entlang zum Eli-Creek. Dort sehen wir gerade noch den Bus unserer Freunde von der A-Garnitur abfahren. Wir verlassen unser Fahrzeug ziehen uns bis auf die Badehose aus und lassen uns ins kühle (oder eher kalte) Nass des Baches sinken. Nachdem die vorgegebene Zeit für unseren Aufenthalt vergangen ist, begeben wir uns wieder zurück zum Bus. Hier erfahren wir, dass es Probleme mit der Kühlung und mit dem Getriebe gibt – kein Wunder bei der Fahrweise. Unser Mechaniker Walter sieht sich die Sache genauer an, aber mehr als einen ölverschmierten Rücken kann auch er nicht zum Thema beitragen. Wir werden wohl oder übel auf einen Ersatzbus warten müssen. Mit Softdrinks und Kuchen soll uns die Wartezeit versüßt werden. Der Fahrer – ein Eingeborener übrigens – sitzt hinter seinem Lenkrad und bläst auf seinem Didgeridoo, und wir nehmen die Gelegenheit war um noch einmal den Eli-Creek herunterzufloaten. Es vergeht über eine Stunde bis ein Ersatzbus eintrifft. Es ist nun gerade Mittag, wir lassen das Schiffs-Wrack und die Coloured Sands aus und fahren gleich direkt zur Central Station um zu Mittag zu essen. Es gibt kaltes Buffet, bestehend aus Hühnerfleisch, diversen Nudelgerichten und Salaten. Eine warme Suppe ist auch dabei. Da mir schon beim Anblick von kalten Nudeln die Gänsehaut über den ganzen Körper läuft, und kaltes Hühnerfleisch auch nicht gerade meine Leibspeise ist, nehme ich Vorlieb mit der Suppe – es könnte Kohlsuppe sein, oder auch Erdäpfelsuppe, vielleicht auch beides oder aber auch keines von beiden, ich kann es nicht definieren. Nach dem Essen starten wir zum Marsch durch den Regenwald, der ca. eine Dreiviertelstunde dauert. Man schlendert über den sandigen Waldboden unter riesigen Bäumen entlang eines kleinen Baches, um dann gegen Ende der Wanderung eine Anhöhe über eine Unzahl von natürlichen Stufen zu überwinden. Oben angekommen wartet schon wieder der Bus und es geht weiter zum Lake-McKenzie. Dieser See ist wahrlich einer der eindrucksvollsten Plätze in Australien, auf jeden Fall von denen die wir bis jetzt gesehen haben. Das Wasser ist klar bis auf den Grund, der Strand ist weiß wie Salz, und der ihn säumende Wald fasst das Ganze zu einem in sich geschlossenen, idyllischen Paradies.

Als wir von der B-Garnitur dort ankommen, ist die A-Garnitur gerade dabei aufzubrechen. Wir haben noch gerade 20 min Zeit um ein Bad zu nehmen und dann müssen wir auch schon wieder los, unsere Mitfahrer vom Festland müssen vor 17:00 Uhr bei der Fähre abgesetzt werden. Als ob nicht schon genug schief gegangen wäre an diesem Tag, kollidieren wir auch noch, an der letzten Kurve vor dem Souvenirgeschäft, mit einem entgegenkommenden Kleintransporter. Auf dieser Insel scheint es einen überdurchschnittlich hohen Fahrzeugverschleiß zu geben.

Zurück im Hauptgebäude des Resorts, springen wir noch schnell in den Pool danach hole ich meine T-Shirts und Unterhosen ab. Es ist allerhöchste Zeit, Wendi hat schon ein Auge auf meine Snoopy-Boxershorts geworfen – solche hätte er auch gerne. Dann machen wir uns fertig für unser Konzert. Sepp hat mit dem Resort-Manager vereinbart, dass wir hier für eine Stunde im Foyer aufspielen, dafür gibt es dann einen Imbiss und Getränke gratis. Wir bauen also auf, diesmal ohne Orgel und Verstärkeranlage, und beginnen um 19:30 Uhr mit unseren Darbietungen. Vom Publikum her wird es ein Privatkonzert für unsere mitgereiste Fangruppe, die sich das aber auch wirklich einmal verdient hat. Um 20:30 Uhr ist Schluss mit der Musik und wir gehen zum gemütlichen Teil des Abends über. Nach einigen Getränken an der Bar beschließen wir die Dingobar aufzusuchen – ein zum Resort gehörendes Lokal das etwas außerhalb liegt und über eine kleine Anhöhe zu erreichen ist. Diejenigen die tags zuvor die Strecke zu Fuß dorthin zurückgelegt hatten, raten uns ab dasselbe zu versuchen, also nehmen wir den Shuttlebus. Wir sind eine größere Gruppe und füllen den Bus bis zum letzten Platz. Jolly weigert sich heute mitzukommen, er möchte lieber an der Hotelbar bleiben – vielleicht befürchtet er, woanders nichts mehr zu trinken zu bekommen.

In der Dingobar ist gute Stimmung und Getränke sind ausreichend vorhanden. Die Menge an bestelltem Bier ist nach einiger Zeit schon fast nicht mehr zu kontrollieren, wahrscheinlich muss auch deswegen der gute Gerstensaft zur Fußwäsche herhalten – so gesehen bei Jürgen Ochs. Ob dies nun dazu dient den Geruch in Grenzen zu halten, oder ob es als prophylaktisches Mittel gegen den sich im feucht-warmen Klima schnell ausbreitenden Fußpilz hilft – ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen.

Zu später Stunde ist auch auf der Tanzfläche einiges los. Selbst unser Kollege Helmut Fetter bewegt sich rhythmisch zuckend zur Musik – eine hübsche Blondine scheint ihm aufgefallen zu sein. Die junge Dame ist bekleidet mit Jeans und einem Bikinioberteil, und sie scheint mit großem Anteil schuld an Helmuts plötzlicher Testosteron-Überproduktion zu sein. Er bewegt sich mit ekstatischen Zuckungen immer weiter in ihre Richtung, und in dem Moment als sie ihm den Rücken zukehrt öffnet er ihr Bikinioberteil. Es kommt für uns alle überraschend, als sie sich schwungvoll umdreht, und ihm mit der flachen Hand mitten ins Gesicht schlägt – er selbst aber hat diesen schmerzhaften Ausgang seines armseligen Annäherungsversuches wohl am wenigsten erwartet. Für einen Moment steht er verdutzt da um schon einen Augenblick später hinter der Toilettentür zu verschwinden. Irgendwann in der Früh, es ist wohl schon 04:00 Uhr, ist Sperrstunde in der Dingobar. Wir fahren mit dem letzten Shuttle zum Hotel zurück und beschließen noch ein Entspannungsbad im warmen Whirlpool zu nehmen. Da Jolly schon schläft als ich ins Zimmer komme, hoffe ich innigst, dass er auch seine Balzzeremonie schon hinter sich gebracht hat, die Uhrzeit könnte passen. Tatsächlich schlafe ich ohne Unterbrechung.

Mittwoch, 19.11.2003

Es fällt etwas schwer aufzustehen, die Nacht in der Dingobar fordert ihren Tribut. Um 09:00 Uhr erhebe ich mich, auch Jolly scheint etwas angeschlagen zu sein. Wir duschen, packen unsere Koffer, stellen sie vor die Zimmertür und gehen zum Frühstück. Um 10:30 Uhr geht die Fähre nach Hervey Bay wo wir um 11:15 Uhr ankommen. Da unser Flug nach Townsville heute Abend erst um 19:05 Uhr geht, fragt mich Sepp wie wir unsere Fahrt zum Flughafen in Brisbane gestalten sollen. Er würde uns gerne Noosa Heads zeigen, einen Ort an der Sunshine Coast, in dem sich auch unser Tennisstar Thomas Muster für einige Zeit niedergelassen hatte, und dann würde er uns noch zur "Big Pineapple", einer übergroßen Ananas-Figur mit dazugehörender Ananas-Plantage, führen wollen. Ich meine, dass die Ananas-Farm reicht, schließlich brauchen wir auch etwas Zeit für ein Mittagessen. Möglicherweise ist der Lärm im Bus schuld daran dass er mich nicht so richtig versteht, denn wir verlassen dann doch den Bruce Highway und fahren nach Noosa Heads rein. Wir halten und machen eine kurze Rauchpause. Essen gehen wir hier nicht, da Sepp bereits im Big Pineapple angerufen hat, dass wir auf dem Weg dorthin sind, damit sie sich küchentechnisch auf die Größe unserer Gruppe einstellen können. Da einige unter uns schon ziemlich am Verhungern sind, fahren wir schnell weiter den schönen Strand der Sunshine Coast entlang, erreichen bei Nambour wieder den Bruce Highway und halten dann in Woombye bei der Ananas-Plantage. Kaum sind die letzten aus dem Bus ausgestiegen, kommen die ersten auch schon wieder ziemlich aufgeregt zurückgelaufen. Anscheinend hatte die telefonische Vorankündigung unseres Kommens keinen Einfluss auf die Beflissenheit des Küchenpersonals, es gibt nämlich nur kalte Speisen und Snacks. Einigen wäre auch diese Form der Ernährung willkommen gewesen, andere wieder wollen partout Suppe, Vorspeise, Hauptspeise und Dessert – ich halte mich aus der Diskussion raus. Wir fahren weiter den Highway Richtung Brisbane entlang, bis wir um 16:00 Uhr zwischen Landsborough und Beerburrum an einer Tankstelle halten. Hier gibt es ein kleines Selbstbedienungs-Fischrestaurant und einen Obstladen. Es dauert einige Zeit, bis jeder der einen Fisch bestellt hat auch einen bekommt – ich persönlich glaube schon gar nicht mehr daran, dass meine Bestellung auch ernst genommen wurde. Kurz nach 17:00 Uhr geht es weiter zum Flughafen wo wir um 18:05 Uhr eintreffen. Der Checkin für die Reisegruppe ist schnell abgewickelt, anders ergeht es uns wieder mit unseren Big-Silver. Zwei davon sind zu schwer. Wie Michael Manak vom Reisebüro versprochen hatte, wissen die Angestellten an den Schaltern zwar Bescheid, dass wir mit großem Übergepäck unterwegs sind, und das Personal der Fluglinie QANTAS hat auch nichts dagegen die Kisten anzunehmen, allein die Arbeiter der Flughafengesellschaft, die die Flugzeuge zu beladen haben, weigern sich die beiden schweren Kisten zu heben. Ich telefoniere wieder mit Manak und er verspricht mir in der QANTAS-Zentrale zu intervenieren und mich umgehend über weitere Vorgehensweisen zu informieren. Da kein Rückruf kommt, vereinbaren wir mit dem Supervisor am Checkin-Schalter, die Kisten zum Terminal von Australian-Air-Freight zu bringen um sie als Fracht aufzugeben. Es ist 18:45 Uhr, wir haben also genau 20 Minuten Zeit, ein Taxi zu organisieren, die Kisten einzuladen, zum Fracht-Terminal zu fahren, auszuladen, die Kisten aufzugeben, zurückzufahren und das Flugzeug zu besteigen. Der Supervisor ruft in der Zwischenzeit seine Kollegen im Fracht-Terminal an, um zu bestätigen, dass das Übergepäck bereits im Voraus bezahlt wurde. Er erklärt uns, dass man uns schon erwartet. Die Suche nach einem Taxi erweist sich auch als Schwierigkeit, Hunderte Menschen stehen in Schlagen und warten auf Taxis, die ihnen vom eigens dafür vorgesehenen Personal zugewiesen werden. Einer dieser hilfreichen Herren beordert Sepp und mich zu einem seiner Kollegen weiter, der uns dann gleich wieder zum ihm zurückschicken will. Wir bestehen aber darauf, dass er uns sofort ein Maxi-Taxi ruft und haben auch Erfolg damit. Ich laufe zurück um ein paar Träger für die Kisten zu organisieren. Roman, Charly, Bernd und ich fahren dann gemeinsam mit Sepp zum einige Kilometer entfernten Fracht-Terminal. Dort angekommen erweist sich der Taxilenker als sehr hilfreich, indem er versucht die große Kiste allein aus dem Taxi zu heben. Den hätte man bei der Flughafengesellschaft einstellen sollen, dann wären uns diese Probleme erspart geblieben. Die Angestellten von Australian-Air-Freight begutachten unsere Kisten und bringen sie in das Gebäude. Am Schalter sitzt ein besonders eifrig wirkender Bürohengst, Sepp spricht mit ihm und der zeigt sich sofort von seiner entgegenkommenden Seite. Nur AUD 484,00 würde er uns verrechnen. Jetzt bin ich aber auch schon etwas böse, und weigere mich auch nur einen Cent für den Transport dieser Kisten auszugeben. Es ist 19:00 Uhr in 5 min startet unser Flugzeug. Der freundliche Angestellte beginnt zu telefonieren, anscheinend erreicht er aber niemanden, denn außer den Hörer ans Ohr zu halten, macht er sonst gar nichts. Hin und wieder schaut er auf die Uhr – wir auch. Es ist 19:06 Uhr, vor einer Minute war Abflugzeit – wir machen uns keine Hoffnung mehr heute noch nach Townsville zu kommen, und nehmen uns vor statt dessen mit Sepp durch die Bars von Brisbane zu ziehen. Das Spiel geht weiter, der Angestellte beharrt darauf, dass wir bezahlen müssen – ich weigere mich. Um 19:20 Uhr kommt einer seiner Kollegen hinzu sagt uns, dass wir zur Abflughalle zurückfahren können, das Flugzeug würde noch auf uns warten. Ohne zu zahlen und stolz einen Sieg errungen zu haben, steigen wir ins Taxi und fahren los. Die Taxigebühr von 23,00 AUD zahle ich diesmal gerne. Wir beeilen uns zum Flugzeug zu kommen, doch schon bei der Sicherheitskontrolle werden wir wieder gestoppt. Als Sepp nämlich durch den Metalldetektor marschiert schlägt dieser Alarm. Er muss Schuhe und Hemd ausziehen, und wird genau durchsucht. Es bleibt keine Zeit mehr um sich anzuziehen, deshalb läuft Sepp in Socken und mit offenem Hemd weiter. Wie könnte es anders sein; wenn man schon zu spät ist, muss man auch noch zu dem am weitest entfernten Gate laufen. Je näher wir kommen, desto mehr Angestellte winken uns schon heftig gestikulierend weiter – anscheinend ist der ganze Flughafen von unserer Verspätung unterrichtet. Die Stewardess bei der Bordkartenkontrolle ist auch schon ganz nervös und wohl auch etwas ärgerlich. Möglicherweise kommt sie jetzt zu spät zu ihrem Rendezvous in Townsville. Um 19:32 Uhr betreten wir die BOEING 737 für den Flug QF946 nach Townsville, wir werden mit Applaus von den wartenden Passagieren begrüßt. Sepp erzählt uns dann, dass einmal ein Flugzeug in Australien 8 min auf einen der Myers-Brüder (Eigentümer diverser Einkaufszentren) warten musste, weil sich dieser verspätet hatte, der Vorfall war am nächsten Tag in allen Zeitungen Australiens zu lesen. Nach dieser Geschichte sind wir uns sicher, dass wir für unsere 27 min sogar ins Fernsehen kommen werden.

Das Interessante an der Angelegenheit ist, dass unsere Kisten im selben Moment als wir an Bord gehen, von den Angestellten der Australian-Air-Freight zum Flugzeug gebracht und verladen werden. Irgendwie ist die Sache für mich nicht ganz nachvollziehbar.

Die Flugbegleiterinnen teilen Getränke aus und erklären, dass das Bier auf diesem Flug nichts kostet. Grund für diese Maßnahme sei die Verspätung, mit dem Freibier möchte man die Passagiere bei Laune halten. Der Tag ist gerettet, keine Fracht bezahlt, dafür wird man auch noch mit Freibier belohnt – ich bin wirklich zufrieden.

Der Pilot hat wahrscheinlich alle Geschwindigkeitsbeschränkungen außer Acht gelassen und legt die Strecke von 1.114 km für die normalerweise 1 h 50 min benötigt wird, in 1 h 35 min zurück – um 21:10 Uhr landen wir auf dem Flughafen in Townsville. Der Bus steht auch schon bereit vor dem Flughafengebäude, wir beladen ihn und fahren ca. 20 min zu unserem Hotel, dem Holiday Inn in der Flinders Mall 334. Das Hotel wird auch der Zuckerstreuer genannt, wenn man es sieht, weiß man auch sofort wieso. Sepp erklärt uns auf dem Weg zum Hotel, dass hier weiter heroben in Queensland mehr Aborigines leben und auch vermehrt in den Städten zu finden sind – zum Großteil als alkoholabhängige Bettler. Es sei für weibliche Touristen nicht ratsam sich nachts ohne Begleitung auf die Straße zu wagen – auch wenn der Großteil von den Eingeborenen sicher harmlos ist. Beim Hotel angekommen bemerken wir tatsächlich gleich eine größere Gruppe von Aborigines die auf den Bänken in der Fußgängerzone herumlungert. Im Hotel selbst werden wir mit einem Begrüßungscocktail willkommen geheißen, die Zimmerschlüssel sind schnell vergeben und das Gepäck aufs Zimmer gebracht. Wir kehren an die Bar zurück, lassen den doch etwas aufregenden Tag Revue passieren und nehmen ein paar Drinks zu uns. Wir fangen mit Bier an und hören mit Whisky & Coke bzw. Bundy & Coke auf. Einzig, dass die Bar zur raucherfreien Zone erklärt ist, stößt einigen unverbesserlichen Nikotin-Junkies sauer auf. Mir ist es egal, ich gebe zu, dass ich auch hin und wieder rauche – aber nur auf dem Fußballplatz, und wenn ich Alkohol getrunken habe. OK, ich gebe zu, wenn ich getrunken habe rauche ich sogar sehr viel – aber dafür trinke ich ja auch selten. Der Tag hat uns etwas müde gemacht, daher gehen Jolly und ich knapp nach 24:00 Uhr ins Bett. Ich schlafe durch und kann daher auch nicht sagen ob Jolly in dieser Nacht Geräusche von sich gegeben hat.

Donnerstag, 20.11.2003

Aufstehen um 07:00 Uhr, Duschen, anziehen, Wäsche waschen (das Haarshampoo duftet hier besonders gut), und um 08:00 Uhr sitzen wir schon am Frühstückstisch. Danach besorgen wir uns einen Stadtplan von Townsville an der Rezeption.

Townsville liegt im Nordosten von Queensland an der Mündung des Ross Creek in die Cleveland Bay. In der Stadt werden Nahrungsmittel und Baustoffe hergestellt und außerdem wird Kupfer verarbeitet. Auch der Fremdenverkehr ist von wirtschaftlicher Bedeutung für Townsville. Touristenattraktion ist Magnetic Island, eine Insel vor der Stadt in der Cleveland Bay. Sie ist zum Teil als Nationalpark ausgewiesen. In der Stadt befindet sich die James Cook University of North Queensland (1970) und Stützpunkte von Heer und Luftwaffe. Sie wurde 1864 als Handelsstation am Pazifik gegründet. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 130.000.

Der Großteil unserer Reisegruppe wird heute mit der Fähre nach Magnetic Island fahren. Ihren Namen hat die Insel – wie könnte es anders sein – James Cook zu verdanken. Der bemerkte 1770 beim Vorbeisegeln, dass sein Kompass durchdrehte, und vermutete den Grund dafür im Magnetismus der Insel. In Wirklichkeit besteht die Insel aber zum Großteil aus Granit.

Um 10:20 Uhr geht unsere Fähre, einige sind auch schon mit einer früheren um 08:55 Uhr gefahren. Um zur Anlegestelle zu gelangen müssen wir (Roman, Bernd, Paul Mayrhofer, Florian, Lisi, Verena, Moni, Elke, Jolly und ich) nur das Hotel nach rechts verlassen, über die Ampel von der Flinders Mall in die Flinders Street und nach ca. 200 m findet sich auf der rechten Seite am Ufer des Ross Creek der Magnetic Island Ferry Terminal. Die Fahrt dauert ca. eine halbe Stunde. Auf der Insel angekommen müssen wir uns entscheiden, wohin wir wollen. Wir beschließen mit dem Bus auf die andere Seite der Insel zur Horseshoe Bay zu fahren. Wir kaufen also ein Ticket um AUD 3,00 und fahren los. Dort angekommen treffen wir auch schon wieder auf einige aus unserer Gruppe. Ein Teil sitzt im Vorgarten eines Lokals, andere haben es sich am Strand gemütlich gemacht. Uns zieht es auch Richtung Strand, dafür müssen wir nur die Straße und die daran anschließende Grünfläche überqueren. Schon stehen wir im grobkörnigen hellbraunen Sand. Im Wasser erkennen wir eine Netzabsperrung die dem Schutz der Schwimmer vor den Quallen dienen soll.

Es ist gerade Hauptsaison für Quallen in diesem Gebiet. Es gibt hier nämlich eine Qualle die besonders gefährlich ist, die Irukandji-Qualle. Das 25 mm große Tier wurde nach einem Stamm australischer Ureinwohner benannt, an dessen Küste in Palm Cove, 20 km nördlich von Cairns, der Arzt Hugo Flecker 1952 den Winzling entdeckte. Erst 1966 jedoch wies sein Kollege Jack Barnes in einem dramatischen Selbstversuch an sich und seinen beiden Kindern nach, dass dieses Wesen Ursache des "Irukandji-Syndroms" ist, das sich durch Krämpfe, Übelkeit, Herzrhythmusstörungen und Herzversagen kennzeichnet. Die Miniqualle gehört zu der Gattung der Würfelquallen (Box-Jellyfish), von denen es 15 bekannte Spezies in australischen Gewässern und weltweit 24 gibt. Wie alle Quallen besteht auch die Irukandji zu 95 % aus Wasser und hat weder Herz noch Hirn. Von jeder Ecke des quadratischen Körpers hängt eine mit Giftzellen besetzte, fünf bis 50 cm lange Tentakel herab, mit denen die Qualle ihre Beute fängt.

Insbesondere zur touristischen Hochsaison im tropischen Queensland zwischen November und Mai sucht das Schwabbeltierchen die Strände zwischen Cairns und Townsville heim. Der kleine Killer ist verwandt mit der giftigsten aller Quallen, der Chironex fleckeri, auch Seewespe genannt, - sie ist von Queensland bis Westaustralien beheimatet und gilt als eines der tödlichsten Tiere der Welt. Während das Gift von Schlangen oder Spinnen Muskeln und Nerven lähmen kann, wirkt das Toxin der Würfelqualle auf das Herz seiner Opfer. Die "Mordende Hand", so die deutsche Übersetzung des wissenschaftlichen Namens, besteht aus einem etwa 30 cm großen, quadratischen Körper, von dessen vier Ecken je 15 bis zu zwei Meter lange Tentakeln herabhängen. Das Gift einer ausgewachsenen Seewespe würde ausreichen um 250 Menschen zu töten. Auch die portugiesische Galeere, eine weitere Giftqualle, ist hier vereinzelt vertreten – diese tötet Ihre Beute mit einem Nervengift, das nur unwesentlich schwächer wirkt als das Gift der Kobra.

Leider sind nun aber die meisten Quallenschutznetze so weitmaschig, dass die kleinen Irukandji-Quallen nicht davon zurückgehalten werden können. Abhilfe schafft da nur ein Trick den australische Rettungsschwimmer gelegentlich anwenden. Sie stülpen sich Nylonstrumpfhosen über Arme und Beine.

Da uns obige Informationen bei unserem Ausflug leider noch nicht vorliegen und wir der Meinung sind, dass es unwesentlich gefährlicher ist im nicht geschützten Gebiet baden zu gehen, tun wir das dann auch – wenn auch nur bis Hüfthöhe, obschon man dieses Maß nicht als geeichte Einheit betrachten darf.

Gegen Mittag verlassen wir den Strand mit teilweise schon schmerzhaften Hautrötungen. Besonders mein Skalp hat wieder sehr unter dem Ozonloch leiden müssen. Wir setzen uns ins nächste Lokal und bestellen etwas zu essen. Ich nehme Mini-Frühlingsrollen mit süßer Chili-Sauce und Garnelen mit Knoblauch – ich bin wirklich zufrieden mit meiner Wahl. Aufgrund unserer Hautreizungen verzichten wir darauf an den Strand zurückzukehren, sondern setzen uns an ein geöffnetes Fenster und lassen uns außen vom Wind und innen vom Bier kühlen. Um 15:15 Uhr steigen wir dann in den Bus ein, der uns zur Anlegestelle der Fähre zurückbringt. Dort warten wir bis 16:30 Uhr auf die Abfahrt.

Als wir um 17:00 Uhr im Hotel ankommen haben wir nicht mehr viel Zeit, denn um 17:30 Uhr ist schon Abfahrt zum Konzert. Bevor wir losfahren geben Wendi und Obmann Paul noch schnell ein telefonisches Interview für Radio Burgenland, das dann aber, wie wir zu Hause erfahren mussten, doch nicht auf Sendung geht.

Im German-Australian Club, in Hermit Park werden wir herzlich empfangen. Es werden sofort an jeden Musikanten Gutscheine ausgegeben, einen fürs Essen und zwei für Getränke. Wir sind erfreut, dass auch hier genauso wie auch schon im Club in Brisbane, für unsere Begleiter und Fans kein Eintritt verrechnet wird. Der Clubraum ist zum Bersten gefüllt mit Besuchern, auch draußen unter dem Vorbau sind alle Plätze besetzt – hier sitzen auch unsere Begleiter. Zwischen draußen und drinnen herrscht ca. 15° C Temperaturunterschied. Besonders auf der Bühne ist es unangenehm kalt. Da das Klimagerät direkt über unseren Köpfen angebracht ist, meinen wir im Kühlschrank zu sitzen. Hans Habersack, dem normalerweise beim Musizieren der Schweiß vom Angesicht rinnt, bittet um einen Wintermantel. In den Pausen gehen wir nach draußen um uns aufzuwärmen.

Das Publikum ist sehr angetan von unserer Musik. Man macht uns auch gleich das Angebot im nächsten Jahr wiederzukommen und drei Tage auf dem Oktoberfest vor 7.000 Leuten zu spielen - ein reizvoller Gedanke.

Hier treffen wir eine Vielzahl von österreichischen Auswanderern, die zum Großteil eines gemeinsam haben – sie haben kein Heimweh, im Gegensatz zu denen die in südlicheren Regionen Australiens leben. Es muss wohl am Klima liegen, dass diesen Menschen die Heimat nicht fehlt – obwohl, an die Hitze muss man sich auch erst gewöhnen.

Um 23:00 Uhr beenden wir unser Konzert, packen zusammen und fahren ins Hotel zurück. Wir wollen noch nicht gleich schlafen gehen, die Bar hat aber schon geschlossen. Also machen wir uns auf den Weg ein Lokal zu suchen, welches uns noch Einlass gewährt. Es ist ziemlich schwül, und schon nach ca. 500 m an der Ampel Kreuzung Denham Street und Flinders Street beginnt es zu regnen. Sepp Schauer meint es wäre wahrscheinlich sowieso kein Lokal mehr offen, also kehren wir um und gehen ins Lokal zurück. Sepp sollte sich getäuscht haben, die Weidener Gruppe um Luis und Erich ist doch noch fündig geworden, und das ziemlich intensiv, wie man tags darauf erfährt. Uns schadet es aber sicher nicht einmal früher ins Bett zu kommen, man wird ja doch ab und zu vom Zimmerkollegen aus dem Schlaf gerissen.

Freitag, 21.11.2003

Um 06:00 Uhr kann ich schon nicht mehr schlafen, und gehe auf den Balkon. Es ist drückend schwül und es tröpfelt leicht vom Himmel. Heute fahren wir zu unserem vorletzten Reiseziel, nach Mission Beach. Ich dusche und packe meinen Koffer zusammen. Jolly macht das gleiche und um 07:00 Uhr stellen wir unsere Koffer vor die Zimmertür, und gehen frühstücken. Die Koffer werden vom Hotelpersonal abgeholt und in den Bus verfrachtet. Unser neuer Buschauffeur verblüfft uns mit seiner Koffer-Verstautechnik. Der Bus ist um nichts größer als die bisherigen, trotzdem bleibt noch genügend Platz im Kofferraum übrig. Wir können nicht glauben, dass schon alles eingeräumt ist und sehen uns noch einmal gründlich um ob wir nicht doch etwas vergessen haben. Meine Theorie: in Queensland ist es für Busse nicht immer und überall erlaubt, mit Anhängern durch die Gegend zu fahren. Hier wird aus der Not eine Tugend gemacht und die Buschauffeure lernen das richtige, platzsparende Packen und können somit auf die Anhänger getrost verzichten.

Um 09:00 Uhr geht die Fahrt los nach Mission Beach. Wir fahren auf dem Bruce Highway Richtung Norden, entlang riesiger Zuckerrohrfelder. Das Zuckerrohr ist das wichtigste Agrarprodukt in Queensland und stellt 95 % der australischen Rohzuckerexporte dar, die dem Umfang nach die zweitgrößten der Welt sind.

Nach ungefähr 65 km halten wir an einer Raststation in Mutarne namens "Frosty Mango". Hier gibt es köstliches Mangoeis, das auch tatsächlich nach Mano schmeckt. Anbei gibt es eine Schauplantage, wo alle möglichen und unmöglichen Früchte wachsen, und zum besseren Kennenlernen auch noch mit Namensschildern versehen sind. Ich muss gestehen, von den meisten der sich hier befindlichen Pflanzen und Früchte habe ich in meinem Leben noch nichts gehört, geschweige denn gesehen oder gar gekostet. Nach diesem Stop geht es ohne weiteren Aufenthalt weiter bis zum Mission-Beach-Resort, an der Wongaling Beach Road wo wir um 13:00 Uhr ankommen. Der erste Eindruck ist nicht gerade atemberaubend – aber wie heißt es so schön, man soll sich nie täuschen. Wir steigen aus dem Bus, die Sonne steht senkrecht über uns, man wirft kaum einen Schatten und es ist brütend heiß. Zwei Männer in zerlumpten T-Shirts – auf Kleidung lebt man in dieser Gegend keinen großen Wert – kommen aus Richtung Rezeptionsgebäude und helfen uns die Koffer aus dem Bus zu laden, ein dritter kommt mit einem Pickup dazu. Sepp teilt Aufkleber mit Namen und Zimmernummern aus, die jeder auf seine Gepäckstücke kleben soll, damit die Koffer zu den richtigen Zimmern gebracht werden können.

Da wir schon ziemlich hungrig sind, bittet Sepp den Buschauffeur, alle jene die es wollen, nach North Mission Beach zu bringen, wo es eine Reihe kleiner Restaurants gibt. Dieses Angebot nimmt der Großteil unserer Gruppe an und wir fahren also noch ca. 10 km bis wir in North Mission Beach angekommen sind. Dort suchen wir nicht lange sondern entdecken ziemlich schnell einen Chinesen der sich mit einem Seafood-Restaurant denselben Gastgarten teilt. Einige nehmen Fisch ich bleibe bei chinesisch. Man bestellt an der Theke, das Getränk nimmt man gleich selber mit und das Essen wird dann serviert. Ich wähle diesmal Frühlingsrollen und Mongolisches Lamm mit Knoblauch – es schmeckt vorzüglich. Nach dem Essen schlendern wir Richtung Strand – es ist nicht weit, und wir sind begeistert von diesem Anblick, unendlich weiter Sandstrand und kein Mensch mit dem man ihn teilen müsste. Man könnte diese Leere zwar auf die Quallenplage zurückführen, aber auch überall sonst in Australien sind die Strände meist so leer, dass man sich fast einsam fühlen könnte. Es liegt hier ein Übermaß an Strandverschwendung vor, die wenigen Einwohner dieses riesigen Landes können dieses Angebot eben nicht allein nutzen – daher müssen wir ab und zu aushelfen.

Auf dem Rückweg treffen Walter, Jolly und ich auf Sepp, Obmann Paul, Hansi und Roman die auf der Terrasse eines kleinen Lokals sitzen. Sepp erwartet ein Ehepaar aus Österreich mit dem er schon vorher Kontakt aufgenommen hatte. Nicht bald darauf kommen die Erwarteten wirklich und es wird auch schon das erste Missverständnis geklärt. Sepp war der Meinung, dass dieses Paar ständig hier in Australien lebt. In Wirklichkeit leben diese Menschen in Tirol und kommen jedes Jahr im österreichischen Winter für drei oder vier Monate hierher in die Gegend um Mission Beach. Da Sepp mit der Resort-Leitung ein kleines Konzert am Abend arrangiert hat, versprechen die beiden auch uns im Resort zu besuchen.

Da unser Bus ja bereits abgefahren ist, müssen wir mit dem Linienbus zurück ins Resort fahren. Bis der nächste Bus geht, ist noch etwas Zeit, also holen wir uns im Lokal neben der Haltestelle noch ein Bier. Haltestelle ist eigentlich übertrieben, es ist der Platz wo der Bus wieder wegfährt, anhalten kann man ihn eigentlich immer und überall. Um 15:40 Uhr ist es dann soweit, wir steigen in den Bus und bezahlen den Fahrpreis. Manche, so wie ich zahlen AUD 3,00 andere nur AUD 1,50 – nach welchen Kriterien hier vorgegangen wird ist unergründlich. Der Bus ist nicht besonders groß, einige bekommen keinen Sitzplatz mehr, aber die Strecke ist nicht allzu lang und so kommen wir schnell und sicher im Resort an. Dort suchen wir unser Zimmer – es ist anfangs etwas schwer sich hier zu orientieren, aber mit dem Plan den wir an der Rezeption erhalten, finden wir es dann doch. Was ich jedoch nicht finde ist mein Koffer. Auf der Suche danach irre ich durch die Gegend und komme somit auch gleich in den Genuss, das gesamte Resortgelände kennenzulernen. Es ist einfach herrlich – nicht protzig, oder extravagant. Nein, es ist schlicht und einfach, um nicht zu sagen bescheiden – die Zimmer sind in Gruppen, um vier jeweils unterschiedlich gestaltete Pools, angeordnet. An jedem Pool steht ein Elektrogrill zur freien Verfügung bereit. Die Zimmergruppen tragen Bezeichnungen wie Hibiscus, Bougainvillea, Murray Falls, Turkey's Nest und Ti-Tree zur leichteren Orientierung und sind mit Straßen und Gehwegen miteinander verbunden. Gleich neben der Einzäunung der Anlage breitet sich dichter Dschungel aus. Direkt vor dem Eingang zum Resort findet man ein Bottle-Shop, und ein paar Schritte weiter einen kleinen Supermarkt und noch weitere Einkaufsläden.

Meinen Koffer finde ich dann schließlich durch einen Hinweis von Ernst und Melinda Mostböck, die ihn vor ihrer Zimmertür vorgefunden haben – eine kleine Verwechslung zwischen Nr. 217 und 247. Nach Stunden in der prallen Sonne ist der ansonsten harte Schalenkoffer weich wie eine Ledercouch. Als ich ihn öffne um die Badehose herauszunehmen und anzuziehen, muss ich diese erst im kalten Wasser kühlen, um nicht wichtige Körperteile der Verbrennungsgefahr auszusetzen. Aber dann geht es sogleich ab ins kühle Nass – die Wassertemperatur beträgt ca. 30° C.

Um 18:30 Uhr ist Treffpunkt für ein einstündiges Konzert im Veranstaltungssaal des Resorts. Aufgrund der extremen Hitze wollen wir heute darauf verzichten, uns in Tracht und Stiefeln zu präsentieren. Anstatt dessen haben wir unsere offizielle Freizeitkleidung für Australien angezogen, rotes Polo-Shirt mit eingesticktem "Wendi's Böhmische Blasmusik"-Logo, kurze Hose und Sandalen. Leider aber kommt es nicht dazu, dass uns das Publikum darin bewundern kann, es ist nämlich kein Publikum vorhanden – kein einziger Mensch. Trotzdem ziehen wir unser Konzert durch – wenn auch in etwas gekürzter Form. Wendi begrüßt Sepp Schauer und bedankt sich bei ihm für seine großartige Organisationsleistung bisher, dabei übergibt er ihm als Geschenk eine Auswahl an Informationsmaterial über das Burgenland. Danach spielen wir "Bis bald auf Wiederseh'n" und beenden auf diese korrekte Weise unser Konzert im Mission-Beach-Resort. Wir packen unsere Instrumente wieder ein um im nebenan liegenden Lokal zu Abend zu essen. Später erfahren wir, dass bei der Bekanntmachung dieses Termins ein Fehler passiert ist, der Veranstaltungsort hätte ein ganz anderer sein sollen. Und dann kommt wirklich das Tiroler Ehepaar mit Verspätung weil sie uns woanders gesucht haben.

Das Abendbuffet kostet AUD 16,80 und wir sind überwältigt – hier findet man alles was das Herz begehrt, und noch mehr. Und was das Beste daran ist, es schmeckt sogar – und das hervorragend.

Nach dem Abendessen nehmen wir die Einladung von Wendi, ihn an "seinem" Pool zu besuchen, an. Wir schauen noch schnell im Bottle-Shop vorbei um Bier, Cola und Bundaberg-Rum einzukaufen. Danach geht es ins Tukey's Nest zu "Wendi's Pool". Hier sind die Zimmer Nr. 242 bis 251, die ohne Ausnahme von Mitgliedern unserer Reisegruppe bewohnt werden – wir belästigen also keine fremden Menschen sondern gehen "nur" unseren eigenen Leuten auf die Nerven. Es ist ein schöner, geselliger Abend, die Luft ist warm und der Himmel sternenklar, wir sitzen zusammen am Rand des Pools und genießen unseren Urlaub und unsere Getränke. Ab und zu tönen etwas ungewöhnliche Laute aus dem Urwald, ungewöhnlich für die anderen – ich kenne so etwas schon von Jolly. Auch ein paar Kröten und Gekos kommen uns besuchen. Charly ist nicht so recht begeistert von diesen Besuchern – später erfahren wir, dass diese Abneigung erblich ist. So hat sein Vater Karl – um das Eindringen unerwünschten Viehzeugs in sein Zimmer zu verhindern – sämtliche Lüftungsspalten in der Tür mit Klopapier verstopft, nicht daran denkend, dass sich dadurch, die schon im Zimmer befindlichen Kleintiere, nicht mehr aus dem Staub machen können.

Während wir so die herrliche australische Nacht genießen, vereinbaren wir, am nächsten Tag ein Barbecue zu machen. Die Zutaten können wir sicher im Supermarkt nebenan erwerben. Auch dürfen wir nicht vergessen, dass am Abend des nächsten Tages das Finale der Rugby Weltmeisterschaft stattfindet – es spielt Australien gegen England.

Als es dann spät bzw. schon früh wird und in der Bundaberg-Flasche auch nichts mehr drin ist, machen wir uns auf den Weg um unser Zimmer aufzusuchen, beim Vorbeigehen springen wir noch schnell in den Pool der Murray Falls Gruppe und legen uns um ca. 04:00 Uhr zum Schlafen. Irgendetwas ist heute anders, es ist verdächtig ruhig im Zimmer, ich kann beinahe nicht einschlafen.

Samstag, 22.11.2003

Um 07:00 Uhr weckt uns das Handy, ich verzichte heute auf die Dusche und springe in den Pool. Danach lasse ich mich in der Sonne trocknen. Als Jolly auch aufsteht gehen wir zum Frühstück. Es ist etwas enttäuschend was das Buffet zu bieten hat – es hält nicht was das Abendessen versprochen hat, aber vielleicht sind wir ja auch schon etwas verwöhnt. Nach dem Frühstück übergebe ich meine Schmutzwäsche an Gisela, die sich wieder dazu bereit erklärt hat sie mit der ihren mitzuwaschen. Somit entfällt diese lästige Arbeit für mich und ich kann mich wieder an den Pool begeben. Um 10:30 Uhr wecken wir Verena, Moni und Elke – es ist Zeit um für das Barbecue einkaufen zu gehen. Als die drei Mädels auch mit dem Frühstück fertig sind gehen wir gemeinsam mit Lisi und Florian in den Supermarkt. Wir kaufen Hühnerbrust, Barbecue-Steaks, T-Bone-Steaks, Filet-Steaks und Würstchen. Für den griechischen Salat brauchen wir Gurken, Paprika, Paradeiser, Zwiebeln, Schafskäse und Oliven, auch Zucchini nehmen wir mit. Gewürze, Saucen und Olivenöl dürfen auch nicht fehlen – und das Brot nicht zu vergessen. Schon beim Hinausgehen aus dem Supermarkt rätseln wir, wer das wohl alles essen wird. Während die Mädels mit zu Florian und Lisi ins Zimmer gehen um das Fleisch einzukühlen, gehen Jolly und ich ins Bottle-Shop und kaufen noch zwei Familienpackungen XXXX-Bitter (insgesamt 48 Flaschen) und ein paar Flaschen Rotwein. Die Getränke verstauen wir im Kühlschrank unseres Zimmers.

Danach treffen wir uns alle bei Florian und Lisi. Während Elke und Lisi mit gelegentlicher Unterstützung von Moni und Verena das Fleisch mit den Gewürzen präparieren, liegen wir im wohlig warmen Wasser des Pools und genießen die vorzüglichen Produkte australischer Braukunst. Wir erfahren, dass es am Pool der Murray Falls Gruppe um Blacky, Gerold und Thomas ebenfalls zu einer spontanen Grillaktion gekommen ist. Die Nachricht, dass Blacky sich woanders den Bauch vollschlägt, verstärkt unsere Annahme noch mehr, dass ein großer Teil des Fleisches übrigbleiben wird. Gegen 15:00 Uhr ist es dann so weit, der Hunger ist groß genug, die Vorbereitungen sind abgeschlossen und der Meister selbst begibt sich an den Grill – er heißt Norbert. Allein, dass nun doch kein einziges Stück Fleisch unverzehrt bleibt, soll hier die Fähigkeiten des Grillmeisters, und in gewissen Maße auch des Küchenpersonals, aufzeigen.

Nachdem gegessen ist, das Geschirr und der Griller gereinigt, wird mit dem fortgesetzt womit vorher begonnen wurde – Poolen und Bier trinken. So vergeht der Tag und der Abend bricht an. Gisela ist mit der Wäsche auch schon fertig, eines meiner weißen Hemden ist ab jetzt gelb – naja, mal etwas anderes.

Florian versucht eine Verlängerung für das Antennenkabel des Fernsehers aufzutreiben damit wir Endspiel der Rugby-Weltmeisterschaft am Pool verfolgen zu können. Leider passen aber die Stecker nicht zueinander. So sitzen wir dann also auf der Terrasse von Florians und Lisis Zimmer und der Fernseher steht innerhalb der Terrassentür auf dem Schrank. Abgesehen davon, dass die Spielregeln nicht so richtig durchschaubar sind, ist das Spiel wirklich aufregend. Alle außer Roman halten den Australiern die Daumen – zum Großteil aus Eigennutz, was nützen uns missgelaunte Australier, da sollen sie doch lieber gewinnen – England ist weit entfernt, jedenfalls jetzt. Wir sind dann wirklich enttäuscht, dass die Engländer nach Verlängerung mit 20:17 doch Weltmeister werden. Wir ertränken unseren Kummer und bleiben noch bis ca. 04:00 Uhr sitzen. Auf dem Weg in unser Zimmer machen wir wieder einen kleinen Badestop beim Murray Falls Pool und legen und danach Schlafen.

Ich liebe Misson Beach und dieses Resort, dieser Ort hat etwas Besonderes – nicht nur weil Jolly hier wesentlich ruhiger schläft als sonst wo.

Sonntag, 23.11.2003

Heute verlassen wir Mission Beach um nach Cairns zu fahren – das letzte Ziel unserer Reise.

Wir frühstücken gemütlich und um 10:00 Uhr fahren wir los. Meinen Koffer habe ich zur Sicherheit schon selber zum Bus getragen, man weiß ja nie.

Die 140 km bis nach Cairns legen wir auf dem Bruce Highway zurück. Wir machen einen kurzen Stop bei Babinda – und um 12:30 Uhr kommen wir in der Stadt an.

Cairns liegt an der Nordostküste des Staates Queensland, an der Trinitybay, etwa 1.800 km nördlich von Brisbane. Cairns ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Australiens. Die Stadt ist ein regionales Zentrum der Milch- und Holzwirtschaft, der Zuckererzeugung, des Fischfanges und des Fremdenverkehrs (jährlich gibt es hier etwa 800.000 Touristen, diesmal sind es um 46 mehr). Die Stadt liegt am südlichen Zugang zu der dünn besiedelten Kap-York-Halbinsel. Sehenswert ist der Meerespark am Großen Barriere Riff. In der Nähe der Stadt befindet sich ein bedeutendes Wasserkraftwerk (Barron River Gorge). 1984 wurde in Cairns ein internationaler Flughafen eröffnet. Der britische Forscher und Seefahrer James Cook gab der Trinitybay 1770 ihren Namen. Das Gebiet, in dem heute Cairns liegt, wurde 1876 von Europäern vermessen und besiedelt. Die Siedlung wurde nach William Wellington Cairns benannt (Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts Gouverneur von Queensland) und erhielt 1885 Stadtrecht. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 120.000.

Bevor wir in unser Hotel fahren, machen wir gleich einen Abstecher zur German-Austrian-Swiss-Association in der Winkworth Street 57, in Westcourt im Westen der Stadt nahe dem Griffiths Park. Hier werden wir vom Club-Präsidenten persönlich empfangen, der sich auch gleich selbst hinter die Theke stellt um uns mit eisgekühlten Getränken zu erfrischen. Sein Starkbier vom Fass schmeckt wirklich hervorragend. Hier in diesem Club sollen wir um ca. 17:00 Uhr für eine Stunde aufspielen, dafür werden wir dann zum Barbecue geladen.

Wir fahren also zu unserem Hotel, dem Pacific International an der Esplanade 43 – aha, das Casino liegt genau gegenüber, fein. Das Gepäck wird ausgeladen und Sepp und ich teilen die Zimmerschlüssel aus. Um 16:30 Uhr wollen wir dann mit Taxi-Bussen zum Club zurückfahren. Für den Transport seines Instrumentes, seines Notenständers und seiner Noten ist jeder selbst verantwortlich – in kluger Voraussicht bin ich Klarinettist geworden.

Da noch Zeit ist und die Magenwände auch schon krachen, wollen wir noch schnell ein Restaurant aufsuchen um uns zu stärken. Obmann Paul wird aber bald als Restaurant-Scout abgesetzt, als er verlauten lässt er möchte gerne ein Sandwich essen – schon allein der Gedanke an dieses weiße Brot von der Konsistenz eines Waschlappens erweckt ein flaues Gefühl in der Magengegend. Wir finden in der Abbott-Street 36 nicht weit von unserem Hotel entfernt ein gutes chinesisches Restaurant namens "Taste of China" – hier bestelle ich Haifischflossensuppe und Garnelen mit fünf Gewürzen, sehr gut. Wendi, Gisi, Luis, Erich und Joly nehmen als Vorspeise eine Hot and Sour Soup – die ist scharf wie der Teufel – ich kann das beurteilen, ich darf nämlich Gisis Reste essen. Wendi und Luis bestellen eine gebratene Ente, die wirklich appetitlich ausschaut und auch hervorragend schmeckt, wie die beiden nachher bestätigen. Während wir essen, kommt auch Karl Gonter der Ältere in das Lokal, was uns wundert, denn eigentlich meidet er ausländisches Essen wie der Antichrist das Weihwasser. Er meint jedoch so eine Ente könnte ihm durchaus auch schmecken. Er setzt sich zu uns und lässt dem Kellner ausrichten, dass auch er gerne eine knusprige Ente hätte. Dieser geht in die Küche und kommt mit einem negativen Bescheid zurück – "fried duck" ist aus. Karl meint: "Dann mach mir ein Steak!", der Chinese antwortet: "We only have steaks at chinese style!". Wir übersetzen die Antwort für Karl und der meint: "Das kann ich riskieren!" – das aber auch nur nach langem Zureden unsererseits. Er bekommt das Gewünschte, es sieht fabelhaft aus und es scheint ihm auch zu schmecken. Jedoch als ich in frage, ob er sich wirklich sicher ist, dass es Rindfleisch ist, was er auf dem Teller hat, schaut er erst verdutzt und schiebt dann den Teller von sich – fertig gegessen.

Zurück im Hotel warten wir, bis die von Sepp gerufenen Taxis eintreffen und fahren ab zum Club. Es sind schon einige Gäste eingetroffen. Wir nehmen Aufstellung und nach einer halben Stunde Wartezeit geht es los mit böhmischer Blasmusik. Es wagen sich auch einige Tänzer aufs Parkett, sicherlich ermuntert von Animateur Karl Gonter, der hier, wie auch schon in allen vorherigen Clubs, in vorbildlicher Weise österreichische Tanzkultur demonstriert.

Nach einer Stunde beenden wir unseren Auftritt und widmen uns den kulinarischen Genüssen des Lokals. Wer Hunger hat beansprucht das Angebot an Grillfleisch, und wer Glück hat bekommt sogar noch welches. Die anderen die schon vorher gegessen haben, bzw. nichts mehr bekommen, gehen über zur flüssigen Nahrungsaufnahme – Oberlandwirt und Stiermäster Walter Denk bezeichnet es als "Nassfüttern". Gisela ist auch wieder fündig geworden, selbst hier im hohen Norden von Queensland gibt es Jägermeister – der aber schon bald immer weniger wird.

Nach einiger Zeit wird die Idee geboren Bowlen zu fahren. Diejenigen die sich nicht mehr von Ihren Sitzen erheben können bleiben im Club. Bernd, Paul Mayrhofer, Florian, Lisi, Verena, Moni, Elke, Jolly und ich rufen ein Taxi und erklären dem Fahrer, dass wir zu einer Bowling-Bahn möchten. Der bringt uns glatt in ein Lokal mit einer Menge Spielautomaten, zwei Billardtischen und einer Open-Air-Kegelbahn. Das ist es nun auch nicht, was wir uns vorgestellt haben. Wir spielen schnell eine Runde Billard, trinken natürlich etwas dazu, rufen ein Taxi und versuchen erneut unser Glück. Tatsächlich bringt uns der neue Fahrer zu einem öffentlichen Bowling-Club. Drinnen bekommen wir zuerst einmal Bowling-Schuhe, sogar für mich sind welche dabei. Nach einer kurzen Erklärung der Regeln und des Automaten beginnen wir die Kugeln gegen die Kegel zu schleudern. Trotz guter Abschussquoten wird das Spiel schnell langweilig und wir beschließen das Lokal zu verlassen – der wahre Gund ist natürlich das Rauchverbot im Bowling-Club und zu Trinken gibt es hier auch nichts. Wir fahren mit dem Taxi zum Hotel zurück, steigen aus, überqueren die Straße und gehen ins Reef Hotel Casino. Dort spielen wir auch noch einige Runden Billard, bis wir um 03:00 Uhr zurück ins Hotel gehen um zu Schlafen. Körperliche Bewegung scheint Jolly gut zu tun, er schläft dann viel ruhiger.

Montag, 24.11.2003

Aufstehen um 07:00 Uhr, schnell unter die Dusche und zum Frühstück. Unser Programm heute ist eine Zugfahrt nach Kuranda, eine Seilbahnfahrt über den Regenwald und ein Besuch im Tjapukai Aboriginal Culture Centre.

Wir fahren mit dem Bus zur Cairns Railway Station. Um 08:30 Uhr geht die Fahrt mit der historischen Kuranda Scenic Railway durch die malerisch schöne, tropische Landschaft los. Diese Eisenbahnverbindung von Cairns nach Kuranda wurde zwischen 1882 und 1891 gebaut. Ursprünglich für den Transport von Zinn und anderen Erzen zum Hafen in Cairns gedacht, fährt die Bahn heute ausschließlich für Touristen. Obwohl die Strecke nur 34 km lang ist, und dabei 300 m Höhenunterschied zu überwinden sind, dauert die gemütliche Fahrt über eineinhalb Stunden. Zwischendurch gibt es drei Zusteigmöglichkeiten in den Zug – Freshwater, Redlynch und Stoney Creek.

Eine freundliche Schaffnerin geht durch die Waggons und teilt Erfrischungstücher aus, anders wäre die Hitze auch nicht zu ertragen. Wer nichts zu Trinken eingepackt hat, muss eben mit dem Wasserspender im Waggon Vorlieb nehmen – man glaubt es kaum, wie köstlich warmes Leitungswasser schmecken kann. Um 09:55 Uhr halten wir an der Barron Gorge bei den Barron Falls, um einige Fotos zu schießen. Die Schlucht schaut eher harmlos aus, unser Reiseführer erklärt jedoch, dass bei starken Regenfällen das Wasser in ungeheuren Massen hier herunterstürzt und das tiefe Becken bis obenhin mit Wasser füllt. Nach einer Viertelstunde Aufenthalt geht es weiter. Endstation der Fahrt ist dann um 10:15 Uhr der idyllische, historische Bahnhof von Kuranda, der nur ein paar hundert Meter von der Kuranda Skyrail Station entfernt liegt. Doch bevor wir mit der Seilbahn fahren haben wir noch Zeit um uns um ein Mittagessen zu kümmern. Gisela, Wendi, Walter und ich wandern die Coondoo Street hoch und wieder runter um dann in Fanny O'Reilly's Irish Bar and Grill an der Ecke Arara und Coondoo Street Platz zu nehmen. Ich bestelle Kürbissuppe und Rumpsteak – die Suppe schmeckt einigermaßen, das Steak ist – typisch für australisches Barbecue – schwarz wie Kohle und schmeckt auch genauso. Wendi ist da mit seinem Hühnerschnitzel etwas besser dran – dass er es dann doch nicht aufißt liegt an seiner schlechten Gesamtverfassung. Gisi leidet auch noch an den Nachwirkungen der Jägermeisterflut vom Vortag.

Um 11:50 Uhr finden wir uns dann geschlossen bei der Skyrail Station ein um dann gleich, jeweils zu viert, die Gondeln zu besteigen. Vorher erklärt unser Reiseleiter noch, an der ersten Station, Barron Falls sitzen zu bleiben, nicht auszusteigen auch wenn man dazu aufgefordert wird, erst an der Red Peak Station sollen wir unsere Gondeln verlassen, und gleichzeitig in die weiterführende Seilbahn umsteigen. Wer jetzt denkt, dass sich irgendwer nicht daran gehalten hat, der irrt sich – jeder hat diese Anweisung genau befolgt, sogar jene, die heute nicht unbedingt aus dem Optimum ihres gewöhnlichen geistigen Potentials schöpfen können. An der Red Peak Station ist mit 545 m auch der höchste Punkt der Seilbahnstrecke erreicht.

Geräuschlos gleiten wir über dichten Regenwald, über Baumwipfel, Flüsse und Seen und entdecken diese faszinierende, exotische Welt aus einem ganz neuen Blickwinkel, nämlich dem von oben, aus der Sicherheit einer Gondel. Alles was giftig ist und uns sonst möglicherweise beißen würde, liegt tief unter uns. Weiße Kakadus mit ihrem gelben Kopfschmuck kreischen zwar kräftig, doch lassen sie sich ansonsten nicht weiter von uns stören. Das Panorama mit Blick auf das Meer, das Große Barriere Riff und die Umgebung von Cairns aus dieser Perspektive ist fantastisch. Kein Wunder, dass diese 1995 erbaute Schwebebahn mit ihrer 7,5 km Länge zu einer großen Touristenattraktion geworden ist.

Schon lange bevor man in die Talstation in Caravonica einfährt erblickt man gleich daneben eine Anlage, die sich als der Tjapukai Aboriginal Cultural Park entpuppt – unser nächstes Ziel. Es ist ein imposanter Bau, der Geschichte, Kultur und Bräuche der australischen Ureinwohner, im Besonderen des Stamms der Tjapukai, den Besuchern unterhaltsam veranschaulicht. Tjapukai wurde schon mehrere Male prämiert: "The best Tourist Attraction in Far North Queensland".

Hier sehen wir als erstes einen Film über die Geschichte der Aborigines in dieser Gegend. Die grausame Vorgehensweise der Siedler gegen die Ureinwohner und die Gräueltaten an ihnen, die noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts alltäglich waren und von der Obrigkeit sogar geduldet wurden, machen uns sehr betroffen.

Dann folgt eine Pause in der man im Souvenirladen den unzähligen, verschiedenartig gestalteten und in allen Größen vorhandenen Didgeridoos ein paar Töne zu entlocken versucht, oder man probiert, sich gegenseitig mit bemalten Bumerangs auf den Kopf zu schlagen. Es gibt auch ein Restaurant – mit Alkoholausschank-Lizenz – für einen kleinen Imbiss. Danach folgt eine Vorführung der Theatergruppe, es ist eine Darstellung von Mythen aus der Traumzeit, der Schöpfungsgeschichte der Aborigines. Als diese Vorstellung vorbei ist, wechseln wir in das Freiluft-Theater. Vor der gefährlichen Sonneneinstrahlung, und ab und zu wohl auch gegen den Regen, schützt ein Dach aus Segeltuch, das über eine stabile Aluminiumkonstruktion gespannt ist. Hier werden uns verschiedene Tänze zu Didgeridoo-Musik vorgeführt, und die Fertigkeit mit Holzstäbchen Feuer zu machen.

Das Programm geht dann in der Bumerang- und Speerwurf-Arena weiter. Am Bumerangwerfen beteilige ich mich nicht, dabei habe ich mich schon vor drei Jahren, an einer anderen Stelle blamiert – einige von den anderen lassen es auch bleiben. Während wir unsere Freunde beim Werfen beobachten, wird uns bewusst wie wichtig es war, den Wurfbereich mit Netzen zu schützen – vor allem deshalb, weil ein Bumerang nie dort landet wo man in hinwirft.

Beim Speerwerfen mache ich schon mit. Hier bekommt man eine Speerschleuder, die sogenannte Woomera, mit Hilfe derer man den ungefähr zwei Meter langen Speer gegen Strohballen wirft, die in verschieden weit entfernten Abständen aufgestellt sind, und auf welchen man, zur Steigerung der Motivation, Kängurubilder befestigt hat. Ich kann hier bestätigen, dass kein einziges Tier zu Schaden gekommen ist.

Nachdem wir uns so richtig ausgetobt haben, bekommen wir eine Unterweisung im Didgeridoo-Blasen – es funktioniert auch mit einem PVC-Abflussrohr – und eine Einführung in die Koch- und Esskultur der Aborigines. Wir erfahren welche Früchte man wie, womit und wie lange behandeln muss, bis man sie essen kann, welche Naturprodukte zur Bekämpfung bestimmter Krankheiten eingesetzt wurden bzw. immer noch werden. Wir hören, dass der Großteil der Nahrung, der nomadisch lebenden Aborigines, vegetarischer Natur ist, und von den Frauen gesammelt oder ausgegraben wird. Die Männer sind dann für die kärglichen Fleischrationen zuständig – ein Bumerang scheint eben doch nicht die brauchbarste Jagdwaffe zu sein. Beim Rückweg ins Hauptgebäude wenden wir auch gleich unser neu erworbenes Wissen an. Mittelgroße Ameisen mit grünem Hinterleib sollen gut gegen Erkältungskrankheiten sein. In ihrem Körper speichern sie große Mengen an Vitamin C. Auf der großen Holzbrücke, die wir auf unserem Weg überqueren müssen, gibt es eine ganze Menge davon – es stimmt, sie schmecken wie Zitronen, kleine Zitronen halt. Und es wirkt – ich habe mir die ganze Reise über keine Erkältung mehr zugezogen.

Wir haben noch einmal Zeit, uns im Souvenirladen umzusehen, oder im Restaurant eine Erfrischung zu erwerben. Um 15:45 Uhr ist dann Abfahrt zurück nach Cairns. Die Fahrt dauert eine Viertelstunde.

Im Hotel angekommen holen wir sofort unsere Badesachen heraus und frequentieren in großen Scharen den Pool. Als dann der Hunger sich einstellt, beschließen wir, heute einem anderen Chinesen die Ehre zu geben. Jolly verweigert, er möchte heute nicht chinesisch essen, Wendi, Gisi, Erich, Luis und ich jedoch machen uns auf den Weg. In der Lake Street 102 finden wir das Silver Dragon Chinese Restaurant gleich neben der Fußgängerzone. Wir müssen noch etwas warten, weil es erst um 18:00 Uhr öffnet, das macht uns aber nichts aus, wir trinken in einem Straßen-Café noch ein paar Bier. Im Restaurant dann bestellen wir alle Hot and Sour Soup, die ist aber wesentlich milder als die gestrige. Als Hauptspeise nehme ich Schweinefleisch süß/sauer – ich bin begeistert. Nachdem wir gegessen haben, gehen wir den Weg zurück und ich treffe Jolly und die anderen im Rattle 'n Hum, einer Bar mit Grillrestaurant an der Esplanade 67. Hier gibt es gute Musik und gutes Bundy & Coke, also bleiben wir bis zur Sperrstunde um 01:00 Uhr. Danach machen wir uns auf ins Casino, spielen dort noch ein paar Runden Billard und gehen, wie fast schon üblich, um 04:00 Uhr ins Bett. Als Jolly seine Bettdecke zurückschlägt findet er auf seinem Kopfpolster einen kleinen Gecko. Leider können wir ihn nicht einfangen, weil er um diese Zeit zu schnell für uns ist. Die heutige Nacht ist wieder etwas unruhig, Jolly hat, wahrscheinlich als Abwehrmaßnahme gegen den Gecko, wieder seine Gluckerlaute aktiviert.

Dienstag, 25.11.2003

07:00 Uhr Wecken, heute müssen wir uns beeilen, um 08:30 Uhr fahren wir schon mit dem Schiff ab zum Großen Barriere Riff. Wir frühstücken schnell und gehen dann geschlossen zum Pier am Hafen. Es sind nur ungefähr 500 m von unserem Hotel, um 08:00 Uhr sind wir bereits auf unserem Schiff – es ist ein Segelkatamaran der Ocean Spirit Gruppe. Die Sicht im Hafen ist nicht besonders gut und Brandgeruch liegt in der Luft. Beides rührt von einem Buschfeuer her, das ungefähr 30 km vor Cairns wütet. Es besteht jedoch keine Gefahr für uns – schon gar nicht jetzt, da wir uns auf einem Schiff befinden.

Zwei Stunden sind wir nun unterwegs zum Äußeren Riff. Wir steuern die abgelegene Insel Michaelmas Cay an, die 40 km von Cairns entfernt ist. Auf der Insel befindet sich ein Vogelschutzgebiet, uns interessiert jedoch mehr das vorgelagerte Korallenriff. Sepp ermahnt vor der Fahrt noch alle, sich kräftig mit Sonnenschutz einzucremen. Wir verbringen die zwei Stunden Fahrt mit Sonnenbaden und Biertrinken. Florian schläft auf dem Bauch liegend ein, und vergisst jemanden zu beauftragen, ihn hin und wieder zu wenden. Er wird am nächsten Tag erst so richtig merken, wozu die australische Sonne imstande ist. Seine Kniekehlen strahlen wie Bremsleuchten.

Kurz vor 10:30 Uhr kommt die Insel in Sicht, schon von weitem sieht man, dass sie nicht sonderlich groß ist, es ist auch kein einziger Baum auf der Insel – dafür aber Tausende von Vögeln. Vorher schon sind die Schnorchel-Ausrüstungen verteilt worden. Jetzt fährt ein Teil der Gruppe mit einem Shuttle-Boot zur Insel um das Riff per Taucherbrille und Schnorchel kennenzulernen. Der andere Teil besteigt ein Glasboden-Boot, eine Semi-U-Boot sozusagen, welches verschiedene Teile des Riffs ansteuert.

Das Große Barriere Riff ist die weltweit größte Ablagerung von Korallen und erstreckt sich über 2.010 km entlang der Küste von Queensland bis zur Torresstraße, die zwischen Australien und Neuguinea liegt. Das Riff ist zwischen 16 und 240 km von der Küste entfernt und wird von zahlreichen Inseln und Atollen überragt. Durch chemische Analysen von Bohrproben wurde das Alter des Riffs auf annäherungsweise 600.000 Jahre bestimmt.

Das Große Barriere Riff ist Lebensraum von mehr als 14.000 Tierarten. Die Korallen selbst sind die kalkhaltigen Skelette winziger Wassertiere, die in Symbiose mit Algen leben. Das Riff beheimatet auch viele größere Wassertiere, darunter mehr als 1.000 Fischarten. Es ist ein gefährliches Hindernis für die Schifffahrt, und zählt zu den wichtigsten Tourismuszielen in Australien. Das australische Parlament erließ 1975 den Great Barrier Reef Marine Parc Act, in dem die menschliche Nutzung des Areals geregelt wird. Circa 5 Prozent des Riffs wurden als Schutzzonen ausgewiesen, in denen lediglich wissenschaftliche Forschung betrieben werden darf. Zudem erklärte die UNESCO 1981 das Große Barriere Riff zum Weltnaturerbe.

Den Ergebnissen einer im Oktober 2000 veröffentlichten Studie zufolge ist das Große Barriere Riff aufgrund der Klimaänderung der vergangenen Jahrzehnte ernsthaft in seiner Existenz gefährdet. Bei weiterem Anstieg der Wassertemperatur wird ein Ausbleichen und anschließendes Absterben zahlreicher Korallen prognostiziert. Gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität bewirkten in den vergangenen Jahren eine Erholung der Bestände. Einem im Februar 2003 vom Australischen Institut für Meereswirtschaft veröffentlichten Bericht zufolge sind nur noch rund 6 % des gesamten Riffs bedroht. Um den ökologischen Zustand weiter zu verbessern, beschloss die australische Regierung im Juli 2003 eine Ausweitung der Schutzzonen auf rund 30 % des gesamten Geländes.

Wir blicken durch die Glasfenster unseres U-Bootes und entdecken eine Wunderwelt unter Wasser. Mördermuscheln, große und kleine Korallenfische und sogar Meeresschildkröten sind hier ganz nahe zu beobachten. Auch beim Schnorcheln nähern sich die verschiedensten Fische den Schwimmern, und es gelingt mir sogar einen Rochen zu streicheln. Die Geschichte von Obmann Paul jedoch, über den von ihm gesichteten Hai, betrachte ich eher skeptisch – wer Paul und seine Hai-Phobie kennt, wird verstehen warum.

Zwischendurch gibt es Essen auf dem Katamaran – ein tropisches Mittagsbuffet mit Fisch und Meeresfrüchten aller Art, dazu Beilagen und Obst in Hülle und Fülle.

Wir verbringen einen herrlichen Tag, bei strahlendem Sonnenschein auf dieser Insel bevor wir um 15:00 Uhr wieder zurückfahren. Haben wir uns bei der Herfahrt nur mittels Motorkraft vorwärtsbewegt, so werden jetzt die Segel gesetzt und wir gleiten, vom Wind getrieben, dem Hafen von Cairns entgegen. Einer der Matrosen baut auf Deck eine Verstärkeranlage auf und unterhält uns mit Gesang und Gitarrenmusik. Dass er beim Text von Waltzing Matilda zu hinken beginnt, finde ich sehr bedenklich – um nicht zu sagen eine Schande.

Um 17:00 Uhr kommen wir in Cairns an und verlassen das Schiff. Wir gehen die paar Schritte zum Hotel zurück, steigen in den Pool und rätseln wohin wir heute essen gehen. Wendi meint wir sollten einen dritten Chinesen ausprobieren, er hätte einen am Pier gesehen. Wir ziehen uns also wieder an und marschieren in die Richtung aus der wir kurz vorher gekommen sind, zum Hafen. Vorher gebe ich Gisi noch ein paar T-Shirts und meine Snoopy-Boxershorts zum Waschen, aber nur weil Wendi schwört, dass er sie nicht behalten wird.

Tatsächlich finden wir am Pier Market Place, im Obergeschoß das gesuchte Restaurant, das sich Harbourview Fine Chinese Cuisine nennt. Wir setzen uns auf die Terrasse, drinnen ist es uns viel zu kalt, nach einem so langen Tag in der heißen Sonne. Hier haben wir einen wundervollen Blick auf den Hafen. Wendi, Gisi, Luis, Erich, Jolly und ich versuchen auch hier die Hot and Sour Soup, jedoch die Schärfe vom Taste of China erreicht auch sie nicht. Als Hauptspeise nehme ich Ente mit Pfefferkruste – sie schmeckt vorzüglich, auch die anderen sind sehr zufrieden – nicht mit meiner Ente, sondern mit ihren eigenen Gerichten.

Nachdem wir gegessen haben, gehen Jolly und ich an die Esplanade ins Rattle 'n Hum. Dort sind auch schon Bernd, Florian, Lisi, Verena, Moni und Elke eingetroffen. Wir bleiben wieder bis zur Sperrstunde, und ziehen dann um ins Casino. Dort beginnen wir wieder Billard zu spielen bis dann auch Paul Mayrhofer, Roman und Charly zu uns stoßen. Charly fühlt sich heute wohl in Form, er erlaubt sich, mich zu einem Duell herauszufordern – mit den Billardkugeln versteht sich. Nachdem er zwei Partien verloren hat, gibt er auf. Für mich ist es eine Erleichterung gewonnen zu haben, denn bei den vorhergehenden Spielen, mit Bernd gegen Florian und Jolly, haben wir fast jede Partie verloren – das verrate ich Charly aber nicht. Als Ehrenmann zahlt er noch ein paar Runden Bundy & Coke an der Bar. Er selbst trinke Bacardi mit Orangensaft – der Orangensaft muss aber ohne Fruchtfleisch sein, oder ohne "Flänks" wie er es bezeichnet.

Es ist schon 05:00 Uhr als wir das Casino verlassen. Jollys Gluckerlaute bleiben heute erfreulicherweise wieder aus.

Mittwoch, 26.11.2003

Heute ist der ganze Tag frei, daher gehen wir auch erst um 09:00 Uhr zum Frühstück. Jolly und ich nehmen uns vor, Geschenke für unsere Lieben daheim einzukaufen. Meiner Tochter Barbara habe ich versprochen ein Krokodil mitzubringen: "Aber kein echtes, nur eines aus Stoff", waren ihre Worte.

Um 10:00 Uhr nach dem Frühstück gehen wir los. Wir schlendern durch die Abbott-Street und dann der Esplanade entlang. Als ich nach einer Stunde bereits zwei Plastiktaschen voll T-Shirts, Feuerzeuge, Geldbörsen, Flaschenständer, Schlüsselanhänger und natürlich auch Krokodil und Wasserschildkröte (auch aus Stoff) habe, und Jolly immer noch nicht weiß, was er nehmen soll, verabschiede ich mich von ihm und gehe ins Hotel zurück. Ich bringe meine Sachen aufs Zimmer und mache mich dann auf zum Pool. Hier treffe ich auf Wendi, Gisi und Sepp. Wir vereinbaren heute Mittag wieder ins Taste of China zu gehen, wir müssen nur noch auf Luis warten, der mit einer Gruppe zur Besichtigung einer Krokodilfarm unterwegs ist.

Es ist heute sowieso der Tag der individuellen Freizeitgestaltung. Während andere, wie ich, die Zeit zum Einkaufen nützen, Jolly es wenigstens versucht, eine andere Gruppe wie schon erwähnt eine Krokodilfarm aufsucht, hat Bernd einen Tauchgang am Riff gebucht. Obmann Paul, Paul Mayrhofer, Charly, Roman, Walter und Hansi haben in der Gegend um Palm Cove eine Gelände-Tour mit Strand-Buggies gebucht um anschließend die Motor-Vehikel gegen Pferde einzutauschen, für einen Ritt durch den Regenwald. Es soll ein unvergessliches Erlebnis für sie werden. Weniger die besonderen Eindrücke, die man auf so einer Tour von Land und Leuten sammeln kann, als vielmehr der Anblick von Hans Habersack auf dem Rücken eines australischen Haflingers (oder gleichwertig), macht diesen Tag zu einer wirklichen Rarität.

Besonders zu bemerken wäre hierbei noch die äußerst patriotische Gesinnung von Charly. Der Frage beim Pferdestall: "Are you here for horse-riding?", entgegnet er voller Stolz: "No, we are from Austria!".

Als Luis wieder da ist brechen wir auf zum Chinesen. Die obligatorische Hot and Sour Soup wird bestellt, die Erwartung, dass sie wieder so scharf sein wird wie beim ersten Mal, wird nicht erfüllt. Entweder haben wir uns mittlerweile schon an die Schärfe gewöhnt, oder der Koch hat heute seinen milden Tag. Die Suppe schmeckt trotzdem hervorragend und meine gebackenen Garnelen mit Sesam sind vorzüglich. Nach dem Mittagessen bewegen wir uns gemächlich wieder zurück an den Pool. Wendi hat schon vorher dafür gesorgt, dass auch die Pool-Bar geöffnet wird, sogar die Zubereitung eines Spritzers hat er der Bedienung beigebracht. Somit steht einer gemütlichen Poolparty nichts mehr im Wege. Später kommt etwas Leben in das Hotelpersonal und rund um das Schwimmbecken werden Vorbereitungen für den Empfang einer Rugby-Mannschaft getroffen. Deshalb wird dieser Bereich auch ab 17:00 Uhr für Hotelgäste gesperrt. Wir haben in der Zwischenzeit bereits vereinbart, unser Abendessen nicht beim Chinesen einzunehmen. Heute soll es Känguru- oder Krokodilfleisch sein. Nachdem wir um 17:00 Uhr vom Pool vertrieben werden, ruhen wir uns noch etwas im Zimmer aus und gehen gegen 18:00 Uhr aus dem Hotel. Wir finden an der Esplanade 59, gleich neben dem Rattle 'n Hum das Kani's, ein Seafood-Restaurant erster Wahl, und auch Känguru-Steaks gibt es hier. Die Bedienung ist aus Deutschland, hübsch und sehr freundlich. Ich wähle eine Krabbensuppe und eine Bush-Sampler-Platte mit Känguru-Steak, Straußen-Medaillons und Krokodil-Würstchen – es schmeckt ausgezeichnet. Josef Thüringer kämpft mit einer Platte, auf der sich die gesamte Fauna des Großen Barriere Riffs versammelt zu haben scheint, und er gewinnt. Allerdings wäre es unmöglich, dass zwei Personen, die jeder für sich eine dieser Meeresfrüchte-Platten bestellen, an ein und demselben Tisch sitzen – der Platz würde nicht ausreichen. Wir sitzen auch so schon sehr gedrängt.

Die kommende Nacht entwickelt sich in ihrem Ablauf beinahe als Klon der Vortage. Wir gehen ins Rattle 'n Hum, danach ins Casino, spielen unendlich lange Billard, trinken einige Bundy & Coke und gehen um 04:30 Uhr ins Bett. Jolly schnarcht heute ganz normal.

Donnerstag, 27.11.2003

Wecken um 06:30 Uhr, heute steht ein Ganztagesausflug in den Daintree-Nationalpark und zum Cape Tribulation auf dem Plan. Wir duschen schnell und gehen zum Frühstück – um 07:30 Uhr geht die Reise los. Aufgeteilt auf drei Kleinbusse fahren wir auf dem Captain Cook Highway Richtung Norden. Nach ungefähr 60 km machen wir auf der Höhe von Port Douglas bei Craiglie an einer Raststation einen kurzen Stop. Eigentlich ist es keine richtige Raststation, es gibt hier nur eine Toilette und ein Denkmal – errichtet anlässlich der Einhundertjahrfeier von Port Douglas 1977, im Angedenken an die Gründer der Stadt und ihre fleißigen Helfer, die Mulis und Ochsen. Die Australier sind ein tierfreundliches Volk – man denke nur an das "Dog on the Tuckerbox"-Denkmal.

Nach ca. 15 min Pause geht die Fahrt weiter bis wir nach 45 km an der Fähre über den Daintree-River angelangt sind. Hier befinden wir uns bereits im Daintree-Nationalpark. Der 7.080 km² große Nationalpark im Nordosten von Queensland wurde 1988 eröffnet. Er ist dicht mit tropischem Regenwald bewachsen, der sich über die Bellenden Ker Range und das darunter liegende Tiefland erstreckt. Dieser Wald, der sich hier in einem Zeitraum von etwa 50 bis 100 Millionen Jahren zu seiner heutigen Form entwickelt hat, soll der älteste Regenwald der Welt sein. In der Kreidezeit waren in ganz Australien derartige Wälder zu finden – da hatten wir aber noch nicht die Gelegenheit hierher zu kommen.

Die Vegetation des Nationalparks ist üppig, man findet dort u. a. verschiedene Arten von Farnen, Orchideen und Proteengewächsen. Der Park soll den Regenwald vor dem Zugriff des Menschen schützen, denn es waren nach 1980 verschiedene Projekte wie der Abbau von Zinn, Rodungen und der Bau von breiten Straßen geplant. Das Gebiet des Nationalparks ist als Feuchtwald von Queensland bekannt; es überschneidet sich mit dem Cape Tribulation Nationalpark, dem Dagmar Range Nationalpark und einigen staatlichen Wäldern. 1988 wurde die gesamte Region von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Wir setzen mit einer Kabelfähre über den Fluß und fahren noch ungefähr 5 km zum Alexandra Lookout, einem Aussichtspunkt mit hervorragendem Überblick über die Mündung des Daintree Rivers bei Halls Point, Cape Kimberley und der vorgelagerten Snapper Island. Danach fahren wir weiter nach Norden auf der Daintree/Cape-Tribulation-Road und halten nördlich von Noah Creek. Hier wollen wir einen Rundgang im Mangroven-Regenwald machen. Der Marrdja Boardwalk ist ein 1,1 km langer Rundgang durch die Überreste einer uralten Vegetation. Alle Entwicklungsstufen der Pflanzenwelt Australiens, aus einer viele Millionen Jahre dauernden Evolutionsgeschichte, kann man hier sehen.

Es ist auch die Rede davon, dass es hier Baumschlangen geben soll, die sich aus geringer Höhe auf ihre nichts ahnenden Opfer fallen lassen, um sie mit ihrem Nervengift in Sekundenschnelle zu töten. Diese Nachricht hat zur Folge, dass Helmut Fetter es vorzieht, am Rande des Waldes, an der Straße auf unsere Rückkehr zu warten. Auch Walter und Jürgen sind nicht erfreut über die Aussicht, möglicherweise mit einem Schlangen-Kollier um den Hals das Zeitliche zu segnen, geben jedoch der Neugier den Vorzug gegenüber der Phobie. Ganz schön mutig, wenn man bedenkt, dass Charly es überhaupt gleich vorgezogen hat, heute im Hotel zu bleiben. Vielleicht wäre aber auch er mitgekommen, hätte ich ihm die Geschichte vom Gecko auf Jollys Kopfpolster erzählt.

Nach 45 min ist die Führung durch den Wald absolviert, Jürgen und Walter sind enttäuscht – oder eher erleichtert – nicht eine einzige Schlange gesehen zu haben, und wir können weiterfahren.

Wir haben noch eine Strecke von ungefähr 10 km zum Cape Tribulation zurückzulegen. Dort halten wir an einem Parkplatz und gehen eine kurze Strecke auf einem Holzsteg zu einem Aussichtspunkt. Hier bietet sich ein wundervoller Blick auf die Myall Beach und das Cape Tribulation dar. Zur Namensgebung dieses Ortes gibt es folgende Geschichte: 1768 unternahm Captain James Cook als stellvertretender Kommandant der Endeavour seine erste große Fahrt in den Südpazifik. Dabei führte er eine Gruppe britischer Astronomen auf der Route über Kap Hoorn zu der erst kurz zuvor entdeckten Insel Tahiti. Ziel der Astronomen war es, den Lauf des Planeten Venus (Juni 1769) zu beobachten. Die Reise ging weiter nach Neuseeland, wo Cook Teile der beiden Hauptinseln für die britische Krone in Besitz nahm und 3.860 km Küstenlinie erstmals genau kartographierte (seine Karten blieben bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch). Indem er um beide Hauptinseln herum und zwischen ihnen hindurch segelte (die heutige Cookstraße), bewies er, dass sie nicht zu einem größeren Südkontinent gehören. 1770 landete er als erster Europäer an der Ostküste Australiens (Botany Bay), die er kartographierte und für Großbritannien als New South Wales in Besitz nahm. Die Botany Bay trägt ihren Namen wegen der zahlreichen, damals noch unbekannten Pflanzenarten, die von dem Expeditionsbotaniker Joseph Banks bestimmt wurden. Nach der Weiterfahrt hätte Cook mit seinen Männern die über 2.000 km lange Ostküste schon beinahe in Richtung Papua Neu Guinea verlassen, wenn nicht ein Unglück passiert wäre. Genau an der Küste, an der wir uns gerade befinden, lief das Schiff auf ein Riff und wurde schwer beschädigt. Die Seeleute konnten die Endeavour gerade noch vor dem Sinken retten, indem sie Segel über das Leck im Schiffsrumpf zogen. Nahe dem heutigen Ort Cooktown wurde ein Lager, für eine Zeit von 40 Tagen errichtet, in der das Schiff wieder seetüchtig gemacht werden konnte. Also war nicht Sydney die erste weiße Niederlassung auf dem australischen Kontinent, sondern dieses Lager – wenn auch nur für knapp über ein Monat. Durch dieses Unglück also kam das Kap zu seinem negativen Namen, welcher der Schönheit dieses Ortes in keiner Weise zur Ehre gereicht.

Nachdem wir eine Menge Fotos von dem malerischen Anblick geschossen haben, wandern wir den Holzsteg zurück und gehen über den Strand der Myall Beach zu einem kleinen Rastplatz, wo wir eine kurze Pause einlegen.

Es ist 12:30 Uhr und Zeit zum Mittagessen, wir fahren noch eine kurze Strecke mit dem Bus Richtung Süden auf der Daintree/Cape-Tribulation-Road zurück und halten beim Zugang zu einem Wanderpfad. Das Essen muss sich erst durch einen Spaziergang, über Holzstege und steile Stufen, durch den Dschungel verdient werden. Hier siegt auch bei Helmut der Hunger über die Abneigung gegen Fauna und Flora Queenslands, und er reiht sich, jedoch nicht ohne lautstark zu protestieren, in die Wanderkolonne ein. An unserem Ziel, einer Überdachung ohne Wände, mitten im Wald angekommen, nehmen wir an den großen Tischen Platz und warten bis das Essen fertig ist. Es gibt, natürlich, Barbecue. Auf dem Grill liegen Würstchen, Fisch und Steaks, dazu gibt es Salat. Anschließend wird eine Auswahl an exotischen Früchten gebracht, von denen wir die wenigsten kennen aber alle probieren. Vor allem die Chempjack-Frucht schmeckt köstlich, irgendwie nach Banane und picksüß. Das Fruchtfleisch ist wegen der faserigen Konsistenz etwas schwer zu schlucken, aber auch das schaffen wir – mehrmals sogar.

Kurz nach 13:30 Uhr verlassen wir den Rastplatz in der entgegengesetzten Richtung, hier warten auch schon unsere Busse, mit denen wir Richtung Daintree-River abfahren. Nach einer Fahrt von einer Dreiviertelstunde erreichen wir den Fluss.

Der Daintree River ist ein breiter tropischer Fluss mit seltenen Vogelarten und bis zu 7 m langen Salzwasserkrokodilen ("salties" oder "estuarine crocs"), die den Flussläufen bis 200 km ins Landesinnere folgen. Hier sollte man keinesfalls baden, auch wenn man die Viecher nicht zu sehen bekommt – die warten nur auf leichtsinnige Touristen. Nahe der Zufahrt zur Fähre über den Fluss legen wir mit einem kleinen Boot zu einer einstündigen Rundfahrt ab. Kleine Gummischlangen die zwischen den Schwimmwesten, an der Decke des Schiffaufbaus hervorlugen, sorgen für Heiterkeit währen der Fahrt – Schadenfreude und Spott sind immer noch die schönsten Amüsements – Helmut verzeiht uns schnell wieder.

Wir fahren an den mangrovenbewaldeten Ufern entlang, sehen exotische, bunte Vögel deren Namen ich mir nicht merken kann und wilde Mangos. Dauernd Ausschau haltend nach Krokodilen, werden wir gegen Ende der Fahrt wirklich fündig. Ein Mordsexemplar von mindestens 75 cm Länge liegt am Strand in der üppigen Ufervegetation verborgen.

Um 15:45 Uhr verlassen wir das Boot, das der Steuermann zu Helmuts Unbehagen, auch noch mit dem Ende an welchen er sitzt, am Ufer anlegt. "Sag ihm, das nächste Mal soll er rückwärts da her fahren!", meint er mürrisch – ich denke aber nicht, dass Helmut beim nächsten Mal wieder an dieser Bootsfahrt teilnehmen würde.

Auf der Heimfahrt halten wir noch kurz an einer Raststation an der Mossmann/Daintree-Road um die Toilette aufzusuchen und ein Bier zu trinken – die Reihenfolge wählt jeder selbständig.

Kurz bevor wir nach Cairns kommen, halten wir noch am Simpson Point vor Ellis Beach um ein Gruppenfoto, zur Erinnerung an einen wundervollen Tag und eine unvergessliche Reise, zu machen.

Im Hotel angekommen erzählt uns Sepp, dass er den Besitzer des Kani's Restaurant, in dem wir gestern schon zu Abend gegessen haben, persönlich kennt. Dieser ist ebenfalls Österreicher und wohnt, wie Sepp auch, in Melbourne. Auf Bitten von Sepp ist er heute extra nach Cairns gekommen. Sepp hat eine Reservierung für uns im Restaurant vorgenommen. Wir haben nichts dagegen, es hat uns am Vortag schon wunderbar dort geschmeckt. Im Obergeschoß des Restaurants ist eine lange Tafel für uns gedeckt. Der Rest der Gäste besteht fast ausschließlich aus Japanern. Ein hinter uns sitzendes Paar delektiert sich an einer dieser riesigen Meeresfrüchte-Platten – jedenfalls er, sie weint andauernd. Entweder meint sie, sie muss alles aufessen und hat Angst es nicht zu schaffen, oder aber sie hat keine Ahnung wie sie die großen Krustentiere zerlegen soll, und verzweifelt daran – es könnte aber auch sein, dass Ihr Freund, dem es gut zu schmecken scheint, ihr gerade eröffnet hat, eine Affäre mit einem Mann zu haben, was weiß ich. Wie es auch immer sein mag, als zweites fällt uns auf, dass die anderen Japaner auch alle diese Platte essen – möglicherweise leiden sie unter Gruppenzwang.

Ich habe heute keinen großen Hunger, verzichte daher auf die Suppe und nehme nur ein Känguru-Steak zu mir.

Nach dem Essen flanieren wir wieder die Esplanade entlang und halten an einem Lokal in dem es Wein, Soda und Bundy & Colke gibt. Wir lassen uns an einem Tisch vor dem Lokal nieder und genießen die laue Nachtluft.

Anschließend geht es wieder ins Rattle 'n Hum, dort sollen heute die AUD 420,00, die Blacky am ersten Tag in Sydney einkassiert hat, an den Mann gebracht werden. Weil dort aber extrem viel los ist und man kaum Platz zum Stehen findet, machen wir uns schon nach einem Getränk auf ins Casino. Dort finden wir unsere Billardtische von Japanern okkupiert vor. Wir legen eine Reihe von Dollarmünzen, ungefähr zwanzig, auf den Rand der Tische, zum Zeichen, dass wir als nächstes dran sind zu spielen – und nicht gewillt sind noch einmal aufzuhören. Die Japaner kapieren schnell, eine Eigenschaft die sie zu einer führenden Industrienation hat werden lassen. Hier jedoch können sie keinen Vorteil daraus ziehen.

Als wir schon ein paar Partien gespielt haben – Bernd und ich verlieren andauernd gegen Jolly und Paul Mayrhofer, kommen Vater und Sohn Gonter auf uns zu. Karl der Ältere hat vorhin im Rattle 'n Hum das Billardspiel erlernt und Charly sieht eine Chance sich an mir zu rächen. Er fordert mich zu einer Revanche für die letztens erlittene Schmach heraus. Ich soll mit seinen Vater (dem Anfänger wohlgemerkt) gegen ihn und Jolly spielen. Das hat er sich ganz schön schlau ausgedacht, aber ich nehme die Herausforderung an. Schon bald sieht man Charly seine Verzweiflung an, als Jolly beim dritten Stoß die schwarze Kugel vorzeitig versenkt – absichtlich wie Charly ihm unterstellt. Die zweite Partie beginnt auch wenig vielversprechend für unsere Gegner. Karl locht mit seinem ersten Stoß sofort eine Kugel ein, als ich an die Reihe komme habe ich einen guten Lauf, und fünf Kugeln verlassen den Tisch. Wir haben nur noch eine Kugel zu versenken, außer der schwarzen. Dieses Problem erledigt Karl in unglaublicher Könner-Manier. Charly kann es nicht fassen und verzichtet niedergeschlagen auf eine dritte Partie. Der Abend hätte nicht schöner enden können, um 03:30 Uhr verlassen wir das Casino. Heute schlafe ich tief und fest.

Freitag, 28.11.2003

Heute ist der letzte Tag, wir haben ihn frei gehalten, damit jeder für sich tun und lassen kann was er will. Jolly und ich gehen um 09:00 Uhr zum Frühstück, er muss noch etwas einkaufen – ich werde auch

noch eine Kleinigkeit für meine Frau besorgen. In der Hotelhalle treffen wir Sepp. Er hat schon vor ein paar Tagen davon gesprochen, dass er einen Tag früher nach Hause fliegen wird, weil seine Frau Bella erkrankt ist, und er sich deswegen Sorgen macht. Sein Taxi zum Flughafen wird um 15:00 Uhr abfahren.

An der Ecke Shields Street und Abbott Street erwerbe ich bei einem Juwelier einen schönen, hellblauen Opal um AUD 1.500,00. In einem Geschäft an der Esplanade kaufe ich noch ein paar T-Shirts, auch Jolly scheint heute alles zu finden was er braucht. Unsere Einkäufe sind also schnell erledigt und wir gehen zurück ins Hotel. Die meisten unserer Gruppe sitzen am Pool und wir gesellen uns dazu. Die Pool-Bar ist geöffnet, und somit ist für äußere und innere Erfrischung gesorgt. Wendi, Gisi, Luis, Jolly und ich vereinbaren mit Sepp, um 13:00 Uhr zum Chinesen am Pier Market Place essen zu gehen, um uns ordentlich von ihm verabschieden zu können.

Gesagt, getan – die Hot and Sour Soup wird wieder bestellt und dazu gebackene Garnelen mit Honig – eine Köstlichkeit sondergleichen. Um 14:30 Uhr gehen wir ins Hotel zurück und warten in der Halle bis Sepp sich zur Abreise fertig macht. Obmann Paul und Hansi haben ihren heutigen Hubschrauber-Rundflug über das Riff heil überstanden und warten ebenfalls schon, um sich von Sepp zu verabschieden. Es kommen noch einige andere hinzu, die die Gelegenheit wahrnehmen wollen, um ihm für die kompetente Führung durch Australien, und für eine wunderschöne Zeit in diesem großartigen Land zu danken.

Als Sepp in die Halle kommt, berichtet er mir noch, dass er am Flughafen angerufen hat, damit wir bei unserer morgigen Abreise keine Schwierigkeiten haben. Er gibt mir Namen und Telefonnummer des Flughafenmanagers mit dem er gesprochen hat, und die Gutscheine für den Bus zum Flughafen. Ich bedanke mich noch einmal bei ihm, für seine großartige Organisationsleistung vor und während unserer gesamten Reise. Pünktlich um 15:00 Uhr kommt das Taxi, wir schauen noch einmal gemeinsam nach ob er nicht noch irgendwo etwas vergessen hat (Vergesslichkeit ist eine Leidenschaft von Sepp), und verabschieden uns endgültig von ihm. Wir wissen aber schon, dass es kein Abschied für immer ist, wir werden uns im nächsten Jahr bereits, in Österreich wieder treffen.

Danach begeben wir uns zurück an den Pool, wo wir den Rest des Nachmittags verbringen. Am Abend ziehen wir uns an und gehen zum letzten Mal ins Rattle 'n Hum und anschließend auch zum letzten Mal ins Casino – zum letzten Mal für dieses Mal, denn ich nehme schon an, dass ich in nicht allzu ferner Zeit, wieder einmal nach Cairns kommen werde.

Im Casino spielen wir ein paar Runden Billard – Bernd und ich gegen Jolly und Florian. Bernd und ich verlieren alles. Als Florian und Lisi ins Hotel zurückkehren, springt Charly für Florian als Partner von Jolly ein – darauf hatte er nur gewartet. Er will die schlechte Form von Bernd und mir für seine Rache nutzen. Tatsächlich steht es nach einiger Zeit 9:3 für unsere Gegner. Nachdem wir aber bei 12:5 weitere drei Spiele hintereinander gewinnen können, bricht Charly entnervt ab und nimmt uns dadurch die Möglichkeit, den Gesamtsieg doch noch erringen zu können. Jolly und ich spielen darauf noch zwei Runden gegeneinander, die ich für mich entscheiden kann, dann verlassen wir um 04:30 Uhr das Reef Hotel Casino von Cairns. Heute kann Jolly schnarchen wie er will, es wird das letzte Mal sein, dass er mich nervt. Schon diese Tatsache allein lässt mich tief und fest schlafen.

Samstag, 29.11.2003

Alles geht einmal zu Ende – die letzte Woche ist ziemlich schnell vergangen, vermutlich deshalb weil sie die schönste der Reise war. Wir stehen um 08.00 Uhr auf, packen unsere Sachen und gehen zum Frühstück. Mehr als ein Ananassaft geht heute nicht runter.

Um 12:00 Uhr ist Abfahrt zum Flughafen. Der Bus ist pünktlich, der Chauffeur wahrscheinlich ein Anfänger – es ist ein langer und harter Kampf bis das Gepäck verstaut ist. Die meiste Arbeit machen wir selber. Am Flughafen angekommen sammle ich die Tickets ein und wende mich an einen Angestellten um uns für einen Gruppen-Checkin anzumelden. Der hat es anscheinend nicht eilig, und lässt uns eine ganze Weile warten. Einige meiner Kollegen bleiben beim Schalter stehen, damit der liebe Mensch dahinter nicht einschläft. Ich begebe mich inzwischen zum Zoll um die Wiederausfuhr unserer Instrumente auf dem Carnet bestätigen zu lassen, Obmann Paul begleitet mich. Der Zollbeamte besieht sich das Formular genau – ich bin sicher, es ist das erste Mal, dass er ein solches Papier vor sich liegen hat – ich zeige ihm welchen Abschnitt er behalten darf und wo er seine Spuren in Form einer Unterschrift mit Stempel hinterlassen soll.

Als wir zum Checkin-Schalter zurückkehren ist noch nicht sehr viel passiert. Der liebe Mann hat gerade eben erst angefangen die Bordkarten auszudrucken. Ich kann ihn dazu überreden auch gleich die Karten für den Weiterflug in Singapore auszustellen. Bei der Frage ob es ihm auch möglich sei, das Gepäck bis nach Wien durchzubuchen, verneint er aber und meint, das wäre undurchführbar. Ich diskutiere ein wenig mit ihm darüber, aber selbst die Tatsache, dass es beim Hinflug, von Wien nach Sydney funktioniert hat, lässt ihn kalt. Auch als ich behaupte, dass dies wieder kein Pluspunkt auf dem Konto der australischen Flughäfen wäre, fühlt er seine Ehre nicht im Mindesten angetastet.

Er übergibt mir die Bordkarten, es fehlen einige. Ich vergleiche meine Namensliste mit den Karten, und kennzeichne für ihn die fehlenden Namen. Es dauert wieder eine Weile, dann sind die Karten komplett. Während ich die Bordkarten an die Gruppe weitergebe werden die Kisten abgewogen. Nach langen Diskussionen und Umpackaktionen zur besseren Gewichtsverteilung, werden alle Kisten mitgenommen, nur der Sarg muss in eine Frachtmaschine.

Wir besorgen also ein Taxi und Obmann Paul bringt mit einigen anderen die große Big Silver zum Fracht-Terminal. Inzwischen beginnt mein Freund hinter dem Schalter mit der Entgegennahme der einzelnen Gepäckstücke. Nach ein paar Koffern streikt das Förderband und es vergeht wieder eine lange Zeit des Wartens – wir sind wirklich froh, früh genug hier gewesen zu sein. Unterdessen kommt Charly mit dem Taxi zurück und meint ich müsse ebenfalls zum Fracht-Terminal kommen. Dort erzählt der zuständige Angestellte, dass die Kiste erst in vier oder fünf Tagen in Wien ankommen wird, und dass AUD 660,50 zu bezahlen wären. Ich rege mich nicht mehr auf, versuche aber doch, als die Kiste zur Überprüfung des Inhalts geöffnet werden muss, einen kleinen Bestechungsversuch mit dem darin verstauten Bundaberg-Rum. Der Mensch scheint nicht zu wissen was gut ist und verweigert – insgeheim bin ich aber schon froh darüber, dass er ihn nicht genommen hat.

Wir fahren zur Abflughalle zurück, das Taxi kostet AUD 42,60. Unsere Gruppe ist bereits vollständig abgefertigt, nur mein Koffer steht noch vor dem Schalter mit Hansi als Bewacher. Er erklärt, dass der Koffer zu schwer sei, er wiegt 32,3 kg, und ich müsste also etwas herausnehmen. Ich öffne ihn, nehme meinen Notebook-PC zum Handgepäck und das Gewicht des Koffers stimmt. Jetzt haben wir uns ein Bier verdient.

Um 14:45 Uhr startet unsere Maschine, eine BOEING 767 der Australian Airlines vom Flughafen Cairns Richtung Singapore. Diese Fluglinie ist mir sofort sympathisch, obwohl sie auch zu QANTAS gehört. Die Flugbegleiterinnen sind pausenlos zwischen den Sitzreihen unterwegs und kümmern sich um die Anliegen und Bitten der Fluggäste. Sogar Bundy & Coke gibt es – das braucht man auch, denn im Flugzeug ist es verdammt kalt. Der Flug verläuft ruhig und wir landen nach 6 h 25 min um 19:10 Uhr Ortszeit in Singapore. Der Anschluss-Flug nach Frankfurt geht erst um 23:00 Uhr, wir haben also genug Zeit etwas zu essen und uns die Beine zu vertreten.

Pünktlich um 23:00 Uhr starten wir mit einer BOEING 747 der QANTAS in Richtung Frankfurt. Auch dieser Flug ist ruhig, die Temperatur in der Kabine ist etwas höher als in der anderen zuvor, aber immer noch nicht angenehm. Vermutlich dient diese Schock-Kühlung der beschleunigten Akklimatisierung in der winterlichen Heimat – wir sollten dankbar sein.

Das Abendessen im Flugzeug verweigere ich. Ich ernähre mich in der Zwischenzeit von Nüssen und warte bis zum Frühstück, welches aber auch kein besonderer Genuss ist.

Sonntag, 30.11.2003

Nach 13 h 15 min Flugzeit landen wir um 05:15 Uhr Ortszeit sicher in Frankfurt. Hier beginnt wieder eine neue Odyssee, diesmal mit verkehrten Vorzeichen, weil in die andere Richtung, und unter verschärften Bedingungen. Wir haben diesmal unser gesamtes Gepäck mitzuschleppen – dem Angestellten in Cairns sei Dank, na wenigstens die große Kiste hat er uns erspart. Unter vielen Mühen gelingt es uns auf diesem riesigen Gelände, doch die richtige Halle zu erreichen, und nach längerer Suche und vielem Fragen, finden wir auch den für uns zuständigen Checkin-Schalter – es gibt keinen AUA-Schalter auf dem Flughafen Frankfurt, die Abwicklung unseres Checkins erfolgt über die Lufthansa. Dort kommt auch gleich die Sprache auf unser Übergepäck. Auch die Lufthansa will von uns kassieren – es dürfte sich herumgesprochen haben, dass wir noch etwas Geld übrig haben. Nach längerer Auseinandersetzung und Vorlage der Prepaid-Belege läßt sich der Supervisor per Telex eine Bestätigung der QANTAS schicken und wir können einchecken – es geht ja doch auch einfach. Bei der Frage aber, warum das Gepäck nicht von Cairns nach Wien durchgebucht wurde, werde ich plötzlich sehr müde.

Um 08:00 Uhr hebt unser Airbus (Flug OS128) vom Flughafen Frankfurt ab. Vorher rufe ich noch unseren Buschauffeur Willi Nitschinger an, um ihm mitzuteilen, dass wir pünktlich in Wien landen werden. Ich glaube, obwohl der Abschied von Cairns etwas wehmütig gestimmt hat, so freut sich doch schon jeder auf sein Zuhause – und ich dazu noch auf eine ruhige Nach ohne Balzgesang.

Ich kaufe mir noch eine Dose Bier (Inhalt 0,25 lit) um € 3,00. Um 09:25 Uhr kommen wir im wolkenverhangenen, winterlichen Wien an.

Bei der Gepäckabholung laden wir unsere Instrumente und Kisten auf einen großen Gepäckwagen, verzichten auf die Mithilfe von Indern, und bringen die Fracht zum Zoll, um die Wiedereinfuhr auf dem Carnet bestätigen zu lassen. Noch während ich im Zollamt auf die Unterschrift des Beamten warte, vernehme ich von außerhalb wohlvertraute Klänge. In der Ankunftshalle werden wir nicht nur von unseren Familien empfangen – auch unsere daheimgebliebenen Musikkollegen warten auf uns, um uns ein Begrüßungsständchen zu bringen.

Hier an dieser Stelle endet wieder ein weiteres Großereignis in der Geschichte des Musikvereins Nickelsdorf "Wendi's Böhmische Blasmusik".

EPILOG

Wir waren vor Beginn dieser zweiten Reise nach Australien skeptisch – wir glaubten nicht daran, dass der Erfolg und die Eindrücke der ersten Tour, und auch die Homogenität der damaligen Reisegruppe zu übertreffen sein werden. Wir haben uns getäuscht – und wir sind froh darüber. Das gibt Anlass bereits jetzt über eine dritte Reise in dieses schöne Land nachzudenken, und Hoffnung, dass auch diese eine Steigerung erfahren könnte – was wir jetzt jedoch wirklich nicht mehr glauben. Wir würden uns aber nichtsdestoweniger freuen, wenn wir uns auch hier wieder täuschen sollten.

Ich habe es beim vorigen Mal schon behauptet, aber in diesem Punkt wiederhole ich mich gerne:

"Australien ist ein Land nach dem man Heimweh bekommt".

 

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